NewsMedizinArthritis: Ballaststoffe verlangsamen Knochenabbau in Mäusen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Arthritis: Ballaststoffe verlangsamen Knochenabbau in Mäusen

Dienstag, 16. Januar 2018

Darmflora mit Bakterien /Alex adobe.stock.com
Kurzkettige Fettsäuren, die bei ballaststoffreicher Ernährung vermehrt gebildet werden, liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. /Alex, stock.adobe.com

Erlangen/Nürnberg – Eine ballaststoffreiche Kost kann den Verlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positiv beeinflussen und die Knochen stärken. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in einer Studie mit Mäusen, die in Nature Communications veröffentlicht wurde (2018; doi: 10.1038/s41467-017-02490-4). Eine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung ließe sich aus den Ergebnissen aber noch nicht ableiten, betonen die Autoren.

Die FAU-Wissenschaftler um Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 – Rheumato­logie und Immunologie konnten zeigen, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernäh­rung die Darmflora verändert. Mäuse, die über 8 Wochen kurzkettige Fettsäuren oder eine ballaststoffreiche Diät über das Trinkwasser erhielten, legten signifikant Knochenmasse zu. Die Zahl der knochenabbauenden Zellen verringerte sich, was gleichzeitig den Knochenabbau deutlich verlangsamte.

Anzeige

Propionat wird schon seit den 1950er-Jahren als Konservierungsmittel in der Backindustrie verwendet und ist als prominenter Vertreter kurzkettiger Fettsäuren nach EU-Richtlinien als Nahrungsmittelzusatzstoff überprüft und zugelassen.

Wie auch Acetat und Butyrat gehört Propinat zu den kurzkettigen Fettsäuren (short-chain fatty acids, SCFA). Sie bestehen aus maximal zehn C-Einheiten. Bei eine Länge von 4 bis 6 C liegt ihr Energiegehalt bei 22 kJ (5,3 kcal)/g.

„Wir konnten zeigen, dass eine bakte­ri­en­freundliche Ernährung entzündungs­hemmend ist und zugleich einen positiven Effekt auf die Knochenfestig­keit hat“, sagt Studienleiter Zaiss. Verantwortlich für den Effekt waren nicht die Darmbakterien selbst, sondern ihre Stoffwechselprodukte. Genauer gesagt kurzkettige Fettsäuren, die bei ballaststoffreicher Ernährung vermehrt gebildet werden. Sie liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend, was unter anderem eine Studie in Clinical and Translation Immunology 2016 zeigen konnte. Somit beeinflussen sie auch Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis. Eine erhöhte Konzentration der kurzkettigen Fettsäure, vor allem Propionat, konnten die Forscher im Mausmodell unter anderem im Knochenmark nachweisen. 

Unklar ist noch, wie die Verständigung zwischen Darmbakterien und Immunsystem abläuft und wie gegebenenfalls die Bakterien positiv beeinflusst werden könnten. Im Fokus der Forscher stehen dabei die kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat, die innerhalb von Gärprozessen der Darmbakterien gebildet werden. Diese Fettsäuren sind unter anderem in der Gelenkflüssigkeit zu finden und man nimmt an, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit der Gelenke haben.

Die Forscher sind überzeugt, dass ihre Erkenntnisse einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung innovativer Therapien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie für die Behandlung von Osteoporose bieten. „Wir können heute noch keine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung geben“, sagt Zaiss. Ein morgendliches Müsli und ausreichend Obst und Gemüse täglich würden aber helfen, einen artenreichen Bakterienmix aufrechtzuerhalten. © gie/idw/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Oktober 2018
Genf – Jedes Jahr kommt es in den sechs EU-Ländern Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich zu insgesamt rund 2,7 Millionen Osteoporose bedingten
Zahl der Osteoporose bedingten Knochenbrüche geht in die Millionen
18. Oktober 2018
Berlin – In wenigen Monaten will auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) eine quantitative Empfehlung zum Zuckerkonsum aussprechen. Das Positionspapier zur Zuckerreduktion soll Anfang 2019
DGE-Empfehlung für Zuckerkonsum angekündigt
18. Oktober 2018
Kuopio – Eine vollkornreiche Ernährung gilt neben anderen Lebensstilfaktoren als besonders gesundheitsförderlich – unter anderem soll sie das kardiovaskuläre Risiko reduzieren, zur Erhaltung eines
Betaine könnten gesundheitsförderliche Wirkungen von Vollkornproduken mitverantworten
17. Oktober 2018
Berlin/Holzkirchen – Seit gestern bekommt der weltweit umsatzstärkste Blockbuster Humira (Adalimumab) Konkurrenz. Nach mehr als 15 Jahren Marktexklusivität, etwa siebzig Patenten und zahlreichen
Amgen und Sandoz bringen als erste Humira-Biosimilars in Europa auf den Markt
17. Oktober 2018
Berlin – Die Vereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) mit der Industrie für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten ist bei Opposition, Verbraucherschützern und
Grüne kritisieren Klöckners Pläne für weniger Fett und Zucker
17. Oktober 2018
Hamburg – In Hamburg können sich in den kommenden Monaten elf zusätzliche Rheumatologen niederlassen. Der Zulassungsausschuss aus Ärzten und Krankenkassen hat die Versorgungsaufträge für zehn neue
Elf zusätzliche niedergelassene Rheumatologen in Hamburg zugelassen
16. Oktober 2018
Berlin – Für eine gesündere Ernährung sollen Fertiggerichte wie etwa Tiefkühlpizza künftig schrittweise mit weniger Fett, Salz und Zucker auskommen. Auch Portionsgrößen von Produkten sollen kleiner
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER