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Medizin

Wundinfektionen: Neues Antibiotikum greift Biofilm an

Freitag, 12. Januar 2018

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Leiden/Niederlande – Ein neues Antibiotikum, das die Wirkung eines Peptids des menschlichen Immunsystems nachahmt, kann nosokomiale ESKAPE-Keime innerhalb von Minuten abtöten. Das Mittel wirkt auch in Biofilmen und gegen „Persister“-Keime, wie die Studienergebnisse in Science Translational Medicine (2018; 10: eaan4044) zeigen. Eine erste klinische Studie mit einer Wundsalbe soll noch in diesem Jahr beginnen.

Unter dem Akronym ESKAPE werden eine Reihe multiresistenter Bakterien zusammen­gefasst, die häufig bei nosokomialen Infektionen auftreten und die durch ihre Fähigkeit zur Bildung von Biofilmen die Therapie erschweren. Neue Wirkstoffe gegen ESKAPE-Erreger werden dringend gesucht. Während die Forscher auf der Suche nach neuen Antibiotika ferne Länder durchstreiften, um im Erdreich antimikrobielle Substanzen zu suchen, haben Anna de Breij vom Universitair Medisch Centrum in Leiden (LUMC) das menschliche Immunsystem als Quelle für neue Medikamente entdeckt.

Makrophagen und andere Zellen der primären Immunabwehr können Bakterien mithilfe von antimikrobiellen Peptiden (AMP) abtöten. Die AMP werden nach dem Kontakt mit einem Bakterium von den Makrophagen freigesetzt. Sie dringen in die Zellmembran der Bakterien und führen dort zur Bildung von Löchern. Dies führte innerhalb kurzer Zeit zum Absterben der Bakterien.

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Die niederländischen Forscher haben die Aminosäurensequenz von LL-37, dem wichtigsten AMP beim Menschen, variiert, um seine antibakterielle Wirkung zu verstärken. Herausgekommen ist SAAP-148. Das synthetische Peptid ist wie LL-37 in der Lage, die Zellmembran von Bakterien zu zerstören. In ersten Tests wurden die ESKAPE-Bakterien bereits mit einer niedrigen Konzentration abgetötet. SAAP-148 dringt in Biofilme ein, die Bakterien normalerweise vor dem Angriff von Antibiotika schützen. „Persister“-Zellen, die durch einen verminderten Stoffwechsel für Antibiotika nicht angreifbar sind, wurden in den Tests ebenfalls abgetötet.

Ein erstes Einsatzgebiet könnte die Behandlung von Wundinfektionen sein. Ein Hypromellose-Gel mit 3,75 Prozent SAAP-148 hat sich in ersten tierexperimentellen Studien als sicher erwiesen. In einem In-vivo-Modell einer Hautprobe hat SAAP-148 innerhalb kurzer Zeit die Problemkeime MRSA und A. baumannii beseitigt. Auch bei Mäusen wurden die Bakterien innerhalb weniger Stunden aus der Wundflüssigkeit eliminiert. Die Forscher planen jetzt eine erste klinische Studie beim Menschen. Als Einsatzgebiet werden Wundinfektionen durch multiresistente Keime genannt. © rme/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Sonntag, 14. Januar 2018, 23:46

Interessanter Gedankengang

Ja, wir haben ein Problem mit multiresistenten Keimen und ja, wir brauchen dringend neue Impulse und Wirkstoffe. Allerdings ist der Hinweis von dpeter durchaus berechtigt. Bisher galt die Regel, Bakterien mit Resistenzen gegen Antibiotika sind schwerer zu behandeln als "normal sensible" Bakterien, aber sie sind nicht aggressiver.

Wenn dagegen nach der Nutzung dieses Peptids Resistenzen auftreten, dann wirkt dies wie ein zusätzlicher Pathogenitätsfaktor. Und multiresistente Keime mit zusätzlichen Pathogenitätsfaktoren sind so ziemlich der absolute Albtraum eines Arztes. Wenn dieses Peptid funktioniert, dann sollte es nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden.
dpeter
am Sonntag, 14. Januar 2018, 19:47

Geht`s noch?

Ich halte es für eine maximal bescheuerte Idee, aus menschlichen Wegen der Abwehr in großem Stil Antibiotika zu generieren....
Wünsche mir da gerne ein etwas kritischeren Umgang mit der Meldung.

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