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Medizin

Wie Alkohol Krebs auslöst

Freitag, 5. Januar 2018

stock.adobe.com by Torsten Schon

London – Alkoholische Getränke erhöhen das Krebsrisiko, weil der Metabolit Acetaldehyd, der auch für den „Kater“ verantwortlich gemacht wird, die DNA schädigt. Dies zeigt eine Reihe von experimentellen Studien, die jetzt in Nature (2018; doi: 10.1038/nature25154) veröffentlicht wurden. 

Die Natur hat die meisten Menschen gut auf den versehentlichen Verzehr vergorener Früchte vorbereitet. Der zugeführte Alkohol (Ethanol) wird mit der Alkohol-Dehydrogenase (ADH) zu Acetaldehyd umgewandelt, das dann sofort mit Aldehyd-Dehydrogenasen (ALDH) weiter zu Acetat verstoffwechselt wird. Acetat kann dann zur Synthese von Fettsäuren verwendet werden, weshalb häufiger Alkoholkonsum dick macht.

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Wenn ALDH fehlt, kommt es zu einer Akkumulation von Acetaldehyd, was Kopf­schmerzen zur Folge hat. Etwa 540 Millionen Asiaten vertragen deshalb keinen Alkohol, und Alkoholkranken kann durch die Verordnung von Disulfiram, das ALDH blockiert, die Freude am Alkoholkonsum vergällt werden. Kopfschmerzen sind jedoch nicht der einzige Schaden, den Acetaldehyd im Körper anrichtet.

Nach den Experimenten, die ein Team um Ketan Patel von der Universität von Cambridge jetzt vorstellt, kann Acetaldehyd die DNA schädigen. Acetaldehyd verursacht dabei in erster Linie Doppelstrangbrüche. Dies könnte das erhöhte Krebsrisiko, das in epidemiologischen Studien für mindestens sieben Krebsarten gefunden wurde, plausibel erklären. Denn Krebs ist in der Regel die Konsequenz von Mutationen, die sich aus einer fehlerhaften Reparatur der DNA ergeben können.

Die Experimente zeigen, dass die meisten Doppelstrangbrüche durch das FANCD2-System repariert werden – andere Systeme wie die „Non-homologous end-joining“ und die homologe Rekombination könnten jedoch auch eine Rolle spielen.

Mutationen im FANCD2-Gen sind die Ursache der Fanconi-Anämie. Japanische Kinder, bei denen neben dem FANCD2-Gen auch das ALDH-Gen defekt ist, entwickeln früh­zeitig ein Knochenmarkversagen. Und erwachsene Japaner, die trotz des fehlender ALDH Alkohol konsumieren, haben ein erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs oder Kopf-Hals-Tumoren zu erkranken.

Im Prinzip sollten nach den vorgestellten Studien Patienten, die mit Disulfiram behandelt werden, ein erhöhtes Krebsrisiko haben. Epidemiologische Studien weisen jedoch eher darauf hin, dass  Disulfiram eine krebspräventive Wirkung hat. Eine Phase 2-Studie kam sogar zu dem Ergebnis, dass Disulfiram die Wirkung einer Chemotherapie beim nichtkleinzelligen Lungenkrebs verstärkt (Oncologist 2015; 20; 366-7). Diese Diskrepanz zeigt, dass tierexperimentelle Studien in erster Linie die Mechanismen einer Krebsentstehung klären können, aber keine Aussagen über das tatsächliche Risiko erlauben. © rme/aerzteblatt.de

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Christamüller
am Sonntag, 7. Januar 2018, 16:39

Reduzierende disulfide (Antabus) als nukleophile Lewis-Basen stabilisieren Nukleinsäuren

Somit ist es nicht verwunderlich, dass Disufiram (Antabus) eine Krebs präventive Wirkung hat, indem es vor Basenbrüchen schützt. Auch andere Schwefel haltige Stoffe, wie Gluthation, Cystein, Dimethylsulfit, Metallothionein, – alle Schwelfeatome tragen in diesen Stoffen 2 freie – nukleophile - Elektronenpaare in der Aussenhülle, sollen vor Nukleinsäurebrüchen schützen, die durch zB Schwermetalle ausgelöst werden. Experimentell und bei Cadmium-Arbeitern hat man festgestellt, dass der Verbrauch von Metallothionein durch Cadmium (bindet an die Schwefelgruppen im Metallothionein, oder Blei führt zur basophilen Tüpfelung mit Verklumpung der Chromosomen) für die Auslösung von Lungenkrebs (Chromosomenbrüche) verantwortlich sein soll. Kupfer soll die Disulfiram aktivieren und damit wirksamer machen für seinen Krebs protektiven Angriff.
https://www.nature.com/articles/nature25016
LNS

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