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Medizin

Esketamin-Nasenspray lindert Major-Depression in klinischer Studie

Sonntag, 31. Dezember 2017

Titusville – Eine intra-nasale Formulierung von Esketamin, dem S-Enantiomer des intravenösen Anästhetikums Ketamin, hat in einer ersten randomisierten klinischen Studie die Symptome bei therapie-refraktären Patienten gelindert. Die in JAMA Psychiatry (2017; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.3739) vorgestellten Ergebnisse haben den Hersteller zu einer Phase 3-Studie veranlasst.

Fast ein Drittel aller Patienten mit Major-Depression spricht nicht auf eine Therapie an, die heute in der Regel mit Medikamenten erfolgt, die die Wiederaufnahme von Sero­tonin in den Neuronen hemmt. Ein anderer Ansatz, der in den letzten Jahren bereits zu guten Ergebnissen geführt hat, ist die Gabe von Ketamin, das im Gehirn den NMDA-Rezeptor (N-Methyl-D-Aspartat) inhibiert. Die Therapie ist jedoch für den außer­klinischen Bereich kaum geeignet, da Ketamin bisher intravenös verabreicht werden musste.

Der Hersteller Janssen hat jetzt eine intra-nasale Formulierung entwickelt, die im Prinzip von den Patienten selbst angewendet werden könnte. Die Formulierung enthält nur das S-Enantiomer Esketamin, das eine doppelt so starke Wirkung hat wie die Mischung beider Enantiomere.

Das Eskatamin-Spray wurde in einer ersten klinischen Studie an 67 Patienten mit Mayor-Depression untersucht, bei denen mindestens zwei zugelassene Antidepressiva keine ausreichende Wirkung erzielt hatten. Die Studienteilnehmer, die ihre bestehende antidepressive Behandlung fortsetzten, wurden auf vier Gruppen verteilt, in denen sie zusätzlich mit Placebo oder Esketamin in drei unterschiedlichen Dosierungen behandelt wurden.

Nach der ersten Woche, in der die Patienten zwei Dosierungen (Tag 1 und 4) erhalten hatten, wurden auch die Teilnehmer des Placeboarms mit Esketamin behandelt, wenn ihre Symptome dies erforderlich machten. Die Doppelblindphase wurde nach zwei Wochen (und vier Dosierungen) beendet. Es folgte eine offene Phase über acht Wochen, in der die Dosierungsintervalle auf eine oder sogar zwei Wochen verlängert wurden. Nach dem Ende der Studie wurden die Patienten unter ihrer früheren Therapie über weitere acht Wochen beobachtet.

Ergebnis: Esketamin erzielte in den beiden höheren Dosierungen (56 und 84 mg) eine deutliche antidepressive Wirkung (gemessen in der Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale). Wie Ella Daly vom Forschungslabor des Herstellers in Titusville und Mitarbeiter versichern, kam es zu keinen schweren Komplikationen. Nur drei von 56 Patienten (5 Prozent) brachen die Therapie in der Doppelblindphase ab, ein weiterer Patient (1 Prozent) beendete die Therapie in der „Open Label“-Phase. Die wichtigsten Nebenwirkungen waren Schwindelgefühle und Übelkeit. 

Nach der intra-nasalen Applikation von Esketamin kam es zu einem Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck (bis zu 199/115 mmHg) und zu vorübergehenden Wahrnehmengsstörungen oder dissoziativen Symptomen, wie sie aus der Anwendung von Ketamin in der Anästhesie bekannt sind. Patienten mit Psychosen in der Vorgeschichte waren vorsichtshalber von der Teilnahme ausgeschlossen.

Ob diese vorübergehenden Effekte eine sichere Anwendung beeinträchtigen, lässt der Hersteller derzeit in einer Phase 3-Studie prüfen. Auch das mögliche Abhängigkeits­potenzial und der Missbrauch des Mittels als Partydroge dürften für die Zulassungs­behörden ein Thema sein. © rme/aerzteblatt.de

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