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Ärzteschaft

Montgomery gegen umfassende Alterstests bei Asylbewerbern

Dienstag, 2. Januar 2018

München – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, hat sich gegen umfassende Alterstests bei Asylbewerbern ausgesprochen. „Wenn man das bei jedem Flüchtling täte, wäre das ein Eingriff in das Menschenwohl“, sagte Montgomery der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die Möglichkeit, das Alter von Menschen mithilfe eines Röntgenbildes festzustellen. „Das lehnen wir deswegen ab.“

Röntgen ohne medizinische Indikation sei „ein Eingriff in die körperliche Unversehrt­heit“, sagte Montgomery. Nach den Regeln des Strahlenschutzes sei eine Alters­feststellung nur im Rahmen eines Strafprozesses zulässig – wie im Fall der in Kandel ermordeten Jugendlichen.

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Im pfälzischen Kandel hatte vergangene Woche ein aus Afghanistan stammender Verdächtiger seine 15-jährige Ex-Freundin erstochen. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich der Polizei zufolge um einen Asylbewerber, der im Frühjahr 2016 unbegleitet nach Deutschland kam. Er soll 15 Jahre alt sein, es gibt aber Zweifel an seinem Alter. Eine Reihe von Politikern forderte deshalb eine strengere Altersprüfung bei jungen Flüchtlingen. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Mittwoch, 3. Januar 2018, 08:44

Typisch deutsche Wehleidigkeit

Diese wehleidige Diskussion um die Altersbestimmung junger Flüchtlinge (nur um diese handelt es sich, wie bach bereits richtig festgestellt hat) ist typisch deutsch, und ich habe den Eindruck, Herr Montgomery reklamiert wieder einmal die Meinungshoheit für die gesamte Ärzteschaft. Dabei ist eine Altersuntersuchung (radiologisch und körperlich!) für junge Menschen, die ihre Papiere absichtlich zurückgelassen haben, um sich als minderjährig auszugeben, ein absolut angemessenes Mittel, und für die kleine Minderheit, die ihre Papiere tatsächlich ohne eigenes Zutun verloren haben, ist die Untersuchung als zumutbar zu betrachten - schließlich wollen sie Leistungen des Staates erhalten, und es gilt auch hier das Prinzip, dass Anspruchsberechtigungen an den Staat vom Antragssteller nachzuweisen sind. Im Übrigen hat der Staat das Recht, auch andere als rein medizinische Indikationen für bestimmte Untersuchungen festzulegen - die routinemäßige Röntgenaufnahme der Lunge bei Neuankömmlingen erfolgt auch außerhalb einer ärztlichen Indikation im engeren Sinn, und darüber regt sich niemand auf.
Avatar #87626
bach
am Dienstag, 2. Januar 2018, 15:45

Menschenwohl?

Es geht doch nicht um die Feststellung des Alters eines jeden Flüchtlings. Ob jemand 50 oder 51 Jahre alt ist, ist doch völlig egal.

Die UN-Kinderrechtskonvention, der Deutschland ja beigetreten ist, besagt, dass Kinder bis zum vollendeten 18. Lebensjahr (nicht bis zum 14. Lj.!) als solche zu bezeichnen sind.
Es geht um die Altersbestimmung bei diesen "Kindern", nicht um die von "allen" Flüchtlingen.

Wir wissen um die Besonderheit der unbegleiteten Flüchtlinge, die angeben, dass sie noch nicht das 18. Lj. erreicht haben, und sich nicht ausweisen. Es gibt inzwischen ca. 50 000 bei uns registrierte schutzbedürftige Kinder, die ihr wahres Alter verschleiern, aus besonderem und kostspieligem Grund. Eine bisher praktizierte Inaugenscheinnahme bei der Registrierung der Kinder allein reicht für eine Altersbestimmung längst nicht mehr aus.

Rechtsmediziner sind die kompetenten Fachleute, die mit großer Sicherheit durch entsprechende Röntgenuntersuchungen klären, ob die Angaben der Kinder stimmen oder nicht.

Das Menschenwohl dieser Kinder ist durch die geringe Strahlenbelastung solcher Untersuchungen nicht gefährdet. Eine Röntgenuntersuchung wird überhaupt wohl die erste sein für alle, die hierher kommen.

Die Strahlenbelastung ist also äußerst gering.

Das Menschenwohl ist hier eine Phrase und sehr unpassend.
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