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Medizin

Hydralazin: Kann älterer Blutdrucksenker das Leben verlängern?

Mittwoch, 27. Dezember 2017

/psdesign1 - stock.adobe.com

Dallas – Der Vasodilatator Hydralazin, der wegen seiner Nebenwirkungen heute kaum noch als Antihypertonikum eingesetzt wird, kann die Lebensphase von C. elegans, einer in der Altersforschung verwendeten Nematode, um 25 Prozent verlängern. Forscher führen dies in Nature Communications (2017; doi: 10.1038/s41467-017-02394-3) auf die Aktivierung von Genen zurück, die Zellen vor einem oxidativen Stress schützen.

Forscher des Southwestern Medical Center in Dallas waren ursprünglich auf der Suche nach einer Chemikalie, mit der sie oxidierte und toxische Proteine im Gehirn markieren können. Auf Hydralazin waren sie gestoßen, da es die Blut-Hirn-Schranke passiert und selbst relativ atoxisch ist.

Die ersten in vitro-Experimente zeigten, dass sich Hydralazin nicht nur als Marker für Proteine eignet, sondern auch eine schützende Wirkung auf die Hirnzellen hat. Die oxidative Wirkung von Wasserstoffperoxid wurde deutlich abgeschwächt. Nähere Untersuchungen ergaben, dass diese protektive Wirkung auf der Aktivierung des NRF2-Stoffwechselwegs beruht.

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NRF2 (Nuclear factor erythroid-derived 2-like 2) ist ein Transkriptionsfaktor, der in den Zellen eine Vielzahl von antioxidativen Abwehrmechanismen beeinflusst. Da die Fähigkeit des Körpers, sich vor schädlichen Sauerstoffradikalen zu schützen, im Alter nachlässt, ist NRF2 ein Ansatzpunkt für Anti-Aging-Medikamente. Der Farbstoff Curtumin und das Diabetesmedikament Metformin, die als potenzielle Anti-Aging-Medikamente in der Diskussion sind, erzielen ihre Effekte ebenfalls über die Aktivierung von NRF2.

Das Team um Hamid Mirzaei hat die Effekte von Hydralazin daraufhin bei C. elegans untersucht. Die Nematode schützt sich mit SKN-1 (skinhead-1), einem mit NRF2 eng verwandten Transkriptionsfaktor, vor oxidativen Schäden. Nach der Gabe von Hydralazin verlängerte sich die Lebensphase der C. elegans um 25 Prozent.

Das Mittel scheint dabei vor allem im Gehirn eine protektive Wirkung zu erzielen. Die Nematoden überlebten eine Vergiftung mit dem Insektizid Rotenon, das normalerweise zum Absterben von Hirnzellen führt. Das Antihypertonikum Hydralazin könnte sich deshalb zur Vorbeugung von degenerativen Alterserkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson eignen, hofft Mirzaei.

Ob Hydralazin auch beim Menschen eine neuroprotektive Wirkung erzielt, müsste allerdings noch untersucht werden. Hydralazin wurde in den 1950er Jahren zur Behandlung der arteriellen Hypertonie eingeführt. Durch eine Relaxion der glatten Muskulatur in den Blutgefäßen senkt Hydralazin den Blutdruck.

Wegen seiner schlechten Verträglichkeit – neben Appetitmangel, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen kann eine Reflex-Tachykardie die Behandlung komplizieren – ist Hydralazin in der Behandlung der arteriellen Hypertonie längst von anderen Medikamenten verdrängt worden. Heute wird es gelegentlich noch zur Senkung eines stark erhöhten Blutdrucks in der Schwangerschaft eingesetzt. Die Welt­gesund­heits­organi­sation zählt es weiter zu den unentbehrlichen Medika­menten. © rme/aerzteblatt.de

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rp__bt
am Mittwoch, 27. Dezember 2017, 19:08

NW

Wie häufig haben denn die Nematoden über Appetitmangel, Übelkeit und Kopfschmerzen geklagt?

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