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Medizin

Diese reproduktiven Faktoren beeinflussen das Herz-Kreis­lauf-Risiko bei Frauen (und Männern?)

Mittwoch, 17. Januar 2018

/Photographee.eu, stockadobecom

Oxford – Frühe Menarche, frühe Menopause oder ein junges Alter bei der Geburt des ersten Kindes gehen bei Frauen mit einem erhöhten Risiko auf Herzinfarkt, Schlag­anfall oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Weitere Risikofaktoren sind nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in Heart (2018; doi: 10.1136/heartjnl-2017-312289) Fehlgeburten, Totgeburten oder eine Hysterektomie. 

Dass reproduktive Faktoren bei Frauen das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflussen, ist bekannt und ein beliebter Gegenstand von prospektiven Beobachtungsstudien. Die Women’s Health Study und die Health Professionals Follow-Up Study wurden bereits befragt. Zuletzt hatte ein Team um Marc Gunter vom Imperial College London in einer Analyse der europäischen EPIC-Studie herausgefunden, dass die Geburt von Kindern das Sterberisiko von Frauen senkt (Hazard Ratio HR 0,80; 95-Prozent-Konfidenz­intervall 0,760,84). Auch Stillen hatte eine vermeintlich protektive Wirkung (HR 0,92; 0,870,97), ebenso (allerdings nur bei Nichtraucherinnen) die Einnahme von oralen Kontrazeptiva (HR 0,90; 0,860,95) oder ein höheres Alter bei der Menarche (HR 0,90; 0,850,96 für ein Alter von 15 oder höher gegenüber einem Alter von unter 12 Jahren).

Eine aktuelle Analyse der UK Biobank bestätigt und ergänzt diese Ergebnisse. An der Studie hatten zwischen 2006 und 2010 mehr als eine halbe Million Männer und Frauen im Alter von 40 bis 69 Jahren teilgenommen. Sie waren an 22 Studienzentren interviewt worden. Inzwischen sind 7 Jahre vergangen und Sanne Peters von der Universität Oxford konnte mit Mark Woodward vom George Institute for Global Health in Sydney die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die bei etwa 9.000 Teilnehmern aufge­treten waren, mit den reproduktiven Angaben in Beziehung setzen.

Zunächst bestätigen die Ergebnisse, dass eine frühe Menarche (vor dem 12. Geburts­tag) mit einem erhöhten Risiko auf ein Herz-Kreislauf-Ereignis verbunden ist (HR 1,10; 1,011,30). Weitere Assoziationen bestanden mit dem Alter bei der ersten Geburt: Ältere Mütter erkrankten demnach seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HR 0,97; 0,960,98 für jedes Altersjahr nach dem 21. Geburtstag). Jede Fehlgeburt (HR 1,14; 1,021,28) und jede Totgeburt (HR 1,33; 1,191,49) erhöhten dagegen das Risiko ebenso wie eine Menopause vor dem 47. Lebensjahr (HR 1,33; 1,191,49).

Eine Hysterektomie erhöhte das Risiko (HR 1,16; 1,06 bis 1,28), vor allem wenn gleich­zeitig eine Oophorektomie durchgeführt wurde (HR 2,30; 1,204,43).

Wie immer in epidemiologischen Studien kann aus der Assoziation nicht unbedingt auf eine Kausalität geschlossen werden. Eine frühe Menarche könnte auch darauf zurück­zuführen sein, dass adipöse Mädchen ihre erste Periode früher bekommen. Hier könnte die Adipositas und nicht die frühe Menarche das Risiko bestimmen. Peters und Wood­­ward glauben, diese Möglichkeit ausschließen zu können, da die Berücksichtigung des Körpergewichts das Risiko kaum veränderte. Allerdings ist nicht sicher, dass das Körpergewicht zum Zeitpunkt der Befragung im Alter von 40 bis 76 Jahren wirklich das Gewicht während der Pubertät widerspiegelt.

In der UK-Biobank-Studie erhöhte (anders als bei der EPIC-Studie) die Zahl der Kinder das Herz-Kreislauf-Risiko. Zweifel sind jedoch angebracht, da dieselbe Assoziation bei den Vätern bestand (was biologisch nicht plausibel ist). Auch andere Assoziationen lassen sich hinterfragen. So könnte eine frühe Menopause oder Fehl- und Totgeburten die Folge einer latenten Atherosklerose sein, die zu Durchblutungsstörungen in den Ovarien und der Plazenta führt. Dies würde die Kausalität umdrehen. Die reproduktiven Faktoren würden das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Sie wären vielmehr eine erste Manifestation der Erkrankung. © rme/aerzteblatt.de

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