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Medizin

Osteoporose: Keine Evidenz für Kalzium und/oder Vitamin D in der Prophylaxe

Mittwoch, 27. Dezember 2017

/adimas - stock.adobe.com

Tianjin – Für die Prophylaxe von osteoporotischen Frakturen durch Einnahme von Kalzium- und/oder Vitamin D-Supplementen, die vor allem in der dunklen Jahreszeit nachgefragt wird, gibt es laut einer aktuellen Meta-Analyse im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 2466-2482) keine Evidenz.

Etwa 40 Prozent aller Frauen erleiden im Alter eine osteoporotische Fraktur, und auch Männer sind nicht gegen Knochenbrüche im höheren Alter gefeit, die mit einer erhöhten Morbidität einhergehen und im Fall einer Hüftfraktur oft den nahenden Tod ankündigen.

Die Osteoporose ist Folge einer Demineralisierung des Knochens im Alter. Dem Knochen fehlt vor allem Kalzium, dessen Aufnahme aus dem Darm durch Vitamin D gefördert wird. Viele älteren Menschen haben einen Mangel an Vitamin D, dessen Produktion in der Haut in den Wintermonaten weitgehend zum Erliegen kommt. Vor allem in Ländern höherer Breitengrade ist deshalb die prophylaktische Einnahme von Kalzium und/oder Vitamin D verbreitet.

Die Osteoporose-Prophylaxe wurde in den letzten Jahrzehnten in zahlreichen randomisierten klinischen Studien untersucht. Die Ergebnisse waren jedoch widersprüchlich. Zuletzt war es es nach der Einnahme von Kalzium sogar paradoxerweise zu einem Anstieg der Knochenbrüchen gekommen.

Auch eine Flut von Literatur-Übersichten und Meta-Analysen hat in den letzten Jahren kein klares Bild ergeben. Jia-Guo Zhao vom Tianjin Hospital in Tianjin/China und Mitarbeiter unternehmen jetzt einen neuen Versuch. Ihre Meta-Analyse fasst die Daten von 33 randomisierten klinischen Studien mit mehr als 50.000 Teilnehmern zusammen. Einschlossen waren Erwachsene im Alter von über 50 Jahren, die nicht in Heimen oder anderen Institutionen lebten. Die Studien hatten die Einnahme von Kalzium und/oder Vitamin D mit Placebo oder anderen Kontrollen verglichen.

Ergebnis: Die Einnahme von Kalzium oder Vitamin D war nicht in der Lage, das Risiko von osteoporotischen Knochenbrüchen zu senken. Für Hüftfrakturen ermittelt Zhao sogar ein um 53 Prozent erhöhtes relatives Risiko (RR), das jedoch nicht signifikant war (RR 1,53; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,97 bis 2,42) und mit einem absoluten Risikounterschied (ARD) von 0,01 (0,00 bis 0,01) auch nicht relevant gewesen wäre. Auch die Einnahme von Vitamin D hatte zu einer tendenziell erhöhten Rate von Hüftfrakturen geführt (RR 1,21; 0,99-1,47).

Der kombinierte Einsatz von Kalzium und Vitamin D hatte ebenfalls keinen signifikanten oder klinisch relevanten Einfluss auf die Rate der Hüftfrakturen (RR 1,09; 0,85-1,39, ARD 0,00; 0,00-0,00).

Auch für die Gruppe der nicht-vertebralen, der vertebralen Frakturen oder der Gesamtrate der Frakturen konnte Zhao keine Hinweise auf eine Evidenz finden. In Subgruppenanalysen wurden keine vorteilhaften Dosierungen gefunden. Die Kalziumzufuhr in der Nahrung und die 25-Hydroxyvitamin-D-Serumkonzentration beeinflussten die Ergebnisse der Untersuchung ebenfalls nicht. Zhao sieht deshalb keinen Grund, älteren Menschen zur routinemäßigen Einahme von Kalzium oder Vitamin D zu raten. © rme/aerzteblatt.de

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frank1
am Donnerstag, 28. Dezember 2017, 16:31

Wertlose Studie....tendenziöse Darstellung durch das DÄB

...da keine Detailangaben zur Vit. D und Calcium Supplementation genannt werden. 33 randomisierte Studien werden ausgewertet. Angaben zur Erfassung der Frakturen fehlen, wie weitere wichtige Detailfakten. Wird sicher auch schwierig sein und für einen Europäer schwer nachvollziehbar.
Man sollte diese Metanalysen langsam mal aus dem Verkehr ziehen und nur noch fundierte Prospektivstudien zulassen.
Dem DÄB mach ich den Vorwurf, dass hier die Ergebnisse einer wissenschaftlich wertlosen Studie plakativ mittels Überschrift völlig überwertet werden.
zündorf
am Mittwoch, 27. Dezember 2017, 18:26

Osteoporose: Keine Evidenz für Kalzium und/oder Vitamin D in der Prophylaxe

Aus meiner Sicht ist das Manko dieser und ähnlicher Studien und Meta-Analysen, dass die Vitamin-D-Dosis NICHT definiert ist und - soweit angegeben) häufig im Schnitt niedrig bis sehr niedrig liegt (vermutlich unterhalb einer Wirksamkeitsschwelle).
Das wäre bei einer halbwegs seriösen Medikamenten-Untersuchung absolut undenkbar.
Der wiss. Gehalt dieser Studien ist damit leider minimal, mir ist keine Studie bekannt mit angemessen hohen Dosierungen bzw. überprüften Blutspiegeln.
Soweit ich weiß, sind derartige Studien in Arbeit (u.a. NIH); bis zu deren Veröffentlichungen sind seriöse Schlussfolgerungen wie in der Überschrift insinuiert wiss. nicht haltbar.

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