NewsPolitikDatenlage zur Erstlinienimmun­therapie bei Urothelkarzinom zu gering
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Datenlage zur Erstlinienimmun­therapie bei Urothelkarzinom zu gering

Freitag, 5. Januar 2018

/dpa

Köln – Auf eine unbefriedigende Studien- und Datenlage bei der Erstlinienimmun­therapie des Urothelkarzinoms hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hingewiesen. Das Institut hat mit Nivolumab, Pembroli­zumab und Atezolizumab bislang drei monoklonale Antikörper zur Behandlung der Erkrankung begutachtet.

Das Ergebnis ist laut IQWiG unbefriedigend, weil als Erstlinientherapie anstelle einer Chemotherapie derzeit keiner der drei Wirkstoffe in Betracht kommt. Für Pembro­lizumab sei ein Zusatznutzen gegenüber der Vergleichstherapie nicht belegt und Nivolumab sei für einen Erstlinieneinsatz nicht zugelassen. Auch für eine Erst­linientherapie Erwachsener mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, für die eine cisplatinhaltige Chemotherapie ungeeignet ist, sei ein Zusatznutzen von Atezolizumab gegenüber der Vergleichstherapie mangels geeigneter Daten nicht belegt.

Anzeige

In der Zweitlinie, also nach einer chemotherapeutischen Vorbehandlung, sieht es laut IQWiG besser aus. Für Atezolizumab gibt es laut Institut einen Anhaltspunkt und für Pembrolizumab einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen. Ein Zusatznutzen von Nivolumab als Zweitlinientherapie sei dagegen mangels geeigneter Studiendaten nicht belegt. „Dass wir zwei Zweitlinientherapien positiv bewerten konnten, aber für keinen der Wirkstoffe vernünftige Erstlinienstudiendaten vorliegen, ist schon kurios“, sagte Jürgen Windeler, der Leiter des IQWiG. 

Grund dafür sei eine uneinheitliche Datenlage. Die Hersteller hätten zur Nutzen­bewertung nur Daten aus einzelnen Studienarmen eingereicht, die zudem teils unvollständig gewesen seien. Die in den Dossiers benannten Studien beziehungsweise Studienarme unterschieden sich auch stark in den Patientenzahlen und weiteren Details.

Windeler fordert daher neue Studien und eine Ergänzung des Verfahrens der frühen Nutzenbewertung. „Dieses sieht leider nicht vor, dass neue Wirkstoffe gegeneinander verglichen werden“, kritisierte er. „Jetzt haben wir drei Wirkstoffe für dasselbe Anwendungsgebiet, aber die Bewertungsergebnisse können nicht vernünftig in Beziehung gesetzt werden“, bedauerte der IQWiG-Leiter. Er forderte eine Modifikation des Verfahrens, die es dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss und damit auch dem IQWiG ermöglichten, sich explizit auf bereits erfolgte Nutzenbewertungen zu beziehen.

© hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 5. Januar 2018, 23:35

Vor fast 30 Jahren

hat mein damals 70-jähriger Vater statt der vorgeschlagenen Zystektomie bei multilokulärem Blasenkarzinom eine Instillationsbehandlung mit BCG-Suspension vorgezogen - bis zu seinem Tod 18 Jahre später blieb er rezidivfrei! Gottseidank gab es damals noch keine Leitlinie
LNS

Nachrichten zum Thema

31. Oktober 2018
New York – Die spezifische Immuntherapie, die durch eine allmählich gesteigerte Dosis eines Allergens eine Toleranz des Immunsystems anstrebt, ist auch bei einer Weizenallergie sicher und effektiv.
Spezifische Immuntherapie in Studie bei Weizenallergie (vorübergehend) wirksam
22. Oktober 2018
Pittsburgh – Die Immuntherapie, die den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf Krebszellen stimuliert, hat sich erstmals in einer größeren Studie in der Brustkrebsbehandlung als effektiv erwiesen. In
Triple-negatives Mammakarzinom: Atezolizumab kann Überlebenszeit teilweise deutlich verlängern
4. Oktober 2018
Heidelberg – Die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie des Universitätsklinikums Heidelberg setzt bei speziellen Formen der Leukämie und Lymphomen nun auch auf das neue
Heidelberg etabliert CAR-T-Zell-Therapie bei Leukämien und Lymphomen
2. Oktober 2018
Philadelphia – In einer Studie zur CAR-T-Zelltherapie ist es zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Bei einem Patienten wurde neben den gesunden Zellen versehentlich auch eine Leukämiezelle mit
CAR-T-Zelltherapie erzeugte Leukämiezellen
1. Oktober 2018
Wien – Mehr vernetzte Forschung und eine stärkere Integration von klinischer Forschung und Patientenversorgung fordert die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO)
Onkologen fordern bessere Verknüpfung von Versorgung und Forschung
1. Oktober 2018
Stockholm – Den diesjährigen Nobelpreis für Medizin und Physiologie teilen sich der US-amerikanische Immunologe James Allison und der japanische Immunologe Tasuku Honjo für „ihre Entdeckung der
Medizinnobelpreis für Entdeckung von Checkpoint-Inhibitoren
27. September 2018
Langen – Forschern des Paul-Ehrlich-Instituts ist es im Tierversuch gelungen, sogenannte CAR-T-Zellen direkt im Organismus zu erzeugen. Ihre Arbeit ist in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER