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Medizin

Säuglingsnahrung: Viele Kinder erhalten zu früh Beikost

Freitag, 5. Januar 2018

Das sieben Monate alte Baby Amira aus dem brandenburgischen Sieversdorf hat den Mund mit Brei verschmiert. /dpa Fotograf Patrick Pleul
Ab einem Alter von 6 Monaten können Babys laut Empfehlung der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) Beikost erhalten. /dpa

Philadelphia/Atlanta – Viele Eltern in den USA füttern ihre Babys zu früh mit Nahrung abseits der Muttermilch. Vor allem Kinder, die weniger als 4 Monate oder gar nicht gestillt wurden, erhielten ungeeignete Säuglingsnahrung vorzeitig. Das berichten Forscher vom National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics (2017; doi: 10.1016/j.jand.2017.10.020). Die Daten stammen aus dem National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) von 1.482 Kindern im Alter bis zu 36 Monaten.

EFSA-Empfehlungen für gesunde, reif geborene Säuglinge in Industrieländern

  • Ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten ist für die Mehrheit der gesunden reif geborenen Säuglinge in Europa die ausreichende Ernährung.
  • In Abhängigkeit von Wachstum und Entwicklung kann es in einigen Fällen notwendig sein, Beikost bereits vor dem vollendeten 6. Lebensmonat zu füttern; aber nicht vor dem vollende­ten 4. Monat.

Quelle: BfR-Übersicht „Empfehlungen zur Stilldauer – Einführung von Beikost“

Aktuell empfehlen die meisten Experten eine Stillzeit von 6 Monaten bei reif geborenen Säuglingen. Beikost sollte laut der American Academy of Pediatrics erst zu diesem Zeitpunkt zum Einsatz kommen – so steht es auch in einer Stellungnahme der Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) 2009. Ähnlich formuliert auch die Nationale Stillkommission im Jahr 2004 ihre Empfehlung: Beikost solle nicht später als zu Beginn des 7. Lebensmonats und keinesfalls vor Beginn des 5. Monats gegeben werden.

An diese Empfehlung halten sich in den USA aber nur etwa ein Drittel der Eltern. 16,3 Prozent der Säuglinge erhalten schon vor dem 4. Lebensmonat andere Nahrung als Säuglingsnahrung. Fast 40 Prozent bekommen erstmals Beikost zwischen dem 4. und 5. Monat. Dazu zählt neben festem Essen auch Saft, Kuhmilch, Babynahrung oder Wasser. Frühere nicht repräsentative Studien, die ausschließlich feste Nahrung analysierten, kamen auf noch höhere Quoten. Demnach würden 20 bis 40 Prozent der Babies schon vor dem 4. Monat Beikost erhalten.

In Abhängigkeit von Wachstum und Entwicklung könne es in einigen Fällen notwendig sein, Beikost bereits vor dem vollendeten 6. Lebensmonat zu füttern, aber nicht vor dem vollendeten 4. Monat, betont die EFSA in ihrer Stellungnahme 2009. Die Einführung von Beikost – bei fortgesetztem Stillen – habe zwischen dem Beginn des 5. und 7. Monats keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Die Empfehlungen für den richtigen Zeitpunkt für die erste Beikost haben sich in den letzten 60 Jahren immer wieder geändert. 1958 empfahlen die US-Leitlinien noch feste Nahrung für den 3. Monat. In den 1970er-Jahren verschob sich der Zeitpunkt auf den 4. Lebensmonat und erst in den 1990er-Jahren empfahlen Experten, Babys erst ab dem 6. Monat mit Beikost zu füttern. Für mehr Stabilität will das U.S. Department of Agriculture (USDA) and Department of Health and Human Services (HHS) mit den ersten Leitlinien zur frühkindlichen Ernährung in den ersten beiden Lebensjahren sorgen. Sie sollen 2020 erscheinen.

Wie viele Mütter in Deutschland ihre Kinder stillen, ist nicht bekannt. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2009. Hier lag die Stillquote mit 6 Monaten bei 50 Prozent. Über den Einfluss der frühkindlichen Ernährung auf die Gesundheit wurde im Deutschen Ärzteblatt berichtet:

Frühkindliche Ernährung: Die ersten 1000 Tage entscheiden

Schwangerschaft und Kleinkindalter – hier sind die Chancen Übergewicht zu verhindern am effektivsten. Dennoch berücksichtigt das Präventionsgesetz diesen Zeitraum zu wenig, die nationale Studienkohorte schließt ihn komplett aus. Mehr als 700 Faktoren beeinflussen das Körpergewicht. Vor allem mit Diäten versuchen Betroffene, überschüssige Pfunde zu reduzieren. Der langfristige Erfolg bleibt jedoch

© gie/aerzteblatt.de
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