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Medizin

Demenzprävention: US-Neurologen raten zu Sport statt Medikamenten

Freitag, 29. Dezember 2017

/Halfpoint, stock.adobe.com

Rochester – Ärzte sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit laut einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Zu den Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826) gehört auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten häufig verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) im Alter sind häufig. Die Prävalenz nimmt nach den Recherchen der Leitlinien-Autoren um Ronald Petersen von der Mayo Clinic in Rochester von etwa 7 Prozent im Alter von 60 bis 64 Jahren auf fast 15 Prozent im Alter über 70 Jahren zu.

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Die Beeinträchtigungen werden zunächst kaum bemerkt. Die Patienten haben Schwierig­keiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder sie verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn die Patienten Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen haben. 

Eine MCI schreitet nicht immer zur Demenz fort. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann jedoch rasch sein: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten wird innerhalb von zwei Jahren eine Demenzdiagnose gestellt.

Derzeit gibt es keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können. Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Behandlung der Alzheimer-Krankheit zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht indiziert. Die AAN rät von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab (Evidenz-Level B). Wenn die Ärzte sie den Patienten dennoch anbieten, sollten sie zuerst auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen (Level A).

Für die Wirksamkeit von Sport gibt es dagegen erste Belege. Zwar seien noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, so die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden jedoch darauf hindeuten, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann (Level B).

Die Ärzte können den Patienten auch zu einem kognitiven Training raten, finden die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, werden jedoch noch als schwach eingestuft (Level C). 

Eine wichtige Aufgabe der Ärzte besteht nach Ansicht der Leitlinien in der Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren. Dazu gehören die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Der Wechsel der Medikation, eine bessere Schlaf­hygiene und die Behandlung von Depressionen können häufig die Symptome der MCI lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern (Level B). © rme/aerzteblatt.de

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