NewsMedizinWie Salz das Gehirn schädigt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Wie Salz das Gehirn schädigt

Dienstag, 16. Januar 2018

/Sergey, stock.adobe.com

New York – Eine salzreiche Kost schädigt das Gehirn möglicherweise auf andere Weise als bisher vermutet. Statt zu einem Blutdruckanstieg kam es in tierexperimentellen Studien in Nature Neuroscience (2018; doi: 10.1038/s41593-017-0059-z) zu einer Störung der Gefäßfunktion, die auf eine vermehrte Produktion von Interleukin 17 im Darm zurückzuführen war. Die Erkenntnisse könnten zu neuen Therapieansätzen führen.

Der hohe Salzkonsum in westlichen Gesellschaften gehört zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zu denen auch ein Schlaganfall und andere Durchblu­tungs­störungen im Gehirn gehören. Lange wurde vermutet, dass ein erhöhter Blut­druck, zu dem es infolge einer salzreichen Kost kommt, der wesentliche pathogene­tische Faktor ist. Die Rolle der arteriellen Hypertonie wird jedoch kritisch gesehen, da eine Einschränkung des Salzkonsums nicht bei allen Menschen den Blutdruck senkt und dies nicht immer eine Senkung des kardiovaskulären Risikos zur Folge hat. 

Anzeige

Ein Team um Costantino Iadecola von Weill Cornell Medical College in New York hat jetzt den Einfluss einer salzhaltigen Kost auf Mäuse untersucht. Die Zufuhr von Salz in der Menge, die ungefähr der menschlichen Nahrung in den Industriestaaten entspricht, führte schon nach wenigen Wochen zu einer Abnahme der Durchblutung im Gehirn. Die Tiere entwickelten kognitive Störungen: Gegenstände, die ihnen vor Wochen schon einmal in den Käfig gelegt wurden, beschnupperten sie so intensiv, als wären sie völlig neu für sie. 

Die Forscher konnten die Durchblutungsstörungen, die interessanterweise nicht mit einem Anstieg des Blutdrucks einhergingen, auf eine endotheliale Dysfunktion zurückführen. Die Zellen der Gefäßwand verloren die Fähigkeit, Stickoxid (NO) herzustellen, mit dem normalerweise die Gefäße weit gestellt werden können, wenn das Gehirn, etwa bei kognitiven Aufgaben, mehr Nährstoffe benötigt. 

Die Gefäßfunktion konnte durch die Gabe von L-Arginin im Trinkwasser wieder hergestellt werden. L-Arginin ist ein Substrat für die endotheliale Stickstoffmonoxid-Synthase (eNOS), die das Gas Stickoxid produziert, das die Gefäße weit stellt und die Durchblutung verbessert. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die salzhaltige Kost die Funktion des Enzyms eNOS stört. Doch wieso?

Die Ursache vermuteten die Forscher im Darm. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass eine salzhaltige Kost die Zahl der T-Helferzellen steigert, die das Zytokin Interleukin (IL) 17 produzieren. Tatsächlich kam es nach Gabe von IL 17 zu den gleichen Veränderungen in der Hirndurchblutung und in den kognitiven Tests wie nach einer salzreichen Kost. Und ein IL-17-Antikörper verhinderte, dass eine salzreiche Kost zu einer Störung der Hirndurchblutung führte. 

IL 17 scheint die Funktion des Enzyms eNOS nicht direkt zu stören. Der Angriffspunkt scheint eine Rho-Kinase (ROCK) zu sein. Der ROCK-Inhibitor Y27632 verhinderte, dass IL 17 über eine Hemmung von eNOS die Durchblutung im Gehirn störte.

Die Studie liefert gleich mehrere Ansätze, wie ein negativer Einfluss einer salzhaltigen Kost auf die Hirnfunktion verhindert werden könnte. Dies könnte durch IL-17- Anti­körper, aber auch durch einen ROCK-Inhibitor geschehen. Ob sich daraus einmal neue Therapien entwickeln, lässt sich kaum vorhersagen. Zunächst einmal lassen sich die Verhältnisse bei der Maus nicht auf den Menschen übertragen (auch wenn In-vitro-Studien der Forscher dies vermuten lassen). Dann ist nicht gesagt, dass die Wirkstoffe sich als verträglich erweisen und in klinischen Studien die erhoffte Wirkung erzielen. Die einfachste Möglichkeit, die negativen Auswirkungen auf die Hirndurchblutung zu vermeiden, könnte eine salzärmere Kost sein. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #748570
Georgmg
am Donnerstag, 31. Mai 2018, 20:20

Salz Menge genau dosieren

Da meine Mutter unter Bluthochdruck leidet, war ich im Internet auf der Suche, wie man das Salz genau dosieren kann. Dabei bin ich auf den TasteStick gestossen. Dieses Produkt wird auf Kickstarter beworben und damit kann man die Salzmühle ganz genau dosieren. Leider ist das Produkt noch nicht zu kaufen, wäre aber toll wenn es dieses lieben würde. https://www.kickstarter.com/projects/1902375669/tastestick-for-perfect-taste-and-lower-sodium-inta?lang=de
LNS

Nachrichten zum Thema

13. Februar 2019
Berlin – Ein Defizit bei der ernährungsmedizinischen Ausbildung, aber auch bei der Versorgung in Klinik und Praxis, kritisieren der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM), die Deutsche
Ernährungsmedizinische Gesellschaften und Verbände wollen mit einer Stimme sprechen
13. Februar 2019
Nach dem bariatrischen Eingriff wird die Nahrung vorwiegend im unteren Dünndarm gespalten. Ursache ist die Darmumlagerung. /Larraufie et al Cell Reports Cambridge – Nach einem bariatrischen Eingriff
Wie bariatrische Operationen die Verdauung verändern
12. Februar 2019
Berlin – Bei der heutigen Auftaktsitzung des Begleitgremiums für die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellte die
Deutsche Diabetes-Gesellschaft sagt Teilnahme am Begleitgremium zur Reduktionsstrategie ab
12. Februar 2019
Paris – Menschen, die häufig industriell hergestellte „ultra“-verarbeitete Nahrungsmitteln verzehren, haben ein erhöhtes Sterberisiko. Dies kam in einer prospektiven Beobachtungsstudie heraus, deren
„Ultra“-verarbeitete Nahrungsmittel erhöhen Sterberisiko
8. Februar 2019
Karlsruhe – Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat heute das Institut für Kinderernährung mit einem wissenschaftlichen Symposium in Karlsruhe eröffnet. Aufgabe des neuen
Forschungsinstitut des Bundes für Kinderernährung eröffnet
4. Februar 2019
Heidelberg – In deutschen Restaurants servierte Kindergerichte sind Forschern zufolge überwiegend ungesund. Rund vier von fünf untersuchten Speisen seien aus ernährungswissenschaftlicher Sicht
Wissenschaftler kritisieren Kindergerichte
31. Januar 2019
Düsseldorf – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat im Kampf gegen Übergewicht in der Bevölkerung mit gesetzlichen Maßnahmen gedroht. „Wir werden die Reduktion von Salz, Fett und Zucker in den
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER