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Medizin

Zytostatika-Salbe beugt Hautkrebs vor

Donnerstag, 4. Januar 2018

/Markus Bormann, stock.adobe.com

Providence/Rhode Island – Eine topische Behandlung mit 5-Fluorouracil, die zur Behandlung der aktinischen Keratose zugelassen ist, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Dermatology (2017; doi: 10.1001/jamadermatol.2017.3631) Patienten mit einem erhöhten Hautkrebsrisiko vor einem Spinaliom geschützt. Eine präventive Wirkung auf Basaliome konnte dagegen nicht sicher nachgewiesen werden.

Spinaliome und Basaliome sind häufige Krebserkrankungen, die selten zum Tod führen. Gerade bei einer Lokalisierung im Gesicht oder an den Ohren hinterlassen die notwen­digen Operationen jedoch häufig kosmetisch unbefriedigende Ergebnisse. Haut­krebs ist insbesondere in der US-Armee häufig, da die Soldaten vielfach in Gegenden mit einer hohen UV-Strahlung eingesetzt werden, auf die die helle Haut der Soldaten nicht vorbereitet ist. Hautkrebs ist deshalb an vielen Kliniken der Veteranenverwaltung (VA) ein häufiges Problem.

Die Studie „Keratinocyte Carcinoma Chemoprevention Trial“ (VAKCCT) hat untersucht, ob die topische Behandlung mit 5-Fluorouracil der Bildung von Hautkrebs vorbeu­gen kann. An der Studie nahmen 932 Veteranen teil, bei denen in den 5 Jahren zuvor bereits 2-mal ein Keratinozytenkarzinom (sprich Spinaliom oder Basaliom) entfernt werden musste, davon eines im Gesichtsbereich, und die deshalb ein deutlich erhöhtes Hautkrebsrisiko hatten. 

Die Soldaten wurden gebeten, für 2 bis 4 Wochen 2-mal täglich eine Salbe auf Gesicht und Ohren anzuwenden, die in einer Gruppe 5 Prozent 5-Fluorouracil enthielt und in der anderen Gruppe wirkstofffrei war. 

Im ersten Jahr nach der Behandlung musste bei 5 von 468 Anwendern der 5-Fluorouracil-Salbe erneut ein Spinaliom im Gesichtsbereich entfernt werden. In der Placebogruppe wurden 20 von 464 Patienten operiert. Martin Weinstock von der Warren Alpert Medical School in Providence/Rhode Island und Mitarbeiter ermitteln eine Risk Ratio von 0,25, die mit einen 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,09 bis 0,65 signifikant war. Die 5-Fluorouracil-Behandlung hatte damit im ersten Jahr das Spinaliom­risiko um 75 Prozent gesenkt.

Eine präventive Wirkung gegen Basaliome war dagegen nicht sicher nachweisbar. Nach der 5-Fluorouracil-Behandlung mussten 45 von 468 Patienten (10 Prozent) operiert werden gegenüber 50 von 464 (11 Prozent) in der Placebogruppe. Die Risk Ratio von 0,89 war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,61 bis 1,31 nicht signifikant. Es mussten sich jedoch deutlich weniger Patienten (17 versus 27 Patienten, Risk Ratio 0,51; 0,27–0,97) einer Moh-Chirurgie unterziehen, bei der der Tumor in mehreren Eingriffen unter zwischenzeitiger histopathologischer Kontrolle entfernt wird (was zu entsprechend höheren Kosten führt). Weinstock ist deshalb überzeugt, dass die 5-Fluorouracil-Behandlung auch eine vorbeugende Wirkung gegen Basaliome hat.

Eine präventive Wirkung war jedoch nur für das 1. Jahr nachweisbar. In den darauf folgenden Jahren kam es in beiden Gruppen gleich häufig zu erneuten Hautkrebsen. Die Behandlung müsste deshalb regelmäßig wiederholt werden.

Bei einer Befragung meinten 87 Prozent der Patienten, dass sie die Behandlung ein 2. Mal durchführen würden, obwohl sie nicht komplikationsfrei war: Bei 92 Prozent der Patienten kam es zu einer Rötung und bei 61 Prozent zu einer Krustenbildung auf der Haut. Insgesamt 21 Prozent der Patienten beurteilten die Nebenwirkungen als schwerwiegend.

In Deutschland ist eine Salbe mit 5 Prozent 5-Fluorouracil (5-FU) zur Behandlung der aktinischen Keratosen zugelassen. Sie darf auch zur Behandlung von nicht operablen/nicht bestrahlbaren oberflächlichen Basaliomen eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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