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Medizin

IVF: Kryokonservierung kann Schwangerschaftsrate in Studien nicht erhöhen

Freitag, 12. Januar 2018

/dpa

Shandong/China und Ho-Chi-Minh-Stadt/Vietnam – Die kostspielige Kryokonservie­rung, die in den letzten Jahren von vielen Kliniken angeboten wird, um die Implan­tation des Embryos „physiologischer“ zu gestalten, hat in 2 randomisierten Studien im New England Journal of Medicine (2018; 378: 126–136 und 137–147) die Erfolgs­chancen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) nicht verbessert.

Die Kryokonservierung, die befruchtete Einzellen in flüssigem Stickstoff in eine „Kälte­starre“ versetzt, wurde ursprünglich entwickelt, um Embryonen für spätere Schwanger­schaften zu archivieren. Der Vorteil liegt darin, dass sich die Frau keiner erneuten Hormonbehandlung und Follikelpunktion unterziehen muss. Seit einigen Jahren wird die Kryokonservierung zunehmend auch vor der Implantation des ersten Embryos verwendet. 

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Die Kryokonservierung ermöglicht ein längeres Intervall zwischen der Entnahme der Eizelle und der Implantation des Embryos. In dieser Zeit kann sich der Organismus der Frau von der Hormonbehandlung erholen, mit der die Reifung mehrerer Follikel stimuliert wird, damit mehrere Eizellen für die Befruchtungsversuche im Reagenzglas zur Verfügung stehen. Diese ovarielle Stimulation verändert auch die Uterusschleim­haut, was die Implantation erschweren könnte.

Die Evidenz für die Vorteile einer regelmäßig durchgeführten Kryokonservierung ist jedoch gering. Sie beruhte lange nur auf Ergebnissen epidemiologischer Studien, die nicht beweiskräftig sind. Vor 2 Jahren konnte dann erstmals in einer randomisierten Studie ein leichter Vorteil bei Patientinnen mit polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS) belegt werden, bei denen es nach der Hormonbehandlung häufig zu einer über­schießenden Follikelreifung (ovarielles Hyperstimulationssyndrom) kommt. Zi-Jiang Chen von der Shandong Universität in Jinan und Mitarbeiter berichteten damals, dass eine Kryokonservierung der Embryonen die „Baby-Take-Home“-Rate von 42,0 auf 49,3 Prozent erhöht (NEJM 2016; 375: 523–533).

Die chinesischen IVF-Mediziner haben daraufhin eine weitere randomisierte Studie durchgeführt, an der dieses Mal nur Frauen ohne PCOS teilnahmen. An 19 IVF-Kliniken in China wurden insgesamt 2.157 Frauen mit regelmäßigem Zyklus für einen 1. IVF-Versuch auf 2 Gruppen randomisiert. In einer Gruppe wurden die Embryonen nach der IVF (mit oder ohne intrazytoplasmatischer Spermieninjektion) implantiert, in der 2. Gruppe wurden die Embryonen zwischenzeitig kryokonserviert. Dabei wurde die ultraschnelle Vitrifizierung verwendet, die ein Kristallbildung vermeidet und für die Embryonen schonender sein soll. 

Primärer Endpunkt war wie in der vorangegangenen Studie die „Baby-Take-Home“-Rate nach dem 1. IVF-Versuch. Sie nach bei der Verwendung von kryokonservierten Embryonen bei 48,7 Prozent und nach Verwendung „frischer“ Embryonen bei 50,2 Prozent. Chen errechnet ein relatives Risiko von 0,97, das mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,89 bis 1,06 nicht signifikant war. Auch im Verlauf der Schwangerschaft und bei den Geburtskomplikationen und den neonatalen Komplika­tionen oder anderen unerwünschten Ereignissen gab es zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede.

Der einzige Vorteil der Kryokonservierung war eine geringere Inzidenz des ovariellen Hyperstimulationssyndroms, das bei 0,6 Prozent gegenüber 2,0 Prozent bei Verwen­dung frischer Embryonen auftrat (relatives Risiko 0,32; 0,14–0,74). 

Das ovarielle Hyperstimulationssyndrom ist Folge einer Überdosierung der humanen Choriongonadotropine (HCG), die zur Follikelreifung eingesetzt werden. Es ist gekennzeichnet durch eine massive Flüssigkeitsverschiebung in den extravasalen Raum (Aszites Hydrothorax, Zystenflüssigkeit). Der intravasale Flüssigkeitsmangel begünstigt dann die Bildung von Thrombosen. Todesfälle sind möglich, treten aber in der Praxis selten auf.

Warum es nach der Verwendung von frischen Embryonen häufiger zu einem ovariellen Hyperstimulationssyndrom kommt, ist unklar. In der 2. Studie, über die Lan Vuong vom My Duc Hospital in Ho-Chi-Minh-Stadt und Mitarbeiter berichten, kam es nach der Verwendung frischer Embryonen nicht signifikant häufiger zu dieser Komplikation. An der Klinik in der vietnamesischen Hauptstadt, die jährlich etwa 6.000 IVF-Zyklen durchführt, waren 782 infertile Frauen ohne PCOS auf eine IVF mit oder ohne Kryo­konservierung des Embryos randomisiert worden. Die Kryokonservierung wurde wie in China mittels Vitrifizierung durchgeführt.

Primärer Endpunkt der Studie war eine erfolgreiche Schwangerschaft nach dem 1. IVF-Versuch. Dies gelang bei Verwendung von kryokonservierten Embryonen bei 142 von 391 Frauen (36,3 Prozent)  und nach Verwendung von frischen Embryonen bei 135 von 391 (34,5 Prozent) Frauen. Vuong gibt die Risk Ratio mit 1,05; (0,87–1,27) an. Auch bei der Zahl der Lebendgeburten (33,8 versus 31,5 Prozent; Risk Ratio 1,07; 0,88–1,31) gab es keine Unterschiede. Ein ovarielles Hyperstimulationssyndrom war nur bei 7 Frauen aufgetreten (3-mal nach Verwendung von kryokonservierten Embryonen, 4-mal auch Verwendung von frischen Embryonen). Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen waren nicht signifikant. © rme/aerzteblatt.de

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