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Ärzte und Pflegekräfte bewerten Zusammenarbeit unterschiedlich

Dienstag, 16. Januar 2018

/spotmatikphoto, stockadobecom

Berlin – Pflegekräfte bewerten die Lage der Pflege in Deutschland zumeist anders als andere Akteure des Gesundheitswesens. Das geht aus dem ersten Care-Klima-Index hervor, der von dem Marktforschungsunternehmen Psyma Health & Care durchgeführt und heute in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach empfinden 56 Prozent der 644 befragten professionell Pflegenden den Stellenwert des Pflegeberufs in der Gesellschaft als niedrig. Für den Index wurden unter anderem auch 278 Ärzte, 301 Pflegebedürftige und 29 Vertreter von Kranken­kassen befragt. Von diesen anderen Akteuren des Gesundheitswesens empfinden nur 27 Prozent den Stellenwert der Pflege als niedrig. Ähnlich ist es bei der Frage, ob die Pflege einen niedrigen Stellenwert in der Politik hat: 91 Prozent der Pflegenden bejahen dies. Bei den anderen Befragten sind es 66 Prozent.

Personalausstattung zentrale Herausforderung

Dass die personelle Ausstattung der professionell Pflegenden bei Weitem nicht aus­reicht, meinen 80 Prozent der befragten Pflegekräfte und 72 Prozent der befragten Ärzte. Bei den Krankenkassen waren hingegen nur 45 Prozent dieser Ansicht.

„Die zentrale Herausforderung ist eine deutlich bessere Personalausstattung in allen Versorgungssektoren“, erklärte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR). „Im Ergebnis der Sondierungsgespräche ist der Wille erkennbar, hier zu inves­tieren. Allerdings müssen in möglichen Koalitionsverhandlungen und vor allem in der Regierungsarbeit den Worten rasch entsprechende Taten folgen.“ Eine kurzfristige Lösung des Personalmangels liege dabei in den Teilzeitquoten. Wenn es spürbar mehr Personal gebe, würden auch viele Pflegende ihre wöchentliche Arbeitszeit wieder erhöhen.

47.000 Pflegekräfte mehr durch Pflegereform

Unterschiedlich bewerteten Pflegekräfte und Ärzte im Care-Klima-Index die Qualität ihrer Zusammenarbeit. Demnach sehen 44 Prozent der Ärzte die interdisziplinäre Zusammenarbeit als positiv an. Bei den Pflegenden sind es nur 22 Prozent.

Mit dem Pflegestärkungsgesetz 2 (PSG 2) wurde in der vergangenen Legislaturperiode ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, durch den unter anderem die bisher geltenden drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade umgewandelt wurden. 59 Prozent der professionell Pflegenden sind der Ansicht, dass das PSG  2 keinen Einfluss auf ihren Pflegealltag hat; 19 Prozent meinen gar, es erschwere ihre Arbeit. Bei den Kranken­kassen meinen hingegen nur 35 Prozent, es habe keinen Einfluss, und nur sieben Prozent glauben, dass es die Arbeit der Pflegekräfte erschwere.

Der frühere Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und heutige Gesundheits­minister des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann (CDU), betonte allerdings, dass man dem Gesetz Zeit geben müsse, um seine Wirkung zu entfalten. „Die Erhebung für den Index stammt aus dem September. Dass nach einem Dreivierteljahr das Gesetz noch nicht voll durchgeschlagen hat, ist normal. Gesetze brauchen Zeit, um eine gewisse Wirkung zu erzeugen“, sagte er. Er betonte jedoch zugleich, dass infolge des PSG 2 in Altenheimen heute 47.000 Pflegekräfte mehr arbeiteten als zuvor. In jedem Altenheim in Nordrhein-Westfalen gebe es eine examinierte und eine nicht exami­nierte Pflegekraft mehr als vorher.

Lage der Pflegekräfte unverändert

„Die Pflegestärkungsgesetze zielten vor allem darauf ab, die Leistungen für die Pflegebedürftigen zu erhöhen“, fuhr Laumann fort. „Das führt nicht automatisch dazu, dass es auch den Pflegekräften besser geht.“ Eine wichtige strukturelle Veränderung im PSG 2 sei es jedoch gewesen, dass die Tariflöhne von den Krankenkassen refinanziert werden müssten. „Jetzt sagen alle Parteien, dass wir eine Refinanzierung der Tariflöhne auch in den Krankenhäusern und der häuslichen Krankenpflege umsetzen müssen“, erklärte Laumann. „Wenn dies geschieht, wird das die Verhältnisse strukturell erheblich verändern.“

„Es gab unbestritten eine Reihe von wichtigen Reformen in der letzten Legislatur­periode“, meinte auch Wagner. „Doch die einzelne Altenpflegerin, die einzelne Gesundheits- und Krankenpflegerin hat davon nichts oder fast nichts gespürt.“

Mehr Vollzeitverträge notwendig

Laumann sprach auch mehrere Aspekte an, die sich im Bereich der Pflege aus seiner Sicht verändern müssten. „Es gibt viele Pflegekräfte, die gerne in Vollzeit arbeiten würden“, sagte er. „Angeboten werden ihnen aber nur Teilzeitverträge. Und das in Zeiten eines massiven Personalmangels. Das kann die Politik jedoch nicht verändern.“

Mit dem PSG 2 habe die Politik dem Markt Instrumente in die Hand gegeben, um den Pflegekräften Vollzeitmodelle anbieten zu können. „Wir wollen Gesamtversorgungs­verträge, bei denen Pflegekräfte in Teilen in der Tagespflege und in Teilen im Altenheim arbeiten“, sagte Laumann. Solche Verträge gebe es bislang aber kaum. „Bei wichtigen strukturellen Fragen muss sich die Pflege selber helfen“, betonte der Minister. „Deshalb braucht die Pflege eine klare und vernünftige Interessenvertretung.“

Laumann kündigte an, die Pflegenden in Nordrhein-Westfalen befragen zu wollen, ob sie eine Pflegekammer haben wollen. Wenn ja, werde er sie per Gesetz einführen. „Zur Selbstverwaltung gehören nicht nur Krankenhäuser, Krankenkassen und Ärzte, sondern auch die anderen Professionen im Gesundheitswesen – und zwar auf Augenhöhe.

DPR-Präsident Wagner betonte in diesem Zusammenhang: „Wir müssen über die Rolle der professionellen Pflege in der Versorgung sprechen. Die Aufgabenverteilung zwischen den Berufen muss endlich ohne Tabus diskutiert werden.“

Parteien sind sich in der Pflege einig

„In den vergangen zwei bis drei Jahren ist in der Gesellschaft und der Politik ein Prozess in Gang gekommen, bei dem die Belange der Pflegekräfte wesentlich mehr in den Fokus der gesundheitspolitischen Diskussion gekommen sind als vorher“, erklärte Laumann abschließend. „Und auch bei den beiden Sondierungsgesprächen waren sich alle einig, dass es in der Pflege so nicht weitergehen kann.“ © fos/aerzteblatt.de

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