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Medizin

CAR-T-Zelltherapie könnte HIV-Infektionen langfristig unterdrücken

Freitag, 29. Dezember 2017

/Giovanni Cancemi, stock.adobe.com

Los Angeles – Die CAR-T-Zelltherapie, die in den USA kürzlich zur Behandlung von Leukämien und Lymphomen zugelassen wurde, könnte im Prinzip auch bei HIV-Infektionen eingesetzt werden, wie experimentelle Studien in PLOS Pathogens (2017; doi: 10.1371/journal.ppat.1006753) zeigen. Erste Ergebnisse waren auch auf der IAS-Tagung im Sommer 2017 in Paris vorgestellt worden.

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden T-Zellen im Labor mit einem synthetischen Rezeptor (Chimeric Antigen Receptor, CAR) ausgestattet. T-Zellen sind die Armee des Immun­systems, die unerwünschte Zellen vernichten. Die CAR lenken die Aufmerksamkeit der T-Zellen auf ein bestimmtes Angriffsziel, das sie nach der Rückführung in den Körper angreifen sollen. Bei Tisagenlecleucel und Axicabtagen-Ciloleucel, die in diesem Jahr in den USA zur Behandlung bestimmter Leukämien oder Lymphome zugelassen wurden, ist CD19 das Angriffsziel. CD19 ist ein Antigen auf der Oberfläche von B-Zellen, aus denen viele Leukämien oder Lymphome bestehen.

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Nicht nur zur Krebsbehandlung

Die CAR-T-Zelltherapie eignet sich jedoch nicht nur zur Krebsbehandlung. Durch das Design der CAR können die T-Zellen im Prinzip gegen jedes beliebige Ziel gerichtet werden, so auch gegen CD4. CD4 ist die Eintrittspforte für HI-Viren in T-Zellen. Eine CAR-T-Zelltherapie gegen CD4 allein würde eine HIV-Infektion jedoch nicht besiegen.

Denn als T-Zelle würden die CAR-T-Zellen ebenfalls von den Viren infiziert. Ein Team um Scott Kitchen von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles hat die CAR-T-Zellen deshalb zusätzlich mit einem Zellprotein ausgestattet, das dies verhindern soll: C46 blockiert die für den HIV-Eintritt essenzielle Fusion der Virusmembran mit der Zellmembran.

Problem der Lebenszeit

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der begrenzten Lebenszeit von T-Zellen. Da sich HI-Viren im Körper verstecken, kommt es nach dem Ende einer medikamentösen Behandlung schnell zu einem Rückfall. Die US-Forscher haben die C46-CD4-CAR deshalb in Stammzellen des Knochenmarks eingebaut. Nach einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation bilden sich dann Gedächtniszellen, die bei Bedarf neue C46-CD4-CAR-T-Zellen rekrutieren.

Die ersten Experimente an Makaken haben vielversprechende Ergebnisse geliefert. Die C46-CD4-CAR-T-Zellen waren wie erhofft, resistent gegen eine HIV-Infektion. Nach einer Stammzelltransplantation wurden die C46-CD4-CAR in verschiedenen Zelllinien gebildet. Sie waren mehr als 2 Jahre im Körper von Makaken nachweisbar, ohne dass es zu Toxizitäten kam. 

In einem Experiment wurden die Tiere nach einer CAR-T-Zelltherapie zunächst über 28 Wochen mit antiretroviralen Medikamenten behandelt. Dann wurden die Medikamente abgesetzt. Dies führt normalerweise zu einem sofortigen Anstieg der Viruslast im Blut. Die CAR-T-Zelltherapie konnte dies nicht vollständig verhindern, die Virusreplikation war jedoch deutlich vermindert. Dies zeigt laut Kitchen, dass die Stammzelltherapie CAR-T-Zellen einen langdauernden Memory-Effekt erzielt. 

Die CAR-T-Zelltherapie hat nach Ansicht des Forschers das Potenzial, eine lebenslange Immunität gegen HIV zu erreichen, vergleichbar mit dem Berliner Patienten, der nach einer Behandlung mit natürlicherweise HIV-resistenten Stammzellen von seiner HIV-Infektion geheilt wurde.

Da die Behandlung anders als beim Berliner Patienten jedoch (noch?) keine sichere Heilung verspricht, käme sie in erster Linie als Kombination mit einer antiretroviralen Therapie infrage. Die CAR-T-Zelltherapie könnte möglicherweise die Dosis der Medikamente und damit deren Toxizität und Kosten senken. Ob die Idee angesichts immer besser verträglicher und kostengünstiger Medikamente klinisch aufgegriffen wird, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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