NewsMedizinBronchopulmonale Dysplasie: Prävention mit inhalativem Steroid erzielt zwiespältige Wirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bronchopulmonale Dysplasie: Prävention mit inhalativem Steroid erzielt zwiespältige Wirkung

Dienstag, 16. Januar 2018

/dpa

Zürich – Neurologische Entwicklungsstörungen, zu denen es bei der systemischen Gabe von Glukokortikoiden zur Prophylaxe einer bronchopulmonalen Dysplasie kommen kann, lassen sich durch eine inhalative Applikation vermeiden. Dies zeigen die Langzeitergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie im New England Journal of Medicine (2018; 378: 148–157), in der es jedoch unerklärlicherweise Weise zu einem signifikanten Anstieg der Todesfälle kam.

Eine bronchopulmonale Dysplasie, die bei unreifen Frühgeborenen häufig eine Beatmung erforderlich macht und mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden ist, kann durch Glukokortikoide häufig verhindert werden. Die systemische Gabe der Medika­mente hat jedoch in klinischen Studien zu neurologischen Entwicklungsstörungen der Kinder geführt. Viele Neonatologen bevorzugen deshalb eine inhalative Gabe, deren Sicherheit jedoch ebenfalls umstritten ist.

Anzeige

Die bisher größte Studie zur Prävention der bronchopulmonalen Dysplasie mit Gluko­kortikoiden war vor 2 Jahren zu zwiespältigen Ergebnissen gekommen. An 40 Studien­zentren in Europa und Israel waren 863 Frühgeborene, die vor der 28. Schwanger­schafts­woche geboren wurden und die in den ersten 12 Stunden nach der Geburt eine Atemunterstützung benötigten, auf die prophylaktische Gabe von Budesonid oder Placebo randomisiert worden.

Wie Dirk Bassler vom Universitätsspital Zürich und Mitarbeiter damals berichteten, hatte Budesonid zwar die Inzidenz einer bronchopulmonalen Dysplasie von 38,0 auf 27,8 Prozent gesenkt (relatives Risiko 0,74; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,60 bis 0,91). Es war allerdings zu einem Anstieg der Todesfälle (16,9 versus 13,6 Prozent) gekommen.

Jetzt stellt das Team die Ergebnisse der Nachuntersuchung vor. Sie sollte nachweisen, dass die inhalative Gabe von Glukokortikoiden anders als die systemische Gabe keine neurologischen Entwicklungsstörungen auslöst. Dies gelang. Von den 308 Säuglingen, die Budesonid erhielten, wiesen „nur“ 148 (48,1 Prozent) im Alter von 18 bis 22 Monaten neurologische Behinderungen auf. In der Placebogruppe waren es 165 von 321 Kindern (51,4 Prozent). Das relative Risiko von 0,93 schließt bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,80 bis 1,09 weitgehend aus, dass eine wesentliche Gefahr übersehen wurde. (Die meisten Behinderungen betrafen Nachteile in der kognitiven Entwicklung, während Zerebralparesen, Erblindungen und Hörverluste relativ selten auftreten.)

Für Bassler bestätigen die Ergebnisse die Sicherheit der inhalativen Glukokortikoid­behandlung. Der Neonatologe verweist in diesem Zusammenhang auf 2 frühere randomisierte Studien, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren. 

Es bleibt allerdings bei der erhöhten Rate von Todesfällen. Bislang sind 82 von 413 Kindern (19,9 Prozent) in der Budesonidgruppe und 58 von 400 Kindern (14,5 Prozent) in der Placebogruppe gestorben. Dies ergibt ein relatives Risiko von 1,37, das bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,01 bis 1,86 statistisch signifikant war und deshalb erklärungsbedürftig ist. Für Bassler gibt es keine biologisch plausible Erklärung für die erhöhte Sterblichkeit. Die Editorialistin Barbara Schmidt von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia hatte vor 2 Jahren im Editorial zu den Erstergebnissen vermutet, dass es möglicherweise zu einem Anstieg von Atemwegs­infektionen gekommen sei (einer möglichen Nebenwirkung von Glukosteoroiden). Eine nachträgliche Analyse hat laut Bassler dafür einen Anhalt gefunden. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. Juni 2018
Berlin – Das katholische Sankt-Joseph-Krankenhaus in Berlin-Tempelhof beteiligt sich an einem Testprojekt zur besseren Versorgung früh geborener Babys. Dabei soll eine neu entwickelte bionische
Berliner Krankenhaus testet bessere Versorgung von Frühchen
27. Februar 2018
Toronto – Werden Eltern als direkte Betreuer von Frühgeborenen auf der Intensivstation eingebunden, reduziert dies nicht nur Stress und Ängste der Eltern, sondern führt dazu, dass die Kinder schneller
Frühgeborene auf Intensivstationen profitieren von stärkerer Einbindung der Eltern in die Pflege
1. Februar 2018
Montréal – Schwangere Frauen ab 40 Jahren können unabhängig von Störfaktoren ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine retrospektive Kohortenstudie, die Forscher aus
Schwangerschaft: Ab 40 Jahren steigt das Risiko für Frühgeburten
25. Januar 2018
Oslo – Der regelmäßige Konsum von probiotischer Milch, der in Norwegen bei Schwangeren sehr beliebt ist, hat in einer prospektiven Beobachtungsstudie in BMJ Open (2018; 8: e018021) die Rate der
Studie: Probiotika könnten vor Präeklampsie und Frühgeburt schützen
20. Dezember 2017
Neapel – Ein zervikales Pessar hat in einer randomisierten Studie bei asymptomatischen Frauen mit Einzelschwangerschaften, ohne Frühgeburten in der Vorgeschichte und einer Zervixlänge von 25 mm oder
Zervikales Pessar senkt Frühgeburtrate in Studie
6. Dezember 2017
Berlin – Die Zahl der kinderchirurgischen Einrichtungen hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Was zunächst positiv scheint, könnte eine reduzierte Qualität in der Versorgung seltener angeborener
Neonatologie: Zu viele Kinderchirurgen behandeln seltene angeborene Fehlbildungen
17. November 2017
Berlin – Auf die große Bedeutung einer zeitnahen kinderchirurgischen Versorgung für viele Frühgeborene hat die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) heute anlässlich des
VG WortLNS
NEWSLETTER