Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Adipositas: Diäten helfen auch bei genetischem Risiko

Donnerstag, 11. Januar 2018

/dpa

Boston – Gene haben zwar einen großen Einfluss auf das Körpergewicht, sie machen Diäten jedoch nicht aussichtslos. Eine prospektive Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 360: j5644) zeigt jetzt, dass eine Ernährungsumstellung bei Menschen mit einem genetischen Handicap sogar überdurchschnittlich gute Erfolgsaussichten hat.

Nach Zwillings- und Familienstudien sind 40 bis 70 Prozent der Unterschiede im Body-Mass-Index (BMI) auf genetische Faktoren zurückführen. Einige, wenn auch längst nicht alle verantwortlichen Gene, konnten in den letzten Jahren in genomweiten Assoziationsstudien ermittelt werden. 

Ein Team um Lu Qi von der Tulane University in Boston hat 77 dieser Risikogene (SNP) zu einem Gentest kombiniert. Der Test wurde bei 8.828 Teilnehmerinnen der Nurses 'Health Study und 5.218 Teilnehmern der Health Professionals Follow-up Study angewendet, die in den letzten 20 Jahren wiederholt zu ihren Ernährungsge­wohnheiten befragt worden waren.

Qi bewertete die Ernährung mit drei gängigen Scores: Der „Alternate Healthy Eating Index 2010“ (AHEI-2010), der „Dietary Approach to Stop Hypertension“ (DASH-Index) und der „Alternate Mediterranean Diet“ (AMED-Index) legen unterschiedliche Schwerpunkte. Alle bewerten aber den reichlichen Verzehr von Obst und Gemüse, Nüssen und Vollkornprodukten positiv, während Salz, zuckerhaltige Getränke, Alkohol sowie rotes Fleisch und Wurstwaren zum Punktabzug führen.

Wie zu erwarten haben die Personen mit dem ungünstigsten Ergebnis im Gentest am stärksten an Gewicht zugenommen: Pro 10 Risiko-Allelen (SNP) stieg der BMI alle vier Jahre um 0,02 Punkte an. Das machte alle vier Jahre im Durchschnitt 0,05 kg.

Der Anstieg wurde durch eine ungesunde Ernährung beschleunigt. Bei den Teilneh­mern, deren AHEI-2010 sich verschlechterte, nahm der BMI um 0,07 Punkte (pro 10 SNP und vier Jahre) zu. Bei den Teilnehmern, deren AHEI-2010 sich verbessert hatte, kam es dagegen zu einem Rückgang des BMI um 0,01 (pro 10 SNP und vier Jahre).

Für das Körpergewicht bedeutete dies bei verschlechterten Ernährungsgewohnheiten eine Zunahme um 0,16 kg (pro 10 SNP und vier Jahre) und bei verbesserten Ernährungs­gewohnheiten einen Rückgang um 0,02 kg (pro 10 SNP und vier Jahre). Die Auswertung mit dem DASH-Index führte zu ähnlichen Ergebnissen. Beim AMED-Index konnte kein Einfluss nachgewiesen werden. Mit anderen Worten: Je ungünstiger das genetische Risiko, desto mehr Wirkung erzielte eine Ernährungsumstellung. Wer sich gesund ernährt, kann trotz erhöhten genetischen Risiken abnehmen. 

Warum eine Diät (im Sinn einer dauerhaften Umstellung der Ernährung) bei Menschen mit erhöhtem genetischen Risiko besonders erfolgreich ist, kann Qi nicht erklären. Wie immer bei komplexen Analysen in epidemiologischen Studien lässt sich nicht aus­schließen, dass andere Faktoren der Lebensführung für die Erfolge verantwortlich sind. Möglich ist auch, dass die Menschen, die an sich eine starke Neigung zur Gewichts­zunahme verspüren, motivierter sind, Diäten konsequent durchzuhalten. Die wichtigste Botschaft bleibt aber, dass eine Gewichtsregulation auch bei einem erhöhten genetischen Risiko möglich ist. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17.01.18
Adipositas: 5-Jahresergebnisse zu Sleeve-Gastrektomie, Roux-en-Y-Magen­bypass und Lebensstil­modifikation
Turku/Finnland, Basel, Minneapolis/Tel Aviv - Die Sleeve-Gastrektomie, die in vielen Zentren heute die bevorzugte bariatrische Operation ist, hat in zwei randomisierten Vergleichsstudien im......
15.01.18
Jedes zehnte Kind ist bei Einschulung in Hessen übergewichtig
Wiesbaden – Mehr als jeder zehnte Erstklässler in Hessen ist zu dick. Dies geht aus einer Antwort des Sozialministeriums in Wiesbaden auf eine parlamentarische Anfrage der oppositionellen......
08.01.18
Zucker: Mehr als nur leere Kalorien
San Diego/Berlin – Eine Tatsache über Saccharose ist unumstritten – Haushaltszucker enthält weder Vitamine noch Mineralstoffe, Proteine oder Ballaststoffe. Dennoch könnten der Zucker und auch andere......
29.12.17
Fettleibigkeit: WHO verlangt Werbeeinschränkung in Deutschland
Genf – In Deutschland hat die Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen alarmierende Ausmaße angenommen. Das Problem muss nach Auffassung einer Expertin der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO)......
14.12.17
Fritten-Bude statt Fitness-Center: Was in Städten die Adipositas fördert
London – Menschen, die weniger als einen Kilometer vom nächsten Fitnessstudio, Schwimmbad oder anderen Sportstätten entfernt leben, haben einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in Lancet Public......
06.12.17
Gewichtsmanagement in Hausarztpraxis kuriert fast jeden zweiten Typ-2-Diabetes
Newcastle upon Tyne – Ein Typ-2-Diabetes muss kein lebenslanges Schicksal sein. Eine „Heilung“ ist auch ohne Operation möglich: Fast die Hälfte aller Typ-2-Diabetiker, die an einem radikalen......
29.11.17
Adipositas und Diabetes für fast 6 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich
London – Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, weil sie übergewichtig beziehungsweise fettleibig sind oder an einem Typ-2-Diabetes leiden. Nach Schätzungen in Lancet Diabetes & Endocrinology......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige