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Medizin

HIV: „Pillendose“ im Magen ermöglicht einmal wöchentliche Dosierung

Mittwoch, 10. Januar 2018

http://news.mit.edu/2018/new-drug-capsule-may-allow-weekly-hiv-treatment-0109

Boston – Eine Kapsel, die sich im Magen zu einem sechsarmigen Stern entfaltet und gleichmäßig mehrere Wirkstoffe abgibt, könnte HIV-Patienten eine einmal wöchent­liche Dosierung ihrer Medikamente ermöglichen. Das Konzept hat in präklinischen Studien in Nature Communications (2018; 9: 2) für konstante Wirkstoffspiegel gesorgt, und es könnte nach Berechnungen der Erfinder in Südafrika in den nächsten 20 Jahren bis zu 800.000 Infektionen verhindern.

Die tägliche Einnahme der Medikamente fällt nicht nur HIV-Infizierten schwer. Bei der HIV-Infektion ist sie aber besonders wichtig, da jede Unterbrechung die Entwicklung resistenter Viren fördert und langfristig zum Therapieversagen führen kann. Besonders hoch sind die Hürden für die tägliche Einnahme bei der Präexpositionsprophylaxe (PrEP), die nachweislich die weitere Ausbreitung der Pandemie stoppen könnte.

Das Team um Giovanni Traverso vom Massachusetts Institute of Technology in Cam­bridge/Massachusetts hält deshalb die antiretrovirale Therapie für ein sinnvolles Einsatzgebiet ihres neuen Dosiersystems, das eine einmal wöchentliche Einnahme mehrerer Wirkstoffe ermöglicht.

Kapsel löst sich im Magen auf

Das Dosiersystem besteht aus einer Kapsel, die wie eine normale Tablette geschluckt werden kann. Nach dem Eintritt in den Magen, löst sich die Kapsel auf. Sie setzt das eigentliche Dosiersystem frei. Es besteht aus einem sich selbst entfaltenden Stern mit sechs starren Armen. Der Stern hat einen Durchmesser von vier Zentimetern. Seine Größe verhindert, dass er über den Pylorus in Duodenum wandert.

Die sechs Arme können mit unterschiedlichen Wirkstoffen dotiert werden, die aus einer Trägersubstanz in konstanter Menge freigesetzt werden. Nach etwa einer Woche sind die Reservoirs erschöpft. Dann beginnt die Zersetzung des Sterns, dessen Reste verdaut über den Enddarm ausgeschieden werden.

Einsatzgebiet PrEP 

Für die erste klinische Studie wurde die „Pillendose für den Magen“, wie die Forscher ihr Dosiersystem bezeichnen, mit den antiretroviralen Wirkstoffen Dolutegravir, Cabotegravir und Rilpivirine versehen. Pharmakokinetische Studien an einem Schwein ergaben, dass die Wirkstoffe in konstanter Menge vom Stern freigesetzt und im Blut ausreichende Wirkstoffkonzentrationen erzielt werden.

Als Einsatzgebiet schwebt den Erfindern die PrEP vor. Auf der Basis der Ergebnisse der Partners PrEP rechnen sie vor, dass eine Steigerung der Therapieadhärenz um 20 Prozent allein in Südafrika in den nächsten 20 Jahren 200.000 bis 800.000 Neuinfektionen verhindern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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