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Politik

Impflücken bei Kindern regional sehr unterschiedlich

Freitag, 5. Januar 2018

/dpa

Berlin – Die Impflücken bei Kindern sind bei verschiedenen Impfungen regional sehr unterschiedlich. Das geht aus einer Auswertung der KV-Impfsurveillance hervor, die das Robert-Koch-Institut (RKI) jetzt im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht hat.

Besonders deutlich werden die regionalen Unterschiede danach bei der Inanspruch­nahme der Rotavirus-Impfung. Die Gesamtimpfquote für eine vollständige Impfserie lag beim Geburtsjahrgang 2015 bei 68,3 Prozent. In den neuen Bundesländern war die Impfquote (78,4 Prozent) höher als in den alten Bundesländern (64,0 Prozent).

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Große Differenzen auf Kreisebene

Die niedrigste Impfquote wurde für Bremen (54,7 Prozent) berechnet, die meisten Kinder waren in Mecklenburg-Vorpommern geimpft (81,4 Prozent). Auf Kreisebene ist die Spannweite der Impfquote sehr groß: Im Landkreis Rosenheim (Bayern) sind 15,0 Prozent der Kinder komplett gegen Rotaviren geimpft, in der Stadt Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) 91,9 Prozent.

Große regionale Unterschiede gibt es auch bei den Impfungen gegen Pneumokokken. Die bundesweite Impfquote liegt seit der Geburtskohorte 2009 zwischen 75 und 77 Prozent für die vollständige Impfung. In dem jüngsten untersuchten Geburtsjahrgang 2014 betrug die bundesweite Impfquote 75,9 Prozent, wobei sie am niedrigsten in Sachsen (63,9 Prozent) und am höchsten in Sachsen-Anhalt (80,5 Prozent) war. Die Impfquote in den alten Bundesländern war mit 76,7 Prozent höher als in den neuen Bundesländern (71,1 Prozent).

Bundesweite Impfquoten werden in allen Bundesländern regelmäßig bei Schulanfän­gern erhoben und jährlich im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht. Ergänzend veröffentlicht das RKI seit 2016 im Epidemiologischen Bulletin jährlich Impfquoten zu ausgewählten Impfungen und Altersgruppen, die auf Basis der KV-Abrechnungsdaten ermittelt worden sind (KV-Impfsurveillance).

Regierung: Impfbereitschaft vorhanden

Einer Antwort der Bundesregierung zufolge ist die Impfbereitschaft in der Bevölkerung aber grundsätzlich hoch. Eine aktuelle Untersuchung der Bundeszentrale für gesund­heit­liche Aufklärung (BZgA) habe gezeigt, dass der Anteil der generellen Impfgegner gering sei. Vielfach resultierten Impflücken aus Nichtwissen, Vergesslichkeit oder Angst vor möglichen Nebenwirkungen, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion.

Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder würden über die Routinevorsorgeunter­suchun­gen gut erreicht. Defizite bestünden noch in den höheren Altersgruppen. Mit dem Präventionsgesetz und dem Gesetz zur Modernisierung der epidemiologischen Überwachung übertragbarer Krankheiten aus der vergangenen Wahlperiode seien Voraussetzungen zur Verbesserung der Impfquote geschaffen worden.

Ein wichtiges Impfziel besteht in der Ausrottung der Masern. Die Ständige Impf­kommis­sion (Stiko) empfehle auch allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren seien und nicht oder in der Kindheit nur ein Mal gegen Masern geimpft wurden, eine Impfung.

Wie es in der Antwort weiter heißt, hat die Regionale Verifizierungskommission der Welt­gesund­heits­organi­sation in der Region Europa (WHO-Euro) berichtet, dass 2016 von 53 Ländern 33 die Masern eliminiert hätten, neun Länder, darunter Deutschland, hätten eine Unterbrechung der endemischen Übertragung über mindestens ein Jahr erreicht.

904 Masernfälle in Deutschland

In weiteren neun Ländern, darunter Frankreich und Italien, seien nach Einschätzung der WHO die Masern noch endemisch. Als ausgerottet gelten Masern laut WHO dann, wenn 95 Prozent der Bevölkerung gegen die Krankheit geimpft sind. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland nach vorläufigen Angaben 904 Fälle von Masern gemeldet. Von der Infektion betroffen waren den Angaben zufolge insbesondere Migranten, die in ihren Heimatländern nicht geimpft worden waren.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) seien von 2007 bis 2017 rund 190.000 Menschen in Deutschland an Erkrankungen gestorben, gegen die es einen Impfstoff gibt. © hil/hib/aerzteblatt.de

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