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Politik

Überdiagnosen bei Screeningprogrammen oft unterschätzt

Dienstag, 16. Januar 2018

heitipaves - stock.adobe.com

Köln – Auf das Problem von Überdiagnosen im Rahmen von Screeningprogrammen hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hingewiesen. „Eine Überdiagnose ist die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne eine Untersuchung nie bemerkbar gemacht und keine Beschwerden ausgelöst hätte“, erläutern die IQWiG-Autoren in in einer neuen Broschüre „Auf den Punkt gebracht: Zahlen und Fakten aus dem IQWiG 2017“.

Grundsätzlich seien bei allen Früherkennungsuntersuchungen Überdiagnosen möglich. Bei Krebs seien sie aber besonders bedeutsam, weil zum einen viele Früherkennungsuntersuchungen angeboten würden. „Zum anderen ist es gerade bei frühen Krebsformen oft unmöglich, verlässlich vorherzusagen, wie sich ein kleiner Krebs weiterentwickelt“, schreiben die IQWiG-Autoren.

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Vor- und Nachteile

Dies dürfe aber nicht den Blick auf die Vorteile des Screenings verdecken. „Wird ein Tumor durch Screening in einem frühen Stadium entdeckt, so kann dies oft auch Vorteile haben. Die Behandlung kann früher beginnen und kann dann womöglich effektiver oder weniger invasiv sein“, heißt es in der Broschüre.

Aber erst in den vergangenen Jahren habe man erkannt, dass oft ein Großteil der durch Screening entdeckten Erkrankungsfälle nie zu Symptomen geführt hätte. „Hier macht die Diagnostik selbst die Menschen krank, denn Überdiagnosen schaden, weil sie psychisch belasten und oft überflüssige Behandlungen nach sich ziehen“, so die Autoren.

Eine Auswertung von internationalen Literaturquellen zum Thema Überdiagnosen und Krebsfrüherkennung – durchgeführt von zwei IQWiG-Wissenschaftlern – kommt laut dem Institut zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Überdiagnosen an allen durch Früherkennung erreichten Krebsdiagnosen nicht verschwindend gering, sondern erheblich ist. Allerdings variierten die in der Literatur gefundenen Schätzungen oft. Bisweilen seien die Berechnungen unsicher oder die betrachteten Früherkennungsprogramme unterschieden sich voneinander, beispielsweise in Bezug auf die gescreenten Altersgruppen.

Dennoch nennt die Broschüre Zahlen: So belaufe sich die Zahl der Überdiagnosen beim Kleinkinder-Test auf ein Neuroblastom (Urintest auf Vanillinmandelsäure) auf 50 bis 90 Prozent, bei der Bestimmung des PSA-Serumspiegels zur Früherkennung des Prostatakarzinoms auf 30 bis 40 Prozent, bei einer Sonografie zur Früherkennung eines Schilddrüsenkarzinoms auf 50 bis 70 Prozent und bei einer Computertomografie von Rauchern zur Früherkennung von Lungenkarzinomen betragen die Überdiagnosen laut der IQWiG-Recherche rund 20 Prozent.

„Beim Abwägen zwischen Vor- und Nachteilen von Screeningmaßnahmen sollten deshalb Überdiagnosen stets auch mitbedacht werden“, folgern die IQWiG-Autoren.

© hil/aerzteblatt.de

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