Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Brustkrebs: BRCA-Mutationen ohne Einfluss auf Behandlungs­ergebnisse

Sonntag, 14. Januar 2018

brustkrebs-mammakarzinom-mammographie_dpa

Southampton/England – Frauen, die vor dem 40. Lebensjahr an einem Mamma­karzinom erkrankten, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in Lancet Oncology (2018; doi: 10.1016/ S1470-2045(17)30891-4) keine schlechtere Prognose, wenn bei ihnen Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1 oder -2 nachgewiesen wurden. Bei Hormonrezeptor-negativen Tumoren waren die Überlebenschancen in den ersten beiden Jahren sogar besser als bei Frauen ohne BRCA-Mutationen.

Ein Mammakarzinom vor dem 40. Lebensjahr wird häufig auf eine genetische Prädispo­sition zurückgeführt. Die wichtigsten Ursachen sind Mutationen in den „Brustkrebs­genen“ BRCA1 und -2, die die DNA-Reparatur beeinträchtigen. Mutationen, die potenziell zum Krebswachstum führen, können dann nicht mehr so gut beseitigt werden. Mutationen BRCA1 und -2 sind jedoch seltener als vielfach angenommen.

Von den 2.733 Patientinnen der POSH-Kohorte („Prospective Outcomes in Sporadic versus Hereditary breast cancer“), bei denen zwischen 2000 und 2008 in Großbritan­nien ein Mammakarzinom diagnostiziert wurde, hatten nur 338 (12 Prozent) einen positives Ergebnisse im BRCA1- oder -2-Test. 

Ebenfalls überraschen dürfte, dass die Mammakarzinome bei den BRCA-positiven Frauen keineswegs aggressiver waren bei bei den BRCA-negativen Frauen. Beide Gruppen hatten dieselbe Therapie erhalten, und die Überlebensraten waren in etwa gleich: Nach 2 Jahren lebten noch 97,0 der BRCA-positiven und 96,6 Prozent der BRCA-negativen Patientinnen. Nach 5 Jahren waren es 83,8 gegenüber 85,0 Prozent und nach 10 Jahren 73,4 versus 70,1 Prozent. Die Unterschiede waren minimal und nach den Berechnungen des Teams um Diana Eccles, Universität Southampton, statistisch nicht signifikant.

Bei den Frauen mit Tumoren, deren Zellen weder Östrogen- noch Progesteron- noch HER2/neu-Rezeptoren bilden (Triple-negativ) und die deshalb schwer zu behandeln sind, waren die Überlebensraten bei den BRCA-positiven Frauen zunächst sogar besser als bei den BRCA-negativen Frauen: Nach 2 Jahren lebten noch 95 Prozent gegenüber 91 Prozent bei den BRCA-negativen Frauen. Eccles ermittelte eine Hazard Ratio 0,59, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,35 bis 0,99 signifikant war. Nach 5 Jahren (81 versus 74 Prozent) und nach 10 Jahren (72 versus 69 Prozent) war der Unterschied nicht mehr signifikant.

Da die BRCA-Tests Anfang der 2000er-Jahre noch nicht verbreitet waren (bei den meisten Teilnehmerinnen der Studie wurden sie nachträglich durchgeführt), entschie­den sich nur 107 Frauen zu einer bilateralen Mastektomie und nur 32 Frauen zu einer bilateralen Salpingoophorektomie, der beidseitigen Entfernung der Ovarien samt Eileiter. Diese Operationen sollen verhindern, dass die Frauen erneut an Krebs erkranken. Das Lebenszeitrisiko von BRCA-positiven Frauen auf ein Mammakarzi­nom wird heute auf 45 bis 90 Prozent geschätzt. An einem Ovarialkarzinom erkranken etwa 45 Prozent der BRCA-positiven Frauen.

Normalerweise werden die Frauen gedrängt, sich gleich nach der Operation zu ent­schei­den. Eccles hält es aufgrund der guten Überlebenschancen in den ersten beiden Lebensjahren zumindest bei Triple-negativen Tumoren für vertretbar, den Frauen etwas Zeit zu geben. Die Frauen sollten sich zunächst physisch und psychisch von der Operation erholen, rät die Expertin. Beim Brustkrebs können die Frauen zwischen einer intensivierten Früherkennung (Magnetresonanztomographie) und einer bilateralen Mastektomie wählen. Beim Ovarialkarzinom gibt es derzeit keine Alternative zur Operation, da es keine effektive Früherkennung gibt. © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 16. Januar 2018, 13:12

Populistischer Denkfehler?

