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Medizin

Typ-1-Diabetes: Gentherapie normalisiert Blutzucker bei Mäusen

Freitag, 5. Januar 2018

/gamjai, stock.adobe.com

Pittsburgh – Eine Gentherapie, die Zellen in den Langerhans-Inseln umprogrammiert, kann bei Mäusen einen Typ-1-Diabetes vorübergehend kurieren. Die Forscher halten die Therapie in Cell Stem Cell (2018; 22: 1–13) auch beim Menschen für machbar.

Die genetische Umprogrammierung der Zellen höherer Organismen hat sich als relativ einfach erwiesen. 4 Gene reichen aus, um jede beliebige Zelle des Organismus wieder in ihren Urzustand einer Stammzelle zu versetzen. Um die Alphazellen der Langerhans-Inseln in Betazellen zu verwandeln, die dann statt Glucagon dann Insulin produzieren, sind sogar nur 2 genetische Änderungen notwendig, wie George Gittes und Xiangwei Xiao von der University of Pittsburgh School of Medicine heraus­gefunden haben. 

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Dies ist einmal der Transkriptionsfaktor Pdx1-Gen (Pancreatic and duodenal homeobox 1), der bei der embryonalen Entwicklung die Reifung von Betazellen fördert. Der 2. Transkriptionsfaktor MafA sorgt dann dafür, dass die Zellen Insulin produzieren. 

Die Forscher haben die beiden Gene in Adeno-assoziierte Viren gepackt und die Viren dann in den Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse injiziert. Die Viren erreichten die Langerhans-Inseln und luden ihre Genfracht in den Zellen ab. Bereits wenige Tage später waren die Tiere von dem Typ-1-Diabetes, den die Forscher zuvor durch Injektion von Giften ausgelöst hatten, befreit. Die Untersuchung ergab, dass die Alphazellen nicht nur begonnen hatten, Insulin zu produzieren. Sie hatten ihren gesamten Zellstoffwechsel umgestellt und waren jetzt nicht mehr von Betazellen zu unter­scheiden.

Die Therapie war etwa 4 Monate erfolgreich. Danach waren auch die zur Betazelle konvertieren Alphazellen zerstört. 4 Monate sind im Leben einer Maus eine lange Zeit, sie entsprechen mehreren Jahren beim Menschen. Da die Behandlung relativ einfach über eine Endoskopie möglich wäre, könnte sie auch beim Menschen wirksam sein, hoffen Gittes und Xiao, die ihre Experimente demnächst an Affen wiederholen wollen. Ob die Therapie auch bei Patienten mit Typ-1-Diabetes gelingen könnte, ist jedoch zweifelhaft. Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Die Patienten haben lebenslang Antikörper im Blut, die jederzeit einen erneuten Angriff auf die Betazellen auslösen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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