NewsMedizinTopiramat: Dosis bestimmt das Risiko auf Lippen-Kiefer-Gaumen­spalten
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Topiramat: Dosis bestimmt das Risiko auf Lippen-Kiefer-Gaumen­spalten

Freitag, 29. Dezember 2017

Boston – Das Antiepileptikum Topiramat, das auch zur Behandlung von bipolaren Störungen und zur Prävention von Migräne-Attacken eingesetzt wird, kann bei einer Einnahme in der Frühschwangerschaft zu Fehlbildungen führen. Das Risiko war in einer bevölkerungsbasierten Studie in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004857) dosisabhängig.

Das teratogene Risiko von Topiramat ist seit längerem bekannt. Zu den Fehlbildungen gehören Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Hypospadien und Anomalien, die verschiedene Körpersysteme einschließen. Das Risiko besteht vor allem bei einer Einnahme in der Frühschwangerschaft. Topiramat ist deshalb kontraindiziert bei Frauen im gebär­fähigen Alter, solange sie keine wirksame Verhütungsmethode anwenden.

Dass diese Vorsichtsmaßnahmen nicht immer beachtet werden, zeigt eine Analyse der Daten von Medicaid-Begünstigten, die wegen ihres geringen Einkommens in den USA staatliche Unterstützung zur Kran­ken­ver­siche­rung erhalten. Unter den etwa 1,4 Millionen Versicherten hatten in den Jahren 2000 bis 2010 2.425 Frauen im Zeitraum von drei Monaten vor der Schwangerschaften bis zum ersten Monat Topiramat verordnet bekommen.

Anzeige

In dieser Gruppe kam es bei 4,1 von 1.000 Kindern zu Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die Sonia Hernandez-Diaz von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston als Marker für eine teratogene Wirkung wählte, weil sie nach der Geburt selten über­sehen und in der Regel in den Akten notiert werden. Bei den Frauen, die kein Topiramat erhielten, betrug die Inzidenz 1,1 pro 1.000 Kinder. Hernandez-Diaz ermittelte ein relatives Risiko von (RR) von 2,90, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,56 bis 5,40 statistisch signifikant war.

Bei den Frauen, die Topiramat zur Prävention von epileptischen Anfällen erhalten hatten, war das Risiko deutlich höher (RR 8,30; 2,65-26,07) als bei Frauen, die wegen anderer Indikationen, etwa einer bipolaren Störung, behandelt worden waren (RR 1,45; 0,54-3,86).

Der Grund für das geringere (aber gleichwohl erhöhte Risiko) war die niedrigere Dosis. Bei der Anfallsprävention werden Tagesdosen von 200 mg oder mehr eingesetzt. Bei den anderen Indikationen sind Dosierungen von 100 mg üblich. 

Bereits die Dosis von 100 mg oder weniger erhöhte das Risiko (RR 1,64; 0,53-5,07). Bei höheren Dosierungen stieg es jedoch deutlich an (RR 5,16; 1,94-13,73). Eine zweite Analyse, in der Lamotrigin (ein nicht sicher teratogenes Antiepileptikum) als Vergleich gewählt wurde, kam zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Ergebnisse unterstreichen für Hernandez-Diaz noch einmal das hohe teratogene Risiko von Topiramat. Höhere Dosierungen des Medikaments sollten deshalb bei Frauen im gebärfähigen Alter nach Möglichkeit vermieden werden, rät die Forscherin. Die Studie zeigt jedoch auch, dass eine niedrig-dosierte Therapie bei bipolaren Störungen oder zur Migräne-Prophylaxe nicht unbedenklich sind. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 31. Dezember 2017, 23:04

Ach so...

Topiramat kann auch zu Glaukom, Makulaproblemen, Gesichtsfeldausfällen führen... lieber Migräne oder bipolar als blind!
LNS

Nachrichten zum Thema

14. Dezember 2018
Potsdam – Der Bundesrat hat heute der Initiative Brandenburgs zur Abschaffung der Importquote beim Verkauf von Arzneimitteln zugestimmt. Derzeit müssen deutsche Apotheken mindestens fünf Prozent ihrer
Bundesrat stimmt für Abschaffung von Importquote für Arzneimittel
14. Dezember 2018
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat die in dem Entwurf zum Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) enthaltenen Regelungen für das digitale Rezept begrüßt.
Digitales Rezept: Montgomery begrüßt geplanten Gesetzentwurf
14. Dezember 2018
Silver Spring/Maryland – Der Antikörper Ustekinumab, der zur Behandlung der schweren Psoriasis und seit Kurzem auch des Morbus Crohn zugelassen ist, kann in seltenen Fällen auch eine „nichtinfektiöse“
Ustekinumab: Psoriasis-Biologikum kann Lungenentzündung auslösen
12. Dezember 2018
Berlin – Nach intensiven Verhandlungen haben sich GKV-Spitzenverband, Deutscher Hebammenverband, Bund freiberuflicher Hebammen und das Netzwerk der Geburtshäuser auf eine Anhebung der
Betriebskostenpauschale für Geburtshäuser steigt
12. Dezember 2018
Chapel Hill/North Carolina – Schwangerschaften schützen vor Brustkrebs, doch die protektive Wirkung setzt laut einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2018; doi: 10.7326/M18-1323) erst nach
Brustkrebsrisiko in den ersten Jahren nach einer Geburt erhöht
10. Dezember 2018
Portland/Oregon – Eine Behandlung mit Vitamin C kann die Lungenschäden von Säuglingen, zu denen es durch das Tabakrauchen ihrer Mütter während der Schwangerschaft kommt, abschwächen. Dies ergab eine
Passivrauchen: Vitamin C in der Schwangerschaft verbessert Lungenfunktion von Säuglingen
7. Dezember 2018
Berlin – Wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen werden mehrere Chargen einer Antibabypille zurückgerufen – es drohen Anwendungsfehler und ungewollte Schwangerschaften. Frauen, die zwischen 27.
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER