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Politik

Berlin/Brandenburg: Psychische Erkrankungen sind Hauptgrund für Erwerbsunfähigkeit

Donnerstag, 11. Januar 2018

Berlin – Der Krankenstand der erwerbstätigen Bevölkerung in Berlin und Brandenburg ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. In Brandenburg ist der Wert mit 5,7 Prozent etwas höher als in Berlin (5,2 Prozent). Gleichzeitig liegt der Krankenstand in beiden Bundesländern mit 5,5 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt (fünf Prozent). Das geht aus dem vierten Länderübergreifenden Gesundheitsbericht 2017 hervor, der gestern in Berlin vom „Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg-Health Capital“ auf einer Pressekonferenz vorgestellt wurde.

Am häufigsten erkranken die Arbeitnehmer demnach in der Region Berlin/Brandenburg an Muskel-Skelett-Erkrankungen, die einen Anteil an den Fehltagen von 20 bis 25 Prozent verursachen. An zweiter Stelle stehen psychische Erkrankungen mit 15 bis 18 Prozent; sie weisen mit durchschnittlich 34 Tagen aber eine höhere Falldauer auf als Muskel-Skelett-Erkrankungen (23 Tage). An dritter Stelle der Krankschreibungen stehen Krank­heiten des Atmungssystems (13 bis 18 Prozent). Bei den Neuzugängen zur Erwerbs­minderungsrente standen 2016 in Berlin psychische Erkrankungen mit 50,5 Prozent (Brandenburg 39,4 Prozent) mit großem Abstand an der Spitze.

Rund 87 Prozent der gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer erfasst

Im länderübergreifenden Gesundheitsbericht sind Daten von 87 Prozent (knapp zwei Millionen) der sozial­ver­sicherungs­pflichtigen Berliner und Brandenburger erfasst, die von sechs Krankenkassen (AOK Nordost, Barmer, BKK, IKK BB, TK, Knapp­schaft) stammen. Privat Versicherte sind nicht erfasst. Ausgewertet wurden die Daten vom Berliner IGES Institut.

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„Ein Krankenstand von 5,5 Prozent (20,1 Fehltage im Durchschnitt über alle Erwerbs­tätigen in 2016) bedeutet hochgerechnet einen Produktionsausfall von 4,25 Milliarden Euro“, erklärte Kai Uwe Bindseil, Clustermanager Gesundheitswirtschaft. Deshalb sei dringendes Gegensteuern erforderlich, insbesondere hinsichtlich einer betrieblichen Gesund­heits­förder­ung.

Die höchsten Krankenstände wiesen in der Region die Branchen „Wasserversorgung, Abwasser und Abfallentsorgung“, gefolgt von „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ sowie „Verkehr und Lagerei“ auf. An vierter Stelle steht das „Gesund­heits- und Sozialwesen“ und hier insbesondere die Alten- und Pflegeheime, dessen Arbeitsunfähigkeitsgeschehen in dem Bericht besonders untersucht wurde. „Das Gesundheitswesen ist eine für Berlin und Brandenburg wirtschaftlich sehr bedeutsame Branche, die besondere Beachtung verdient“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis von der AOK Nordost.

Viele Fehltage in der Alten- und Krankenpflege

Besonders häufig krank sind in dieser Branche vor allem Mitarbeiter in der Altenpflege, in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei den Rettungsdiensten und in der Geburts­hilfe. Betroffen sind dabei vor allem Frauen, was die Experten mit dem höheren Anteil an weiblichen Arbeitnehmern in diesen Berufen erklären. Vor allem in der Alten- und Krankenpflege haben die Beschäftigten doppelt so viele Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen wie im jeweiligen Landesdurchschnitt.

Auffallend selten krank waren 2016 in der Region Berlin/Brandenburg hingegen gesetzlich versicherte Ärzte und Zahnärzte sowie Psychologen und Psychologische Psychotherapeuten. © PB/aerzteblatt.de

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