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Ärzteschaft

Hausärzte wollen sich Bürgerversicherung nicht verweigern

Donnerstag, 11. Januar 2018

Berlin – Der Deutsche Hausärzteverband hat sich von möglichen Praxisschließungen im Protest gegen die von der SPD geforderte Einführung einer Bürgerversicherung distanziert. „Wir werden keine Drohungen ausstoßen“, sagte dessen Bundesvorsitzender Ulrich Weigeldt heute vor der Presse in Berlin.

Was sich hinter den Plänen für eine Bürgerversicherung verberge, sei nach wie vor offen, erklärte Weigeldt. Das sei einer der Gründe, warum der Verband keinen ideologischen, sondern einen pragmatischen und nüchternen Blick auf das Thema habe.

Bei jeder wie auch immer gearteten Reform komme es aus Sicht der Hausärzte darauf an, das solidarisch finanzierte Gesundheits­wesen zu erhalten und die Primärversorgung angemessen zu finanzieren. „Die pauschale Ablehnung der Bürgerversicherung ist mir zu undifferenziert“, erklärte der Hausärztechef. Sollte die SPD sich mit ihren Forderungen gegenüber der Union durchsetzen, würden sich die Hausärzte nicht verweigern.

Wer soll eine einheitliche Honorarordnung schaffen?

Dass es dabei zu einer Umwälzung des gesamten Systems kommen könnte, hält Weigeldt für unrealistisch. Er sei zwar sicher, dass unter einer neuen Bundesregierung über eine einheitliche Honorarordnung diskutiert werde, bezweifele aber, ob das funktionieren könne. Selbst wenn eine Angleichung von GOÄ und EBM gelinge, setzten die Fachärzte eher auf die Vergütung von Einzelleistungen, während die Hausärzte aufgrund ihres Leistungsspektrums Pauschalen bevorzugten.

„Eine einheitliche Lösung für alle zu finden, wird schwierig“, sagte Weigeldt. Es stelle sich außerdem die Frage, wer diese neue Gebührenordnung schaffen solle. Weigeldt stellte zugleich klar, dass es aus seiner Sicht „zu kurz gesprungen“ sei, Reform­diskussionen nur mit Blick auf das System aus privater und gesetzlicher Kranken­versicherung zu führen. Vielmehr müsse endlich das Problem der fehlenden Durch­lässigkeit zwischen stationärem und ambulantem Versorgungssektor angegangen werden.

Seit vergangenem Sonntag sondieren Union und SPD, ob es genügend Gemeinsam­keiten für die Neuauflage einer großen Koalition gibt. Bedingung der SPD ist die Einführung einer Bürgerversicherung. Der NAV-Virchowbund hatte daraufhin Anfang der Woche erklärt, er sehe harte politische Auseinandersetzungen auf die Ärzteschaft zukommen, bei denen es auch zu Praxisschließungen kommen könne. © HK/aerzteblatt.de

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