Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Feinstaub und Ozon: Sterberisiko auch unterhalb der Grenzwerte erhöht

Donnerstag, 28. Dezember 2017

/kristo74, stock.adobe.com

Boston – Eine kurzfristig erhöhte Exposition mit Feinstaub (PM 2,5) oder Ozon war in einer Fall-Kontroll-Studie mit einem Anstieg der Todesfälle assoziiert. Das Risiko war laut der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2017; 318: 2446–2456) bereits unterhalb der geltenden Grenzwerte nachweisbar.

Nach Schätzungen des Max-Planck-Instituts (MPI) für Chemie sind mehr als 5 Prozent aller Todesfälle auf die Luftverschmutzung außerhalb der Wohnung zurückzuführen. Grenzwerte sollen die Bevölkerung schützen. Doch dieser Schutz ist offenbar nur relativ, wie die Arbeitsgruppe um Joel Schwartz von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston jetzt zeigt.

Die Forscher haben die Feinstaub- und Ozonkonzentration am Wohnort von 22 Millionen US-Senioren am Tag ihres Todes mit mehreren zufällig gewählten anderen Tagen im selben Monat verglichen. Dieses „Case crossover“-Design vermeidet Verzerrungen, die sich in Fall-Kontroll-Studie aus dem Vergleich verschiedener Personen ergeben können.

Ergebnis: An Tagen mit einer erhöhten Feinstaubkonzentration starben signifikant mehr Menschen. Für jeden kurzfristigen Anstieg der PM 2,5-Konzentration um 10 µg/m3 ermittelte Schwartz einen Anstieg des Sterberisikos um 1,05 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,95–1,15 Prozent). Jeder Anstieg der Ozon-Konzentration um 10 ppm war mit einem Anstieg der Mortalität um 0,51 Prozent (0,41–0,61 Prozent) verbunden. 

Die absolute Risikodifferenz (ARD) betrug 1,42 und 0,66 pro 1 Million pro Tag. Vor dem Hintergrund der Sterblichkeit von 137,33 und 129,44 Todesfällen pro 1 Million pro Tag ist dies kein großer Unterschied, der jedoch aufgrund der hohen Fallzahl statistisch signifikant ist.

Interessanterweise war der Anstieg der Sterblichkeit nicht nur für Feinstaub- und Ozonkonzentrationen oberhalb der Grenzwerte nachweisbar, sondern auch darunter. Die relativen Risikoanstiege fielen bei niedrigen Ausgangswerten sogar noch stärker aus als bei einer bereits über dem Grenzwert liegenden Belastung. Im Bereich einer Feinstaubbelastung von unter 25µg/m3 war jede Zunahme des PM-2,5-Werts um 10 µg/m3 mit einem Anstieg des Sterberisikos um 1,61 Prozent verbunden. Bei Ozon­werten unterhalb von 60 ppm war jede Zunahme um 10 ppm mit einem Anstieg der Sterblichkeit um 0,58 Prozent verbunden. Die ARD waren 2,17 und 0,74 Todesfälle pro 1 Million Todesfälle am Tag.

Die Studie zeigt, dass es keine sicheren Grenzwerte für Feinstaub und Ozon gibt. Schon die geringste Exposition kann der Gesundheit offenbar schaden. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Schüler
am Freitag, 29. Dezember 2017, 17:31

Feinstaub ist ungleich Feinstaub

Der größte Teil des Feinstaubs stammt aus der Landwirtschaft :-)
Feinstaub aus Verbrennungsprozessen ist mit toxischen Verbindungen befrachtet.
rp__bt
am Donnerstag, 28. Dezember 2017, 20:11

Auf ins Grüne!

Wir ziehen jetzt also alle wo hin, wo es keinen Feinstaub gibt.
Problem nur: Wenn da alle Leute hinziehen, gibt's plötzlich viel mehr Feinstaub. Also müssen wir wieder dahin, wo wir jetzt sind. Wie die Fürsten im Mittelalter, wenn die Bettwanzen überhandnahmen, zur nächsten Burg weiterzogen.

Nachrichten zum Thema

24. Mai 2018
Berlin – Vor Kurzem verklagte die EU-Kommission Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Ungarn und Rumänien in Luxemburg vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen zu hoher
Pro und Contra: Schützen die EU-Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub vor Krankheit und Tod?
18. Mai 2018
Berlin – Allergische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch: Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wird inzwischen bei 30 Prozent der 18- bis 79-jährigen im Verlauf ihres Lebens mindestens eine allergische
Mehr Allergien durch Luftschadstoffe?
17. Mai 2018
Brüssel – Die EU-Kommission verklagt Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wegen zu hoher Stickstoffdioxid-Werte in vielen Städten. Deutschland und fünf weitere Länder hätten es
EU-Kommission verklagt Deutschland wegen schlechter Luft
2. Mai 2018
Genf – Die Luftverschmutzung ist in vielen Teilen der Welt nach wie vor gefährlich hoch. Weltweit sind laut der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mehr als 90 Prozent der Menschen verschmutzter Luft
WHO rechnet mit weltweit sieben Millionen Todesfällen pro Jahr durch Luftverschmutzung
25. April 2018
Stuttgart/Mannheim – Im juristischen Streit um punktuelle Fahrverbote zur Luftreinhaltung am Stuttgarter Neckartor muss das Land Baden-Württemberg eine Niederlage hinnehmen. Der Verwaltungsgerichtshof
Verwaltungsgerichtshof: Zwangsgeld gegen Baden-Württemberg rechtmäßig
24. April 2018
Brüssel – Die EU-Kommission hat ihre Entscheidung über eine Klage gegen Deutschland wegen zu schlechter Luft in Städten erneut vertagt. Anders als angekündigt wird sie nicht mehr in diesem Monat,
Schmutzige Luft: Entscheidung über EuGH-Klage erneut verschoben
13. April 2018
Salt Lake City/Utah – Ein kurzfristiger Anstieg der Feinstaubkonzentration erhöht laut einer Studie im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (Online) bei Kindern die Anfälligkeit
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige