NewsVermischtesEhemaliger Geschäftsführer des Klinikums Ingolstadt begeht Suizid in U-Haft
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Ehemaliger Geschäftsführer des Klinikums Ingolstadt begeht Suizid in U-Haft

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Ingolstadt – Ein ehemaliger Chef des Klinikums Ingolstadt hat sich wenige Wochen nach Erhebung einer Anklage wegen Untreue umgebracht. Der Ex-Geschäftsführer der Krankenhauses habe sich gestern in der Justizvollzugsanstalt Gablingen bei Augsburg erhängt, sagte eine Sprecherin des Ingolstädter Landgerichtes heute. Zunächst hatten der Bayerische Rundfunk und der Donaukurier berichtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang November mitgeteilt, dass sie gegen den früheren Klinikchef Anklage wegen Untreue in 99 Fällen erhoben habe. Zudem wurden ihm Vorteilsannahme und Bestechlichkeit vorgeworfen. Dem Klinikum soll dadurch ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein. Das Landgericht war in den vergangenen Wochen damit beschäftigt, die Anklage zu prüfen und dann gegebenenfalls einen Prozesstermin festzulegen.

Anzeige

Korruptionsvorwürfe erhoben

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 63-Jährigen in der Korruptionsaffäre unter anderem Vetternwirtschaft vorgeworfen. So sollen Verwandte von ihm über Fremdfirmen überteuert für das Klinikum tätig gewesen sein, er selbst soll von einer Steuerbera­tungsgesellschaft kostenfrei betreut worden sein als Gegenleistung für Aufträge des Klinikums.

Der Anwalt des früheren Geschäftsführers hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Rechtsanwalt erklärte bei der Anklageerhebung, dass „die Auffassungen der Staats­anwaltschaft und der Verteidigung über die tatsächlichen Geschehnisse und deren rechtliche Bewertung erheblich voneinander abweichen“. Der Anwalt kritisierte es auch als nicht angemessen, dass sein Mandant seit April 2017 in Untersuchungshaft war.

Ob der Korruptionsskandal noch juristisch aufgearbeitet wird, ist offen. Die Staats­anwaltschaft hatte im November erklärt, dass die Ermittlungen gegen weitere Beschuldigte andauerten. Das Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer habe wegen dessen Inhaftierung Vorrang gehabt.

Im Jahr 2016 waren die Ermittlungen von einem Klinik-Ombudsmann, der die Einhaltung der Richtlinien des Kommunalunternehmens überwacht, angestoßen worden. Das Ingolstädter Klinikum ist mit mehr als 1.100 Betten und mehr als 3.000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben das viertgrößte Krankenhaus in Bayern.

© dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. Juli 2018
Darmstadt – Asylbewerber haben Anspruch auf eine kostenintensive medizinische Therapie, wenn diese aus gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Das hat das Hessische Landessozialgericht Darmstadt in
Hepatitis C: Asylbewerber haben Anspruch auf Therapie
13. Juli 2018
St. Louis – Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) ist zu einer Milliardenstrafe verurteilt worden, weil bestimmte Körperpflegeprodukte Krebs verursacht haben sollen.
Milliardenstrafe für Pharmakonzern J&J wegen angeblicher Krebsrisiken
11. Juli 2018
Lübeck – In einem Prozess um die unerlaubte Abgabe der Ersatzdroge Methadon hat einer der beiden angeklagten Ärzte die Vorwürfe heute vor dem Lübecker Landgericht zurückgewiesen. „Wir haben niemanden
Prozess um unerlaubte Abgabe von Methadon
10. Juli 2018
Essen – Der Medizinskandal um mutmaßlich gepanschte Krebsmedikamente in einer Apotheke in Bottrop wird die Justiz auch nach dem Urteil weiter beschäftigen. Die Verteidiger des 48-jährigen Apothekers
Urteil gegen Apotheker: Anklage und Verteidigung legen Revision ein
10. Juli 2018
San Francisco – Im US-Prozess eines Krebspatienten gegen den Pestizidhersteller Monsanto haben am Montag die Eröffnungsplädoyers begonnen. Der Verteidiger des Klägers Dewayne Johnson, Brent Wisner,
Eröffnungsplädoyers in US-Prozess von Krebspatient gegen Monsanto
9. Juli 2018
Paris – Die renommierte medizinische Fachzeitschrift Lancet hat zwei Artikel des in Ungnade gefallenen italienischen Chirurgen Paolo Macchiarini zurückgezogen. Das Magazin verwies zur Begründung auf
Lancet zieht nach tödlichen Experimenten Artikel zurück
6. Juli 2018
Essen – Nach einem der größten Medizinskandale der vergangenen Jahre muss ein Apotheker aus dem Ruhrgebiet wegen gepanschter Krebsmedikamente für zwölf Jahre in Haft. Nach Überzeugung des Essener
NEWSLETTER