Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Fettleibigkeit: WHO verlangt Werbeeinschränkung in Deutschland

Freitag, 29. Dezember 2017

/Joerg Brinckheger, pixelio.de

Genf – In Deutschland hat die Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen alarmierende Ausmaße angenommen. Das Problem muss nach Auffassung einer Expertin der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) rigoroser bekämpft werden. Vor allem die Werbung für Süßwaren, Junk-Food oder Bier müsse stärker eingeschränkt werden.

„Es reicht nicht, bei Werbung auf eine freiwillige Selbstkontrolle durch die Hersteller von Junk Food zu setzen“, sagte die Ernährungswissenschaftlerin Juana Willumsen, WHO-Expertin für Fettleibigkeit bei Kindern. Die Werbung müsse klar reguliert sein, die Einhaltung müsse überwacht werden und es müsse Strafen bei Verstößen geben.

Bier macht dick

Bier mache besonders dick und Werbung dafür sei in Deutschland nicht verboten, so Willumsen. Das trage womöglich zum steigenden Gewicht vieler Erwachsener, aber auch vieler Jugendlicher bei. Die WHO empfiehlt mehr Schulsport sowie eine Stadt- und Transportplanung, die Laufen, Fahrradfahren und sportliche Freizeitbeschäftigung fördert. Schulkinder hätten laut Statistik in Deutschland 2014 weniger Obst- und Gemüse gegessen als 2002. Der Softdrink-Konsum sei zwischen 2002 und 2006 gesunken, steige aber wieder.

Nach der von der WHO genutzten Statistik des Wissenschaftlernetzwerks NCD-RisC waren 2016 in Deutschland 6,9 Prozent der Mädchen und 11,2 Prozent der Jungen zwischen 5 und 19 Jahren fettleibig. 1980 waren es bei den Jungen nur vier Prozent, im Jahr 2000 waren es 8,1 Prozent. Ab welchem Gewicht ein Kind als fettleibig gilt, wird weltweit einheitlich berechnet. Dabei werden Alter und Größe berücksichtigt.

2016 fielen in Österreich 11,3 Prozent der Jungen in die Kategorie, in der Schweiz sieben Prozent. Mehr fettleibige Jungen als in Deutschland gibt es unter anderem in Spanien (12,9 Prozent), Italien (14,5 Prozent), China (15,4 Prozent) und den USA (23,3 Prozent). Weniger sind es dagegen in Großbritannien mit 10,9 Prozent oder in Frankreich mit 8,9 Prozent. In Indien lag der Anteil erst bei 2,4 Prozent.

Zur Effizienz freiwilliger Selbstkontrollen legten vorläufige Ergebnisse zahlreicher Studien vor allem eines nahe, so Willumsen. „Es funktioniert nicht.“ Hersteller von Süßwaren und -getränken und anderem Junk Food verpflichteten sich oft nur zu sehr begrenzten Einschränkungen. Dann werde etwa auf Werbung in Zeichentricksendungen oder Programmen nur für unter Fünfjährige verzichtet. „Junge Leute sind aber bis 16 sehr anfällig für Werbung, und die sehen auch andere Programme“, meinte Willumsen. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

20. April 2018
Los Angeles – Aus pluripotenten Stammzellen abgeleitete Gehirnzellen von stark adipösen Menschen beeinflussen den Hunger anders als von Normalgewichtigen. Sie dysregulieren häufiger Hormone, die für
Hypothalamus-Neuronen von adipösen Menschen reagieren stärker auf Appetithormone
5. April 2018
London/Seattle – Kritiker bezeichnen die Zuckersteuer gerne auch als Armensteuer, weil sie in erster Linie Menschen mit wenig Einkommen und Bildung treffen würde. Dieser Theorie widersprechen jetzt
Steuer auf ungesunde Lebensmittel soll vor allem einkommensschwache Menschen schützen
5. April 2018
Düsseldorf – Die Debatte um zu viel Zucker in Lebensmitteln, vor allem in Getränken, geht weiter. Gestern hatte die Verbraucherorganisation Foodwatch dem Konzern Coca-Cola in einem Report eine
Debatte um Zuckersteuer: Industrie reagiert mit freiwilliger Selbstverpflichtung
3. April 2018
Göteborg – Die Gewichtsabnahme nach einer bariatrischen Operation kann nicht nur die Begleiterkrankungen der Adipositas wie einen Typ-2-Diabetes lindern, sie hat auch Auswirkungen auf die
Neuer Lebenspartner: Häufige Folge der Adipositas-Operation
29. März 2018
Atlanta – Das „Einfrieren“ des Nerven, der dem Gehirn mitteilt, dass der Magen leer ist, hat in einer Pilotstudie zu einer nachhaltigen Gewichtsabnahme geführt. US-Radiologen haben ihre Methode auf
Kryoablation des Vagusnerven senkt Körpergewicht
29. März 2018
Oxford – Das Freihandelsabkommen CUSFTA, das seit dem Jahr 1989 Handelsschranken zwischen den USA und Kanada abgebaut hat, hat die Lebensverhältnisse zwischen beiden Ländern angeglichen. Dazu gehört
Studie: Freihandelsabkommen förderte Adipositas in Kanada
16. März 2018
Glasgow/Aachen – Im European Heart Journal publizierten schottische Forscher diese Woche eine weitere Studie, die das Adipositias-Paradoxon widerlegen soll (2018; doi: 10.1093/eurheartj/ehy057). Schon

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige