Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenkassen pochen auf Gesamtkonzept für Pflege im Krankenhaus

Donnerstag, 11. Januar 2018

/sudok1, stock.adobe.com

Berlin – Die Krankenkassen pochen bei Union und SPD kurz vor dem erwarteten Ende ihrer Sondierung auf ein Gesamtkonzept für bessere Pflege am Krankenbett. Sie warnten davor, dass eine neue große Koalition „immer mehr Geld mit der Gießkanne an alle Krankenhäuser“ ausschüttet, wie der Vize-Chef des Spitzenverbands der gesetz­lichen Kran­ken­ver­siche­rung, Johann-Magnus von Stackelberg, sagte.

„Wer meint, mit zusätzlichem Geld für eine angeblich nicht finanzierte Tarifsteigerung Personalprobleme bei der Pflege im Krankenhaus zu lösen, der irrt“, sagte von Stackelberg. CDU und CSU wollen, dass die Lohnsteigerungen in den Krankenhäusern von den Krankenkassen voll bezahlt werden. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) hatte im Dezember der Rheinischen Post gesagt, Tariferhöhungen für Pflegekräfte im Krankenhaus müssten künftig vollständig von den Kassen bezahlt werden.

Geld für zielgerichtete Maßnahmen

Von Stackelberg hielt dem entgegen: „Die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung bezahlt den Krankenhäusern für ihre laufenden Kosten schon heute mehr, als für den kompletten Ausgleich der Tarifsteigerungen notwendig wäre.“ Eine bessere Pflege am Krankenbett wollten auch die Kassen.

„Wer tatsächlich etwas für Pflegekräfte im Krankenhaus tun will, muss innerhalb eines Gesamtkonzepts zusätzliches Geld an zielgerichtete Maßnahmen binden, wie beispielsweise konkrete Personaluntergrenzen“, forderte Stackelberg. „So ließe sich verhindern, dass nachts keine Krankenschwester mehr alleine auf einer Station Dienst tun muss.“ Weitere Gelder für einen angeblich notwendigen Ausgleich der Kosten von Tarifsteigerungen seien eine schöne Illusion der Klinikträger. Die realen Probleme von Pflegekräften würden so nicht gelöst.

Gröhe hatte hingegen argumentiert: „Wenn Kliniken Lohnerhöhungen für Pflegekräfte durch Personalabbau an anderer Stelle finanzieren und damit die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verschlechtern, hilft das niemandem.“ Im Auftrag der Politik sollen Kassen und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bis zum Sommer Unter­grenzen fürs Personal zum Beispiel für die Pflege in Intensivstationen oder den Nachtdienst festlegen.

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum forderte nun, diesen Weg nicht weiter auszu­bauen. Eine Ausweitung nicht realisierbarer Untergrenzen dürfe es nicht geben, sagte Baum der Ärzte Zeitung. Hauptproblem seien vielmehr Personalkosten – und nicht ausfinanzierte Tarifsteigerungen. Derzeit seien zwischen 10.000 und 15.000 Pflege­stellen in den Krankenhäusern nicht besetzt.

Grundsätzlich bezahlen die Kassen die Behandlungen, also die laufenden Betriebs­kosten. Die Bundesländer sind verantwortlich für Gebäude und Geräte. Die Politik hatte die Kassen verpflichtet, Tarifsteigerungen teils zu bezahlen. Auch wenn dieser Posten die Lohnerhöhungen nicht voll abdeckt, zahlen die Kassen aus ihrer Sicht unterm Strich immer mehr für den laufenden Klinikbetrieb. So werden laut Kranken­kassen bereits seit Jahren die einzelnen Klinikleistungen überbezahlt – und das in steigendem Maß.

Zugleich beklagen die Kassen seit Langem, dass die Länder zu wenig für die Modernisierung von Kliniken bezahlen und dies deshalb mit Mitteln für den Krankenhausbetrieb quersubventioniert wird. © dpa/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

18.01.18
Pflegemangel im Krankenhaus erhöht das Risiko schwerer Komplikationen
Berlin – Eine Unterbesetzung im Pflegedienst von Krankenhäusern erhöht das Risiko schwerer Komplikationen signifikant. Darauf hat Michael Simon von der Hochschule Hannover hingewiesen. In zahlreichen......
16.01.18
Forscher sehen Nachholbedarf bei Bezahlung von Altenpflegern
Nürnberg – Arbeitsmarktforscher sehen bei der Bezahlung von Altenpflegekräften trotz Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren noch erheblichen Nachholbedarf. Mit monatlich 2.621 Euro brutto verdiene......
16.01.18
Zahl der Krankenpfleger in der Klinik für Patientenbeurteilung besonders wichtig
Southampton – Wie Patienten die Qualität eines Krankenhauses bewerten, hängt sehr stark von der Zahl der Pflegekräfte ab, die dort arbeiten. Das berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam um......
16.01.18
Kein Ende des Tarifkonflikts an Unikliniken im Südwesten in Sicht
Stuttgart – Im Tarifkonflikt um die Entlastung des Pflegepersonals an den Universitätskliniken im Südwesten hat es gestern keine Annäherung zwischen den Arbeitgebern und der Gewerkschaft Verdi......
16.01.18
Ärzte und Pflegekräfte bewerten Zusammenarbeit unterschiedlich
Berlin – Pflegekräfte bewerten die Lage der Pflege in Deutschland zumeist anders als andere Akteure des Gesundheitswesens. Das geht aus dem ersten Care-Klima-Index hervor, der von dem......
15.01.18
CSU hält an Landarztquote und besseren Pflegebedingungen fest
Bad Staffelstein – Neun Monate vor der Landtagswahl will die CSU in Bayern auch die Gesundheitspolitik neu ausrichten. In einer 23-seitigen Resolution, die die Landtagsfraktion am Mittwoch auf ihrer......
12.01.18
Modellprojekt mit Vietnam für Krankenpflege
Mainz – Im Kampf gegen den Mangel an Pflegekräften bildet Rheinland-Pfalz in einem Modellprojekt Vietnamesen aus. Das Projekt mit 19 Teilnehmerinnen und drei Teilnehmern sei im September „erfolgreich......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige