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Medizin

Studie: Stillen kann späterem Diabetes der Mutter vorbeugen

Mittwoch, 17. Januar 2018

/Mita Stock Images, stock.adobe.com

Oakland/Kalifornien – Mütter, die ihre Säuglinge 6 Monate oder länger stillen, erkranken einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2018; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.7978) zufolge während des gesamten gebärfähigen Alters nur halb so häufig an einem Typ-2-Diabetes wie Mütter, die ihre Kinder ausschließlich mit Babynahrung füttern. 

Beim Übergang von der Schwangerschaft zum Stillen kommt es zu einer Umstellung des mütterlichen Stoffwechsels. Während der Schwangerschaft sind Glukose und Triglyzeride im Blut der Mutter erhöht, um den Fetus über die Plazenta ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Ermöglicht wird dies unter anderem durch eine Insulin­resistenz. Sie verhindert, dass der Blutzucker vorzeitig in den Depots verschwindet.

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Nach der Geburt ändern sich die Vorzeichen. Wenn die Mütter stillen, muss die Brust­drüse ausreichend mit Energieträgern versorgt werden. Die laktierenden Brustdrüsen benötigen etwa 50 Gramm Glukose pro Tag. Die Blutkonzentration von Glukose und Triglyzeriden sinkt dadurch. Die schnellere Normalisierung des ursprünglichen Körpergewichts scheint sich ebenfalls günstig auf den späteren Stoffwechsel auszuwirken. Hinzu kommt, dass Prolactin offenbar die Proliferation von Betazellen im Pankreas fördert. All dies könnte der Mutter auch über das Ende der Laktationsphase hinaus einen gesundheitlichen Vorteil verschaffen. 

Eine Analyse der US-amerikanischen CARDIA-Studie („Coronary Artery Risk Develop­ment in Young Adults“) scheint dies nun zu bestätigen. Die Studie begleitet seit 1985/86 die Gruppe von 5.115 Erwachsenen, die damals zwischen 18 und 30 Jahre alt waren. Die Studie hatte ursprünglich das Ziel, die Gründe für das erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko von Afroamerikanern in US-Großstädten zu finden. Die Hälfte der Teilnehmer, die in 4 Großstädten rekrutiert wurden, war deshalb schwarz.

Unter den Studienteilnehmern waren auch 1.238 Frauen, die zu Beginn der Studie nicht an Diabetes litten. In dieser Gruppe ist es in den folgenden 25 Jahren zu 182 Neuerkrankungen am Typ-2-Diabetes gekommen. Dies ergibt eine Inzidenz von 6,6 Erkrankungen auf 1.000 Personenjahre.

Zunächst fiel Erica Gunderson von Forschungsinstitut des Krankenversicherers Kaiser Permanente in Oakland auf, dass viele Frauen, die später am Typ-2-Diabetes erkrankten, während der Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes entwickelt hatten. Dieses Risiko war bekannt. Bekannt war auch, dass Afroamerikanerinnen fast 3-fach häufiger an einen Typ-2-Diabetes erkranken (Inzidenz 9,9 versus 3,5 pro 1.000 Personenjahre). 

Die Dauer des Stillens hatte in allen Gruppen eine protektive Wirkung. Frauen, die ihre Kinder 12 Monate oder länger gestillt hatten, erkrankten später zu 71 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes (relative Gefahr RH 0,29; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,17–0,49). Dieser Vorteil kam jedoch nicht nur durch das Stillen zustande, da stillende Mütter auch in anderen Beziehungen gesünder waren: Sie waren während der Schwangerschaft seltener an einem Gestationsdiabetes erkrankt, ernährten sich gesünder, waren schlanker und körperlich fitter. 

Doch auch nach Berücksichtigung dieser Faktoren blieb eine Schutzwirkung durch das Stillen bestehen: Die adjustierte RH betrug 0,75 (0,51–1,09) für Mütter, die bis zu 6 Monate gestillt hatten. Diese Frauen erkrankten demnach später zu 25 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes. Bei einer Stilldauer von 6 bis 12 Monaten betrug die RH 0,52 (0,31–0,87) bei einer Stilldauer von mehr als 12 Monaten betrug die RH 0,53 (0,29–0,98). Diese beiden Gruppen Frauen erkrankten demnach zu 48 beziehungsweise 47 Prozent seltener an einem Typ-2-Diabetes.

Zu den Stärken der Studie gehört die lange Nachbeobachtungszeit, die mittlerweile die gesamte reproduktive Lebenszeit umfasst. Die Frauen wurden während dieser Zeit alle 5 Jahre auf einen Diabetes gescreent. Zu den Schwächen der Studie gehört, dass die Dauer des Stillens nachträglich erfragt wurde, was leicht zu fehlerhaften Angaben führt. Es lässt sich auch nicht ausschließen, dass weitere Aspekte einer gesunden Lebensführung von Frauen, die nicht in der Studie erfasst wurden, für den Diabetes­schutz verantwortlich sind. © rme/aerzteblatt.de

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