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Medizin

Tuberkulose: Isoniazid und Rifampicin könnten besser mit Vitamin C wirken

Donnerstag, 11. Januar 2018

Elektronemikroskopische Aufnahme des Mycobacterium tuberculosis /dpa
Elektronemikroskopische Aufnahme des Mycobacterium tuberculosis /dpa

Washington – Die Antituberkulotika Isoniazid und Rifampizin könnten noch besser wirken, wenn sie in Kombination mit Vitamin C eingenommen werden. Die Therapie mit den bakteriostatischen Medikamenten könnte mithilfe des Vitamins verkürzt werden, vermuten die Forscher um William Jacobs vom Einstein College of Medicine in New York in ihrer Publikation, die in Antimicrobial Agents and Chemotherapy erschienen ist (2017; doi: 10.1128/AAC.02165-17). Klinische Studien stehen jedoch noch aus.

Die Forscher hatten mit Mycobacterium tuberculosis infizierte Mäuse und Zelllinien mit 3 verschiedenen Therapien behandelt: Isoniazid und Rifampizin mit und ohne Vitamin C, sowie Vitamin C allein. 4 und 6 Wochen nach der Therapie untersuchten sie den Infektionsstand.

In vitro reduzierte die Kombination mit einer Vitamin-C-Injektion die Entkeimung der Zellen von Tuberkulosebakterien um 7 Tage. Bei den infizierten Versuchsmäusen reduzierte sich die Bakterienlast ebenfalls nach der Behandlung.

Bereits 2013 hatte das Forscherteam am Albert Einstein College of Medicine der Yeshiva University in Nature Communications gezeigt, dass teilweise hochdosiertes Vitamin C die Therapie gegen resistente Tuberkulosebakterien verbessern könnte. Vitamin C und Isoniazid führten in vitro nach einigen Tagen zu einer Zellkultursterilität, was die Autoren mit einer Fentonreaktion begründen.

„Dabei führt Vitamin C zusammen mit Eisen über eine Vielzahl von Reaktionen zum Abtöten der Bakterien“, erklärt Brit Häcker, ärztliche Mitarbeiterin beim Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK). Einen gegenteiligen Effekt von Vitamin C berichtet hingegen ein Forscherteam vom All India Institute of Medical Sciences, New Delhi in Plos One im Jahr 2010, die ein weniger eisenhaltiges Medium verwendeten.

Wahrscheinlich wirkt Vitamin C unabhängig von der Resistenz der Mykobakterien gegen Standardmedikamente. Brit Häcker, Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose

„Die adjuvante Therapie der Tuberkulose mit Vitamin C ist bislang nur schlecht belegt“, gibt Häcker zu Bedenken und verweist auf eine Übersicht zu Beobachtungsstudien zum Thema.. Vitamin C scheint keine direkte antibakterielle Wirkung zu haben, sondern die Wirkung von Antiinfektiva durch zytotoxische Effekte zu verstärken, ist die Ärztin überzeugt. „Wahrscheinlich wirkt Vitamin C unabhängig von der Resistenz der Mykobakterien gegen Standardmedikamente.“ Es ist darüber hinaus preiswert herzustellen und die Wirkung auf den Menschen auch in hohen Dosen bekannt.

Klinische Untersuchen zeichnen ein weniger optimistisches Bild: „Hier gab es bisher keine überzeugenden Daten und auch die Verträglichkeit von Vitamin C in Kombination mit Tuberkulostatika könnte bei den erforderlichen Dosierungen problematisch sein“, berichtet Häcker. Autor Jacobs sieht Vitamin-C-Injektionen in hohen Dosen bei Studien­probanden ebenfalls problematisch. Er verspricht sich mehr Erfolg mit N-Acetylcystein (NAC), wozu erste Studien vorliegen. Unbenommen hiervon ist, dass eine gute, kalorienreiche, ausgewogenen und vitaminreiche Ernährung für die Genesung bei Tuberkuloseerkrankten von Vorteil ist.

Im Bereich der adjuvanten Therapie der Tuberkulose finden Forscher immer wieder Substanzen, die die Wirksamkeit der Erstrangmedikamente verstärken. So konnte das Neuroleptikum Phenothiazin ebenfalls die tuberkulostatische Wirkung verbessern (Tuberkulosis 2016). Dies lässt sich wahrscheinlich durch erhöhte intrazelluläre Spiegel der Tuberkulostatika erklären.

Tuberkulose ist schon heute gut behandelbar und heilbar. Für die Therapie sei es aber wichtig, das Resistenzprofil der Bakterien zu kennen, teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Dazu führen Forscher Resistenztestungen im Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien im Forschungszentrum Borstel und in Speziallaboren durch. Der Anteil multiresistenter Stämme in Deutschland liegt laut dem Jahresbericht 2016 des RKI bei 2,7 Prozent (104 Fälle). Patienten, die sich mit diesen Erregern infiziert haben, benöti­gen eine lange Therapie von mindestens 2 Jahren, die auf Therapeuika ausweicht, die schwere Nebenwirkungen auslösen. © gie/aerzteblatt.de

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