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Forschung soll Situation von Kindern psychisch kranker Eltern verbessern

Montag, 8. Januar 2018

Berlin/Gießen – Kinder psychisch kranker Eltern stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts an verschiedenen deutschen Universitäten, unter anderem der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Leitung von Christina Schwenck. Außerdem beteiligen sich Forscher der Philipps-Universität Marburg, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technische Universität Dortmund.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert eine entsprechende Studie namens „Emotionsverarbeitung und -regulation bei Kindern von Eltern mit psychischer Erkrankung (COMPARE-emotion)“ im Rahmen der Initiative „Gesund ein Leben lang“. In den kommenden vier Jahren stehen dafür rund 1,1 Millionen Euro zur Verfügung.

4,75 Millionen Minderjährige betroffen

„Ich freue mich sehr darüber, dass unsere Wissenschaftler in der BMBF-Förderinitiative erfolgreich waren. Mit ihrer Forschung tragen sie dazu bei, dringend benötigte kind­gerechte Therapien und Präventionsansätze zu entwickeln, damit psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen möglichst vermieden werden können. Denn viele Therapien sind auf Menschen mittleren Alters zugeschnitten“, sagte der JLU-Präsident Joybrato Mukherjee. 

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Schätzungen zufolge haben rund 4,75 Millionen Minderjährige in Deutschland mindes­tens ein psychisch erkranktes Elternteil. Viele von ihnen müssen mehr Verant­wortung übernehmen, als es in ihrem Alter angemessen ist. Sie machen sich Sorgen um ihre Eltern und suchen die „Schuld“ für das Verhalten der Eltern bei sich selbst, weil sie nicht wissen oder verstehen, worunter die Eltern leiden.

Hinzu kommt, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern selbst ein deutlich erhöhtes Risiko aufweisen, an einer psychischen Störung zu erkranken. „Es ist daher dringend notwendig, präventive Angebote zu initiieren, um den Teufelskreislauf zu durchbrechen und zu verhindern, dass die Kinder selbst erkranken“, so Projektleiterin Schwenck. Faktisch gebe es in unserem Gesundheitssystem jedoch kaum Möglichkeiten, sich diesen Kindern zu widmen, solange sie selbst noch nicht erkrankt seien, kritisierte sie.

Im Rahmen der BMBF-geförderten multizentrischen Studie sollen Eltern, die unter einer psychischen Störung leiden und Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren haben, psychotherapeutisch behandelt werden. Die Hälfte der Eltern erhält zusätzlich ein Elterntraining, das sogenannte Positive Erziehungsprogramm. Das Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob sich diese zusätzliche Maßnahme positiv auf die Gesundheit der Kinder auswirkt.

Am Standort Gießen werden zudem mögliche Übertragungswege der psychischen Erkrankung von den Eltern auf die Kinder untersucht. Dabei geht es vor allem darum, wie Kinder psychisch erkrankter Eltern Gefühle wahrnehmen, verarbeiten und steuern. © hil/aerzteblatt.de

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