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Medizin

Studie: Paracetamol könnte Fertilität der Töchter vermindern

Montag, 8. Januar 2018

/dpa

Kopenhagen – Die Einnahme von Paracetamol, ein bisher in der Schwangerschaft als sicher eingestuftes und häufig verordnetes Schmerzmittel, hat in drei tierexperimen­tellen Studien die Oozytenreserve der weiblichen Feten deutlich vermindert, was laut einem Beitrag in Endocrine Connections (2018; doi: 10.1530/EC-17-0298) zu Fertilitäts­störungen im höheren Lebensalter führen könnte.

Frauen werden bekanntlich mit einer begrenzten Zahl von Ooyzten geboren, die sich mit jedem monatlichen Zyklus verringert. Nach dem „Verbrauch“ aller Oozyten kommt es zur Menopause. Die Fertilität nimmt in der Regel schon vorher ab. Eine geringe „Oozytenreserve“ ist eine häufige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Seit Längerem wird befürchtet, dass Umweltchemikalien durch eine vorgeburtliche Schädigung zu einer verminderten Bildung von Oozyten in der Frühschwangerschaft beitragen. Zu diesen „xenobiotischen“ Molekülen könnte auch Paracetamol gehören, das von Ärzten häufig zur Behandlung von Schmerzen in der Frühschwangerschaft verordnet wird und auch zur Selbstmedikation in der Apotheke erhältlich ist. In Dänemark nimmt Studien zufolge jede zweite Schwangere Paracetamol ein, in Frankreich soll der Anteil sogar bei fast 90 Prozent liegen.

Da Paracetamol die Plazentaschranke überwindet, wird auch der Embryo exponiert. Die Sicherheit ist vor allem in der Frühschwangerschaft seit Längerem Gegenstand von Diskussionen. Derzeit wird Paracetamol als sicher eingestuft. Vor Kurzem wurden 3 tierexperimentelle Studien veröffentlicht, die diese Ansicht infrage stellen.  

In den Studien wurden trächtige Ratten und Mäuse mit Paracetamol exponiert, was beim Wurf eine verminderte Zahl von Oozyten zur Folge hatte. Nach den Ergebnissen, die David Kristensen von der Universitätsklinik Kopenhagen jetzt zusammenfasst, wirkte sich vor allem die Einnahme in der Frühschwangerschaft negativ aus. Der deutlichste Rückgang wurde bei Mäusen 13,5 Tage nach der Befruchtung und bei Ratten 16,5 Tage nach der Befruchtung gefunden. Dies entspricht in etwa der 10. Gestationswoche beim Menschen. Es ist laut Kristensen genau der Zeitpunkt, zu dem es in den weiblichen Keimzellen zu einer Unterbrechung der Meiose in der Prophase 1 kommt, die bis zur monatlichen Reifung der Eizellen anhält.

Zu diesem Zeitpunkt könnte es laut Kristensen durchaus zu einer Schädigung kommen, die eine verminderte Oozytenreserve zur Folge hat. Beweisen können dies die tier­experimentellen Studien allerdings nicht, wie Kristensen einräumt. Zu den Schwächen der Studien gehört, dass die Experimente nur an wenigen Tieren durch­geführt wurden. Teilweise wurden Dosierungen verwendet, die zu deutlich höheren Plasmakonzen­trationen führen als bei der Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft. Schließlich sind die reproduktiven Verhältnisse von Nagetieren nicht unbedingt auf den Menschen zu übertragen. 

Der wichtigste Einwand ist jedoch, dass es bisher keine epidemiologischen Hinweise gibt, dass die Kinder von Frauen, die der Frühschwangerschaft Paracetamol einge­nommen haben, eine niedrigere Oozytenreserve haben und es ihnen schwerer fällt, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. Da zwischen der Exposition und den diskutierten Folgen ein sehr langer Zeitraum liegt, wäre es sehr schwierig, diese Zusammenhänge zu untersuchen. Kristensen schlägt einen interdisziplinären Ansatz vor, der tierexperi­mentelle Ergebnisse und die Daten epidemiologischer Studien kombiniert. 

Die Experten, die das Science Media Center in London befragt hat, meinten einhellig, dass es derzeit keinen Grund gebe, auf die Verordnung von Paracetamol zu verzichten. Grundsätzlich wird Frauen in der Schwangerschaft jedoch geraten, Medikamente nur nach Rücksprache mit dem Arzt einzunehmen. © rme/aerzteblatt.de

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