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Politik

Niedersachsen will Notaufnahmen entlasten

Mittwoch, 27. Dezember 2017

/dpa

Hannover – Niedersachsens neue Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) will die Notaufnahmen der Kliniken im Land entlasten. Dafür soll ein Modell, das derzeit unter anderem in der Region Hannover läuft, ausgeweitet werden. Dabei erkennen Rettungssanitäter über eine spezielle Software, welches Krankenhaus in der Nähe Kapazitäten und Betten frei hat. „Gleichzeitig können sich die Notaufnahmen auf den Patienten vorbereiten“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Carola Reimann (SPD) der Bild.

Mit dem System Ivena wird derzeit im Emsland, in Nordhorn, der Region um Olden­burg, dem Kreis Vechta, in Osnabrück, der Region Hannover und im Heidekreis gearbeitet. Im Januar startet die Nordseeküste mit Emden, Friesland und Wilhelms­haven. Ende 2018 könnten bis zu 90 Prozent der niedersächsischen Krankenhäuser abgedeckt sein. Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums in Hannover sind bislang in Nieder­sachsen 50 Krankenhäuser an dem Modell beteiligt, das sind rund ein Viertel aller Kliniken im Land. „Wir wollen das Ivena-Projekt ausdehnen“, erklärte Reimann.

Anfragen in Echtzeit

Die Software zeigt die aktuell vorhandenen Versorgungskapazitäten von Kranken­häusern, damit die Helfer im Rettungswagen in Echtzeit sehen können, wo ein Patient die schnellste Behandlung bekommen kann. Über das webbasierte System wird die Kommunikation zwischen Kliniken, Rettungsleitstelle und Rettungswagen gesteuert. Für Rettungswagen sollen damit überflüssige Fahrten zu überlasteten Krankenhäusern und aufwendige Telefonabfragen entfallen, wo freie Kapazitäten sind.

Der Geschäftsführer des Ivena-Systemherstellers Mainis, Gerrit Wiegand, sagte, in Hessen gebe es das System bereits landesweit. „Die Erfahrungen sind durchweg gut.“ Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt ändere sich das Entscheidungsverhalten der Rettungswagenbesatzungen, weil sie einen besseren Überblick hätten, welche Häuser angefahren werden könnten. „Da ist man bereit, ein paar Minuten mehr zu fahren, aber dafür zu wissen, die nehmen mir den Patienten auch ab.“

Über das System melden die Rettungsleitstellen und die Rettungswagen ihre Patienten mit genauer Definition der Erkrankung an. Die Krankenhäuser melden über das System die freien oder überlasteten Kapazitäten an. Das gehe bis in die kleinste organisato­rische Einheit, etwa, ob ein OP oder ein beatmetes Intensivbett verfügbar sind, oder zu welchen Zeiten ein Kernspintomograf verfügbar ist. Die Notfallambulanzen können dann gezielter angefahren werden und sich auch schon auf den Patienten vorbereiten.

Auch in weiteren Bereichen könne die Medizin von der digitalen Entwicklung profitie­ren, betonte Reimann – etwa bei Onlinesprechstunden, bei denen Arzt und Patient über das Internet kommunizieren. © dpa/aerzteblatt.de

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