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Medizin

Mortalität nach chirurgischen Eingriffen in Afrika sehr hoch

Freitag, 12. Januar 2018

/mario beauregard, stock.adobe.com

Kapstadt – Das durchschnittliche Risiko, nach einem chirurgischen Eingriff in Afrika zu sterben, ist rund doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Das berichtet eine Gruppe von mehr als 30 afrikanischen Forschern in der Fachzeitschrift Lancet (2018; doi: 10.1016/ S0140-6736(18)30001-1).

„Etwa jeder fünfte OP-Patient in unserer afrikanischen Kohorte entwickelte eine Komplikation, und insgesamt starben 2 Prozent  aller Patienten“, sagte der leitende Autor Bruce Biccard, Groote Schuur Hospital und University of Cape Town, Südafrika. Wichtig sei, dass 95 Prozent der Todesfälle in der Studie in der postoperativen Periode aufgetreten seien, was darauf hindeute, dass viele Menschenleben durch eine effektive Überwachung von Patienten gerettet werden könnten.

11.422 Personen eingeschlossen

Die Studie umfasst Daten von 11.422 Personen, die sich während einer bestimmten Woche in einem von 247 Krankenhäuser in 25 afrikanischen Ländern einer stationären Operation unterzogen haben.

Neben der Dokumentation des Gesundheitszustandes jedes Patienten vor der Opera­tion erfasst die Studie seine Gesundheit nach der Operation, Komplikationen, die Aufnahme in die Intensivstation oder den Tod. Die Studie untersuchte auch Kranken­hausressourcen wie Bettenanzahl, Operationssäle, Intensivpflegebetten und die Zahl von Anästhesisten, Chirurgen und Geburtshelfern.

Insgesamt hatten die meisten Patienten (87,3 Prozent) einen guten körperlichen Zustand. Sie hatten ein geringes Operationsrisiko und waren jung (Durchschnittsalter 38,5 Jahre). Das häufigste Verfahren war der Kaiserschnitt (33,3 Prozent aller Operatio­nen). Komplikationen nach der Operation traten bei 18,2 Prozent aller Patienten auf, die häufigsten Komplikationen waren Infektionen (58,7 Prozent). Rund 16,3 Prozent der Patienten wurden zur Behandlung von Komplikationen in die Intensivmedizin aufge­nom­men. 1 von 10 Patienten mit Komplikationen starb (9,5 Prozent). 

Vergleiche mit internationalen Daten für elektive Chirurgie deuten laut den Autoren darauf hin, dass die Sterblichkeitsraten nach einer Operation in Afrika doppelt so hoch sind wie im globalen Durchschnitt. Die Daten zeigten, dass die Sterblichkeitsrate durch elektive Chirurgie in Afrika bei 1 Prozent lag, verglichen mit 0,5 Prozent im globalen Durchschnitt.

Statistisch gesehen waren im Einzugsgebiet der Studien-Krankenhäuser zusammen 0,7 Chirurgen, Geburtshelfern und Anästhesisten für 100.000 Personen in der Bevölkerung zuständig, was laut den Autoren weit unter den empfohlenen Werten von 20 bis 40 Fachärzten pro 100.000 Patienten liegt. Im Durchschnitt hatte jedes Krankenhaus 3 spezialisierte Chirurgen, 1 spezialisierten Anästhesisten und 2 spezialisierte Geburts­helfer. © hil/aerzteblatt.de

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