Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

COPD: Kardiale Risiken in den ersten 30 Tagen einer LAMA/LABA-Therapie

Mittwoch, 3. Januar 2018

/megaflopp, stock.adobe.com

Taipeh – Taiwanesische Forscher raten zur Vorsicht bei der Erstverordnung von langwirksamen Anticholinergika (LAMA) und/oder langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA). Ihre Fall-Kontroll-Studie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.7720) ergab, dass es in den ersten 30 Tagen der Behandlung vermehrt zu kardiovaskulären Ereignissen kommen kann.

LAMA wie Tiotropium, Aclidinium und LABA wie Formoterol, Salmeterol, Indacaterol sind ein fester Bestandteil in der Behandlung der chronisch obstruktiven Lungen­erkran­kung (COPD), wo sie als Bronchodilatatoren Atemnot und Husten vermindern. Zu den pharmakologischen Wirkungen von LAMA und LABA gehört jedoch ein Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck, zu dem es infolge einer Aktivierung des sympathi­schen Nervensystems kommen kann. 

Die Auswirkungen wurden bisher als minimal angesehen, zumal eine Zunahme von kardiovaskulären Ereignissen in den randomisierten klinischen Studien nicht sicher erkennbar war. Viele Teilnehmer dieser Studien waren jedoch schon vorher mit LAMA und/oder LABA behandelt worden, sodass möglicherweise bereits eine gewisse Gewöhnung eingetreten war. 

Der Pharmazeut Meng-Ting Wang vom National Defense Medical Center in Taipeh hat jetzt die Daten der staatlichen Gesundheitsversicherung ausgewertet, über die mehr als 99 Prozent der Bevölkerung medizinisch versorgt werden. Ein Abgleich mit den Krankenhausregistern ergab, dass es in den ersten 30 Tagen nach der Erstverordnung von LAMA und/oder LABA häufiger zu Notfalleinweisungen wegen koronarer Herz­krankheit, Herzrhythmusstörungen, dekompensierter Herzinsuffizienz oder Schlaganfall kommt. Später lag das Risiko eher niedriger als bei COPD-Patienten, die diese Medikamente nicht erhielten.

Wang ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,50 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,35–1,67) für die ersten 30 Tage nach der Neuverordnung von LABA und von 1,52 (1,28–1,80) für die ersten 30 Tage nach der Neuverordnung von LAMA. Bei der kombinierten Verordnung von LAMA und LABA betrug die Odds Ratio 2,03 (1,42–2,91).

Das absolute Risiko für die Patienten war gering. Die „Number needed to harm“ betrug für neue LABA-Nutzer 406 (303–580) und für neue LAMA-Benutzer 391 (254–725). 

Die Studie kann nicht ermitteln, welche weiteren Patienteneigenschaften die kardio­vaskulären Notfälle begünstigen. Es dürfte jedoch plausibel sein, dass Patienten mit kardialen Vorerkrankungen am ehesten gefährdet sind. Wang rät deshalb, vor der Verordnung ein EKG anzufertigen. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

14.11.17
Zwölf Prozent der über 65-Jährigen an COPD erkrankt
Berlin/Hannover – In Deutschland leiden nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) rund sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung unter einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Mit......
13.11.17
Saubere Luft muss in Niedersachsen größeren Stellenwert bekommen
Hannover – Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, hat größere Anstrengungen zur Verringerung des Schadstoffausstoßes gefordert. Nach dem Rauchen sei die Luftverschmutzung durch......
28.09.17
Tabakentwöhnung bei COPD: Kassenfinanzierte Intervention hilft fast jedem Zweiten
Chemnitz – In Sachsen und Thüringen konnten fast 1.000 Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auf Kosten der AOK Plus an dem Modellprojekt „Rauchfrei durchatmen“ teilnehmen.......
13.09.17
Atemwegserkrankungen für mehr als jeden zehnten Sterbefall verantwortlich
Berlin – Erkrankungen der Atemwege und der Lunge bleiben trotz therapeutischer Fortschritte eine wichtige Ursachen von Krankheitslast und Sterblichkeit in Deutschland. Das geht aus der neuen Ausgabe......
13.09.17
Asthma-Antikörper Mepolizumab bei eosinophiler COPD wirksam
Pittsburgh – Das Antikörperpräparat Mepolizumab, das über eine Neutralisierung von Interleukin-5 die Zahl der eosinophilen Granulozyten senkt, hat in zwei randomisierten Studien als zusätzliche......
21.08.17
Weltweit 3,6 Millionen Todesfälle durch COPD und Asthma
Seattle – Weltweit leiden zweimal mehr Menschen an Asthma bronchiale als an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), doch die Sterblichkeit ist bei der COPD achtmal höher. Dies kam in......
17.07.17
COPD: Veränderte Lunge, verändertes Mikrobiom
München – Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann es mit der Zeit zu strukturellen Veränderungen in der Lunge kommen. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums München konnten......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige