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Medizin

Magnetresonanz­tomographie: Studie findet keine langfristigen Risiken bei Trägern von Herzschrittmachern oder ICD

Donnerstag, 28. Dezember 2017

/dpa

Baltimore – Eine Magnetresonanztomographie (MRT), die bei Trägern von Herzschritt­machern und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) lange Zeit vermieden wurde, ist in einer prospektiven Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (NEJM 2017; 377: 2555–2564) auch langfristig ohne klinisch relevante Komplikationen geblieben. Die Autoren raten jedoch zu bestimmten Vorsichtsmaßnahmen.

Die starken Magnetfelder eines Magnetresonanztomographen machen metallene Gegenstände zu gefährlichen Projektilen. Das radiologische Personal achtet deshalb schon aus eigenem Sicherheitsinteresse penibel darauf, dass die Patienten Gürtel, Uhren, Schmuck und andere Accessoires ablegen, bevor sie in den Untersuchungsraum gelangen. Herzschrittmacher und ICD können die Patienten jedoch nicht an der Pforte abgeben. 

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Träger dieser Implantate waren lange von MRT-Untersuchungen ausgeschlossen. Todesfälle, die in den 1990er-Jahren in Deutschland zu staatsanwaltlichen Ermitt­lungen und Autopsien geführt haben, haben Radiologen zur Vorsicht gemahnt. 

Inzwischen bieten einige Hersteller MRT-fähige Herzschrittmacher und ICD an, die weniger Metallkomponenten enthalten und sich in Studien als sicher erwiesen haben. Doch auch bei Trägern nicht MRT-fähiger Implantate werden zunehmend wieder Untersuchungen durchgeführt – wenn auch unter bestimmten Sicherheits­vorkehrun­gen. Dazu gehört, dass die Aggregatfunktion vor und nach der Untersuchung geprüft werden muss. Während der Untersuchung sollte ein Arzt oder eine Fachschwester anwesend sein, die im Notfall intervenieren kann. Außerdem sollten Herzschrittmacher und ICD vor der Untersuchung deaktiviert werden, sofern dies möglich ist. Bei Schrittmacher-abhängigen Patienten wird die Aktivierung des asynchronen Pacing-Modus empfohlen.

Seither wurden keine Todesfälle mehr bei MRT-Untersuchungen bekannt. Auch die Johns Hopkins Universität in Baltimore hat mit einem ähnlichen Sicherheitsprotokoll gute Erfahrungen gemacht. Die Klinik hat die Perelman School of Medicine in Philadel­phia mit einer externen Evaluierung von 2.103 MRT-Untersuchungen an 1.509 Patien­ten beauftragt, die zwischen Februar 2003 und Januar 2015 durchgeführt wurden. 

Wie Saman Nazarian und Mitarbeiter berichten, kam es während 9 MRT-Unter­suchungen (0,4 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,2 bis 0,7) von 8 Patienten zu einem spontanen Reset der Geräte in einen Backup-Modus. Ein ICD-Träger bemerkte während der Untersuchung ein ziehendes Gefühl, woraufhin die MRT-Untersuchung vorzeitig abgebrochen wurde.

Der ICD hatte sich abgeschaltet, konnte laut Nazarian jedoch später ohne Funktions­einbußen wieder reaktiviert werden. Die anderen Patienten hatten das Aussetzen der Funktion nicht bemerkt. Bei einem Patienten konnte der ICD nach einer fünften MRT-Untersuchung nicht mehr reaktiviert werden. Nazarian führt dies auf die weitgehende Entladung des Akkus zurück, der nur noch eine Lebenszeit von weniger als einem Monat hatte. Dem Patienten wurde ein neuer ICD implantiert. 

Bei 5 weiteren Patienten wurden die MRT-Untersuchungen vorzeitig abgebrochen. Bei einem Patienten im asynchronen Pacing-Modus war es zu einer Bradykardie gekom­men, ein weiterer Patient hatte eine (nicht durch das Implantat) ausgelöste Tachykardie entwickelt. Die anderen 3 MRT-Untersuchungen wurden abgebrochen, weil die Implantate zu Artefakten in der Bildgebung geführt hatten.

Bei 10 Patienten wurden unmittelbar nach der MRT-Untersuchung und bei 10 Patienten in der Nachbeobachtung Veränderungen in den Funktionsparametern der Geräte bemerkt, die allerdings als klinisch nicht signifikant eingestuft wurden und keine Neuprogrammierung des Gerätes oder eine Austauschoperation erforderlich machten. Unmittelbar nach der MRT-Untersuchung kam es am häufigsten zu einer Abnahme der P-Wellen-Amplitude (1 Prozent der Patienten). Bei der Nachbeobachtung wurden ebenfalls Abnahmen der P-Wellen-Amplitude (bei 4 Prozent), eine Erhöhung des atrialen Reizschwellenwerts (4 Prozent), des rechtsventrikulären Reizschwellenwerts (4 Prozent) und des linksventrikulären Reizschwellenwerts (3 Prozent) beobachtet.

Nazarian hält MRT-Untersuchungen aufgrund der Ergebnisse für sicher. Allerdings hatten 551 Patienten nicht an den vorgesehenen Nachuntersuchungen teilgenommen. Telefonische Rückfragen ergaben, dass 124 Patienten gestorben waren. Weitere 125 Patienten hatten keine Fehlfunktionen der Geräte bemerkt. Die übrigen 302 Patienten hatten nicht auf die Anrufe reagiert. 

Die Studie kann deshalb ein gewisses Restrisiko nicht völlig ausschließen. Unklar ist auch, ob die Erfahrungen einer einzelnen Klinik auf andere übertragen werden können. Andererseits ist es nicht die erste Untersuchung, die den nicht MRT-fähigen Herz­schritt­machern und ICD eine Sicherheit bescheinigt.

Im Februar hatte das „MagnaSafe Registry“ über ähnlich positive Erfahrungen berichtet (NEJM 2017; 376: 755–764). In dem vom Hersteller eingerichteten Patientenregister war es bei den ersten 1.000 Untersuchungen zu keinen Todesfällen, ventrikulären Arrhythmien oder Störungen der Elektroden gekommen. Die Rate von vorüber­gehenden Funktionsausfällen war vergleichbar wie in der aktuellen Untersuchung. © rme/aerzteblatt.de

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