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Medizin

Wie toxische Proteine Parkinson auslösen können

Mittwoch, 3. Januar 2018

/dpa

London/Cambridge – Ein Protein namens Alpha-Synuclein könnte ein Auslöser für die Entwicklung der Parkinsonerkrankung sein. Das berichten Wissenschaftler um die Erstautorin Giuliana Fusco vom Imperial College London und der University of Cambridge, England, in der Fachzeitschrift Science (2017; doi: 10.1126/science.aan6160).

Man geht davon aus, dass weltweit mehr als 10 Millionen Menschen mit der Parkinson­krankheit leben. Obwohl sie oft erst nach dem 50. Lebensjahr auftritt, werden rund 10 Prozent der Parkinsonerkrankungen bei jüngeren Menschen diagnostiziert.

Zu den Symptomen, die sich langsam entwickeln und sich mit der Zeit verschlimmern, gehören Gleichgewichtsstörungen, Starrheit, Langsamkeit der Bewegung, Zittern und Probleme beim Sprechen und Schlucken. Forscher haben entdeckt, dass die Parkinson­krankheit auch Nicht-Dopamin-Hirnzellen beeinflusst, was erklären kann, warum die Krankheit oft Symptome aufweist, die nichts mit Bewegung zu tun haben, zum Beispiel Angstzustände, Depressionen, Müdigkeit und Schlafstörungen.

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Laut den Forschern kann sich das Alpha-Synuclein zu Clustern formen, sogenannten Oligomeren. Mithilfe der Festkörper-Magnetresonanzspektroskopie charakterisierten die Wissenschaftler verschiedene strukturelle Merkmale der Oligomere und unter­suchten anschließend, wie die Merkmale ihre Wechselwirkung mit den Zellen beeinflussten. Sie benutzten Gehirnzellen von Ratten sowie Gehirnzellen, die aus menschlichen Hirntumoren entnommen wurden.

Indem sie die Oligomere stabil hielten, konnten die Forscher zwei Merkmale identifi­zieren, die für ihre Toxizität ausschlaggebend sind: eines, das es ihnen erlaubt, an der Zellwand zu haften, und eines, das sie in die Membran eindringen lässt und die Zellfunktion stört. „Es ist ein bisschen so, als ob man ein Stück extrem heißes Metall auf eine Kunststoffoberfläche legt. In relativ kurzer Zeit wird es ein Loch durch das Plastik brennen“, erläuterte der Co-Senior-Studienautor Alfonso De Simone vom Department of Life Sciences am Imperial College London.

Die Forscher verglichen das Verhalten der Oligomere und ihre Neigung, an den Wänden der Gehirnzellen zu kleben außerdem mit der Art und Weise, wie Viren in die Zellen eindringen. Der Unterschied bestehe darin, dass ein Virus die Zellmaschinerie zu seinem eigenen Vorteil anpasse, das Oligomer sie dagegen nur störe. De Simone schlägt vor, dass die Fähigkeit des Oligomers, „die Integrität der Membran zu stören“, ein entscheidender Schritt in dem Prozess ist, der letztendlich die Gehirnzelle tötet.

Die Wissenschaftler hoffen, dass die Ergebnisse zu neuen Medikamenten gegen die Parkinsonkrankheit führen werden, die verhindern, dass die toxischen Proteine in gesunde Gehirnzellen gelangen. © hil/aerzteblatt.de

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hhhw_schmidt
am Mittwoch, 3. Januar 2018, 21:31

Die Arbeit hat überhaupt nichts damit zu tun wie toxische Proteine Parkinson auslösen können

Zum einen ist die Frage Henne und Ei zwischen Alpha-Synuclein und Mb. Parkinson. In praktisch allen degenerierenden Zellen gibt es Protein-Aggregate. Das ist also nichts Besonderes oder Charakteristisches. Zum zweiten wurde die Hypothese an Neuroblastom-Zellen and primären cortical Neuronen in Zellkultur "validiert". Was hat dies mit Mb. Parkinson zu tun? Ein bisschen kritischer bitte was medizinische Relevanz betrifft. Nur weil es in SCIENCE steht muss es nicht gleich relevant sein.

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