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Politik

Deutsche befürworten Schulunterricht zur gesunden Ernährung

Donnerstag, 4. Januar 2018

/dpa

Berlin – 91 Prozent der Deutschen meinen, dass Kinder in der Schule die Grundlagen guter Ernährung erlernen sollten. Das geht aus dem neuen Ernährungsreport 2018 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hervor. „Wir müssen die Ernährungsbildung im Stun­denplan fest verankern, am besten als eigenes Schulfach“, folgerte Bundeslandwirtschaftsminister, Christian Schmidt (CSU).

Auch der Deutsche Ärztetag 2017 in Freiburg hatte gefordert, das Thema Gesund­heitskompetenz in die Ausbildung von Lehrern und Erziehern sowie in die schulischen Lehrpläne aufzunehmen. In die gleiche Richtung geht die Forderung von 14 Spitzen­verbänden des Gesundheits­wesens und des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, die sich zu einer „Allianz für Gesundheitskompetenz“ zusammengeschlossen haben. Ob aller­dings ein neues Schulfach „Gesundheit“ sinnvoll ist, darüber herrscht in der Politik Uneinigkeit.

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Politik uneinig

Wäh­rend Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) das Schulfach favorisiert, sieht die Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) dafür keinen Anlass. „Die Lösung ist nicht die Addition der Schulfächer. Gesundheits­themen müssen in allen Fachern präsent sein“, sagte sie im Sommer 2017. 

Der Ernährungsreport beleuchtet auf der Basis eine Forsa-Umfrage auch weitere Aspekte des Ernährungsverhaltens in Deutschland. Danach verzehren knapp drei Viertel der Befragten (72 Prozent) täglich Obst und Gemüse. Daneben erfreuen sich Milchprodukte wie Käse, Joghurt und Quark zunehmender Beliebtheit – bei zwei von drei Menschen in Deutschland (65 Prozent) stehen sie Tag für Tag auf dem Speiseplan.

Kaffee- und Teekonsum groß

Fleisch und Wurst kommen bei knapp jedem Dritten (30 Prozent) jeden Tag auf den Tisch. 14 Prozent der Menschen geben an, täglich Nahrungsergänzungsmittel wie Vitami­ne, Mineralien oder Ballaststoffe zu sich zu nehmen. Durstlöscher Nummer eins ist in Deutschland das Wasser: 91 Prozent trinken es Tag für Tag. Ebenfalls ganz weit vorn liegen klassische Heißgetränke – 84 von 100 Menschen trinken täglich mindestens eine Tasse Kaffee oder Tee. Softdrinks wie Cola oder Limonaden sowie Säfte kommen bei 24 Prozent täglich ins Glas. 

Während es für 96 Prozent der Frauen wichtig ist, dass ihr Essen gesund ist, gilt dies nur für 88 Prozent der Männer. Dafür informieren sich viele Verbraucher recht genau: Angaben zu Inhalts-, Zusatz- und Hilfsstoffen, Warnhinweise sowie genaue Angaben zur Herkunft sind 79 Prozent der Befragten sehr wichtig. 67 Prozent der Deutschen finden es zudem wichtig, auf Lebensmittelverpackungen über möglicherweise allergie­auslösende Inhaltsstoffe informiert zu werden. Allerdings: Wie verständlich diese Herstellerangaben auf den Lebensmitteln sind, wurde in der Umfrage nicht erhoben.

Deutliche Kritik an den Vorgaben zur Kennzeichnung von Allergenen übt in diesem Zusammenhang die gemeinnützige Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Die Stiftung weist darauf hin, dass in Deutschland rund vier Prozent der Bevölkerung von Nahrungsmittelallergien betroffen seien. Laut der Lebensmittelverordnung müssten Allergene zwar gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnungspflicht gelte jedoch nicht für Allergenspuren.

Diese Spuren könnten unbeabsichtigt in ein Produkt gelangen, wenn in einer Produk­tions­anlage allergene Nahrungsmittel parallel verarbeitet würden. Viele Hersteller gäben an, dass ein Lebensmittel „Spuren von x enthalten kann“. Andere Hersteller verzichteten auf Spurenhinweise. Die ECARF fordert, auf den Begriff „Spur“ zu verzich­ten und Allergene konsequent anzugeben – auch wenn dies technisch aufwendig sei.

Für diese Ergebnisse im Ernährungsreport 2018 hat die forsa Politik- und Sozial­forschung GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 1.017 Bundesbürgern ab 14 Jahren befragt. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 5. Januar 2018, 23:54

Nur nicht so einfach

zu bestimmen,was denn nun "gesunde Ernährung" ist! Ich bin seit 40 Jahren Arzt und habe so manche Revision dessen erlebt, was "gesund" und "ungesund" sein sollte
Lieber dicke fette große Pflichthinweise: "Dieses Nahrungsmittel ist für Kinder nicht geeignet" "Achtung! Gesundheitsrisiko für Kinder"... da werden sich Eltern mit Kindern überlegen, ob sie mit einem Einkaufswagen voller grelloranger Warn-Packungen an die Kasse trauen
Avatar #737120
dokeszt
am Freitag, 5. Januar 2018, 08:45

Gesundheitsförderung in Schulen

Seit dem Jahr 2006 gibt es in Baden-Württemberg ein großflächiges Programm zur Gesundheitsförderung an Grundschulen ("Komm mit in das gesunde Boot"). Die Durchführung dieses Programms erfolgt durch speziell geschulte Lehrer im Regelunterricht, es werden weder zusätzliche Schulstunden noch externe Experten vor Ort benötigt. Die Kosten-Effektivität des Programms wurde wissenschaftlich untersucht und nachgewiesen: Für €25 pro Jahr und Kind hilft dieses Programm bei der Vermittlung eines gesunden Lebensstils. Es führt zu einem verbesserten Gesundheitsverhalten der Kinder und verhindert die Entwicklung abdominaler Adipositas.
LNS

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