Wie viele Studien unterliegt auch diese Publikation "Germline BRCA mutation and outcome in young-onset breast cancer (POSH): a prospective cohort study" von Ellen R Copso et al.
http://www.thelancet.com/pdfs/journals/lanonc/PIIS1470-2045(17)30891-4.pdf
einem populistischen Denkfehler.

Frauen haben um das 40. Lebensjahr eine durchschnittliche Lebenserwartung von zusätzlichen 43,57 Jahren (Frauen im Alter von 20 haben zusätzlich 63,22 Jahre Lebenserwartung) nach der allgemeinen Sterbetafel 2010/12
www.destatis.de

Wenn nach 2 Jahren lt. Studienangaben nur 3,0% der BRCA-positiven bzw. nur 3,4 Prozent der BRCA-negativen Brustkrebs-Patientinnen verstorben sind; aber nach 5 Jahren bereits 16,2% bzw. 15,0% Prozent, sind das viel zu kurze Nachbeobachtungs-Zeiträume.

Hochdramatisch wird es bereits nach 10 Jahren: Dann sind 26,6% der BRCA-positiven bzw. 29,9 der BRCA-negativen Brustkrebs-Patientinnen verstorben.

Damit wird die durchschnittliche Lebenserwartung bei allen Frauen mit Brustkrebserkrankungen bis zum 40. Lebensjahr, also mit sehr früher Erstmanifestation derart massiv verkürzt, dass sie von den meisten senologischen Patienten mit Mammakarzinom gar nicht mehr erreicht wird.

Aus einem Follow-Up von gerade einmal 10 Jahren nach Brustkrebs vor dem/bis zum 40. Lebensjahr und einer mittleren, allgemeinen Lebenserwartung von mindestens weiteren 44 Jahren auf existenziell bedeutsame Morbiditäts- und Mortalitäts-Unterschiede zwischen BRCA-positiven und BRCA-negativen Brustkrebs-Patientinnen schließen zu wollen, ist angesichts des klinisch bekannten, hohen Aggressivitätspotentials dieser frühen Brustkrebs-Manifestationen insgesamt höchst fragwürdig.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


Nachrichten zum Thema

17. April 2018
Heidelberg - Die Gefahr für Brustkrebspatientinnen, nach einer Strahlen- oder Chemotherapie an einer Herzerkrankung zu sterben, ist nicht größer als bei der Durchschnittsbevölkerung. Zu diesem Schluss
Kein höheres Sterberisiko durch Herzerkrankung nach Brustkrebsbehandlung
4. März 2018
Heidelberg – Eine Weiterentwicklung der sogenannten diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie (MRT) kombiniert mit intelligenten Bildanalyseverfahren könnte künftig viele Kontrollbiopsien nach
Neues bildgebendes Verfahren soll Kontrollbiopsien nach auffälligem Mammographiebefund reduzieren
19. Februar 2018
Berlin – Deutliche Kritik am Bewertungsverfahren für neue Krebsmedikamente übt der Berufsverband der Niedergelassenen Gynäkologischen Onkologen (BNGO). Es geht um die Diskussion um die beiden in
Berufsverband kritisiert G-BA-Bewertung neuer Krebstherapeutika
12. Februar 2018
Leuven/Brüssel – Brustkrebspatientinnen mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom erhalten als erste zytostatische Therapie Docetaxel in Kombination mit anderen Medikamenten.
Brustkrebs: Weiche Chemotherapie statt Docetaxel bei älteren Patientinnen
8. Februar 2018
Los Angeles/Cambridge – Die Aminosäure Asparagin, die häufig in Lebensmitteln vorkommt, könnte die Ausbreitung einer besonders aggressiven Form des Brustkrebses beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommen
Brustkrebs: Wie die Ernährung die Metastasierung bremsen könnte
4. Februar 2018
Dallas – Radio- und Chemotherapie des Mammakarzinoms können das Herz schädigen. Die American Heart Association rät deshalb, die Patientinnen kardiologisch zu betreuen. In Circulation (2018; doi:
Wie sich kardiale Risiken der Brustkrebstherapie vermeiden lassen
24. Januar 2018
Los Angeles – Krafttraining und Aerobic könnten die Prognose von Frauen mit Brustkrebs verbessern. Ein regelmäßiges Einzeltraining über 4 Monate reduziert die Anzahl der Frauen mit einem metabolischen
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
J
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige