Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Östrogenpflaster beugt in Studie depressiven Symptomen zu Beginn der Menopause vor

Freitag, 12. Januar 2018

/dpa

Chapel Hill/North Carolina – Eine transdermale Östrogentherapie hat in einer randomi­sierten kontrollierten Studie die Entwicklung von depressiven Symptomen zu Beginn der Menopause vermindert. Infolge der notwendigen Begleittherapie mit Gestagenen kam es jedoch häufiger zu vaginalen Blutungen, wie die jetzt in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/ jamapsychiatry.2017.4050) publizierten Ergebnisse zeigen.

Die Schwankungen im Östrogenspiegel, zu denen es am Übergang zur Menopause und vor dem endgültigen Versiegen der Hormonproduktion im Ovar kommt, können depressive Verstimmungen auslösen. Die Gabe von Hormonen könnte sich deshalb positiv auf die Gemütslage der Frauen auswirken, die zu dieser Zeit auch unter den vasomotorischen Beschwerden des Klimakteriums zu leiden haben.

Die „Perimenopausal Estrogen Replacement Therapy Study“ (PERT) hat die präventive Gabe von Östrogenen jetzt erstmals in einer randomisiserten kontrollierten Studie untersucht. An der (nicht von der Industrie geförderten) Studie nahmen 172 Frauen teil, die sich in der Übergangsphase (unregelmäßige/fehlende Menstruationszyklen oder Hitzewallungen) zur Menopause befanden und in der Eingangsuntersuchung keine depressiven Symptome zeigten (ein Drittel hatte jedoch Depressionen in der Vorgeschichte).

Die Frauen wurden auf eine transdermale Therapie mit Östrogenen (0,1 mg/die 17beta-Estradiol) oder Placebo randomisiert. Die Behandlung erfolgte mit einem Medikamentenpflaster, das die Frauen einmal pro Woche wechseln sollten. Zum Schutz vor einem Endometriumkarzinom nahmen die Frauen alle 2 bis 3 Monate ein Gestagenpräparat (200 mg/die mikronisiertes Progesteron über 12 Tage) oder ein Placebo ein.

Primärer Endpunkt war das Auftreten von depressiven Verstimmungen, die während der 12-monatigen Behandlungszeit 7-mal mit dem CES-D-Fragebogen (Center for Epidemiological Studies Depression Scale) ermittelt wurden. Als depressive Verstimmung wurde ein CES-D-Wert von 16 oder höher eingestuft.

Dieser Endpunkt trat bei 17,3 Prozent der mit Östrogen behandelten Frauen auf gegenüber 32,3 Prozent in der Placebogruppe. Das Team um Susan Girdler von der Universität von North Carolina in Chapel Hill ermittelte eine Odds Ratio (OR) von 2,5, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,1 bis 5,7 signifikant war. Da der CES-D-Fragebogen nur ein Screeninginstrument ist, aber nicht die sichere Diagnose einer Depression erlaubt, konnte die Studie nicht klären, ob die Behandlung auch einer Major-Depression vorbeugen kann.

Die beste präventive Wirkung wurde in der frühen Perimenopause (Zykluslänge min­des­tens 7 Tage) erzielt. In der späten Perimenopause (wenigstens 2 ausgebliebene Zyklen oder ein Amenorrhoe-Intervall von mindestens 60 Tagen oder in der frühen Postmenopause) war kein signifikanter Einfluss auf den CES-D-Wert mehr erkennbar. Die günstige Wirkung der Therapie könnte deshalb auf einer Stabilisierung der Östrogenkonzentration im Blut beruhen. Es wurden allerdings während der Studie keine Hormonbestimmungen durchgeführt, die dies bestätigen könnten.

Äußere Einflüsse scheinen die Wirkung der Behandlung zu beeinflussen. Frauen, die in den letzten 6 Monaten vor Behandlungsbeginn persönliche Probleme („stressful life events“) angaben, sprachen besser auf die Behandlung an als Frauen ohne emotionale Probleme in der Vorgeschichte. Depressionen oder ein sexueller Missbrauch in der Vorgeschichte hatten dagegen keinen Einfluss auf die Behandlungseffekte. Auch der Estradiolspiegel zu Beginn der Studie sowie vasomotorische Symptome beeinflussten das Behandlungsergebnis nicht.

Die transdermale Östrogentherapie wurde von den meisten Frauen gut vertragen. Die zur Vermeidung von Endometriumkarzinomen notwendige Gabe von Progesteron führte allerdings häufiger zu leichten bis mittelschweren Blutungen (80 versus 44 Prozent), starken Blutungen (37 versus 13 Prozent) und verlängerten Blutungen (15 Prozent versus 1 Prozent). Eine Patientin erlitt während der Behandlung eine tiefe Venenthrombose, was daran erinnert, dass eine Hormontherapie nicht ohne Risiken ist. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

17. April 2018
Titusville/New Jersey – Eine zweimal wöchentliche intranasale Behandlung mit Esketamin, dem linksdrehenden Enantiomer von Ketamin, hat in einer Phase-2-Studie die Depressionen von Patienten mit akuter
Depressionen: Ketamin als Nasenspray beseitigt rasch Suizidgedanken
16. April 2018
Boston – Kann eine spezielle Analyse des Elektroenzephalogramms (EEG) die Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie der Major-Depression voraussagen? Nach einer Studie in JAMA Psychiatry (2018; doi:
Depressionen: EEG zeigt Wirksamkeit der Therapie an
6. April 2018
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat Vor- und Nachteile von Depressionsscreenings untersucht, konnte jedoch keinen eindeutigen Nutzen nachweisen. Das
IQWiG sieht keine Grundlage für Depressionsscreening
5. April 2018
Austin – Viele Jugendliche, die von der allgemeinen Geschlechternorm abweichen, bevorzugen es, mit einem von ihnen ausgewählten Namen angesprochen zu werden. Für ihre psychische Gesundheit ist es von
Geschlechtsidentität: Neuer Name stärkt psychische Gesundheit
13. März 2018
Wiesbaden – 263.428 Patienten sind 2016 wegen Depressionen im Krankenhaus behandelt worden. Das waren sieben Prozent mehr als fünf Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt jetzt mitteilte. Darunter
Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Depressionen gestiegen
22. Februar 2018
Berlin – Bei Studierenden steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für eine Depression deutlich an. Ab einem Alter von 27 Jahren übersteigt die Inzidenz der Ersterkrankungen die der Nichtstudierenden.
Depressionen: Vor allem ältere Studierende sind gefährdet
20. Februar 2018
Hangzhou/China – Das Anästhetikum Ketamin, das nach einmaliger Injektion Major-Depressionen über längere Zeit lindert, erzielt seine Wirkung einer Studie in Nature (2018; doi: 10.1038/nature25509)
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige