NewsÄrzteschaftHausärzte wollen sich Bürgerversicherung nicht verweigern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hausärzte wollen sich Bürgerversicherung nicht verweigern

Donnerstag, 11. Januar 2018

Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband hat sich von möglichen Praxisschließungen im Protest gegen die von der SPD geforderte Einführung einer Bürgerversicherung distanziert. „Wir werden keine Drohungen ausstoßen“, sagte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt heute vor der Presse in Berlin.

Was sich hinter den Plänen für eine Bürgerversicherung verberge, sei nach wie vor offen, erklärte Weigeldt. Das sei einer der Gründe, warum der Verband keinen ideologischen, sondern einen pragmatischen und nüchternen Blick auf das Thema habe.

Bei jeder wie auch immer gearteten Reform komme es aus Sicht der Hausärzte darauf an, das solidarisch finanzierte Gesundheits­wesen zu erhalten und die Primärversorgung angemessen zu finanzieren. „Die pauschale Ablehnung der Bürgerversicherung ist mir zu undifferenziert“, erklärte der Hausärztechef. Sollte die SPD sich mit ihren Forderungen gegenüber der Union durchsetzen, würden sich die Hausärzte nicht verweigern.

Anzeige

Wer soll eine einheitliche Honorarordnung schaffen?

Dass es dabei zu einer Umwälzung des gesamten Systems kommen könnte, hält Weigeldt für unrealistisch. Er sei zwar sicher, dass unter einer neuen Bundesregierung über eine einheitliche Honorarordnung diskutiert werde, bezweifele aber, ob das funktionieren könne. Selbst wenn eine Angleichung von GOÄ und EBM gelinge, setzten die Fachärzte eher auf die Vergütung von Einzelleistungen, während die Hausärzte aufgrund ihres Leistungsspektrums Pauschalen bevorzugten.

„Eine einheitliche Lösung für alle zu finden, wird schwierig“, sagte Weigeldt. Es stelle sich außerdem die Frage, wer diese neue Gebührenordnung schaffen solle. Weigeldt stellte zugleich klar, dass es aus seiner Sicht „zu kurz gesprungen“ sei, Reform­diskussionen nur mit Blick auf das System aus privater und gesetzlicher Kranken­versicherung zu führen. Vielmehr müsse endlich das Problem der fehlenden Durch­lässigkeit zwischen stationärem und ambulantem Versorgungssektor angegangen werden.

Seit vergangenem Sonntag sondieren Union und SPD, ob es genügend Gemeinsam­keiten für die Neuauflage einer großen Koalition gibt. Bedingung der SPD ist die Einführung einer Bürgerversicherung. Der NAV-Virchowbund hatte daraufhin Anfang der Woche erklärt, er sehe harte politische Auseinandersetzungen auf die Ärzteschaft zukommen, bei denen es auch zu Praxisschließungen kommen könne. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

31. Juli 2018
Hamburg – Erstmals in Deutschland erhalten in Hamburg ab morgen freiwillig gesetzlich krankenversicherte Beamte einen Zuschuss. Möglich macht es das „Gesetz über die Einführung einer pauschalen
Hamburgs Beamte erhalten Zuschuss zu gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung
6. Februar 2018
Berlin – Mitten in den strittigen Koalitionsgesprächen zur Gesundheitspolitik hat die ehemalige gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, ihre Partei davor gewarnt,
Koalitionsverhandlungen: SPD-Expertin warnt eigene Partei
31. Januar 2018
Berlin – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, hat heute wiederholt vor den SPD-Plänen in der Kran­ken­ver­siche­rung gewarnt. Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater
Bundesärztekammer verteidigt Kran­ken­ver­siche­rungssystematik
30. Januar 2018
Berlin – Gegen eine Vereinheitlichung der Arzthonorare für Kassen- und Privatpatienten bestehen nach Einschätzung von Experten erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken. Eine solche, von der SPD bei
Gutachter halten einheitliche Arzthonorare für verfassungsrechtlich bedenklich
25. Januar 2018
Berlin – Die SPD rückt unmittelbar vor den Koalitionsgesprächen mit CDU und CSU von ihrem großen Ziel einer Bürgerversicherung ab. Zugleich beharren die Sozialdemokraten auf einer Angleichung der
SPD rückt von Bürgerversicherung ab und nennt Arzthonorarangleichung unverzichtbar
22. Januar 2018
Berlin – Die Delegierten des SPD-Sonderparteitags haben zwar für Koalitionsverhandlungen mit der Union gestimmt, aber auch Nachbesserungen gefordert. Diese stoßen bei Ärzten und Krankenkassen auf
Ärzte und Krankenkassen warnen vor SPD-Plänen
17. Januar 2018
Hamburg – Die Landesregierung in Hamburg will heute die Bürgerversicherung in abgespeckter Form für Hamburger Beamte diskutieren. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer und der Ärztekammer Hamburg warnte
LNS
NEWSLETTER