NewsMedizinHerzbericht: Nicht bei allen Herzerkrankungen steigt die Sterblichkeit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Herzbericht: Nicht bei allen Herzerkrankungen steigt die Sterblichkeit

Mittwoch, 17. Januar 2018

/Kirsty Pargeter, stock.adobe.com

Berlin – Nicht alle Trends der vergangenen Jahre setzten sich bei der Herzgesundheit der Bevölkerung in Deutschland fort. Trotz einer immer besseren Versorgung nahmen Morbidität und Mortalität mit wenigen Ausnahmen bei den meisten Herzerkrankungen im Jahr 2015 leicht zu, heißt es im Deutschen Herzbericht 2017, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Ein Grund dafür ist nach Meinung der Herzspezialisten die begrenzte Prävention bei den Erwachsenen.

Noch im letzten Jahr kam der Deutsche Herzbericht zu dem Schluss, dass die Summe der Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen in Deutschland abgenommen habe. Dieses Jahr berichten die Fachgesellschaften wieder von einem leichten Anstieg bei den absoluten Zahlen (2014: 207.976 Todesfälle versus 2015: 221.511) wie auch der Zahlen pro 1.000 Einwohner.

Anzeige

Deutscher Herzbericht 2016: Nachholbedarf im internationalen Vergleich

Berlin – In der Summe hat die Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen in Deutschland abgenommen, lautet das positive Fazit des Deutschen Herzberichts, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Gleichzeitig steigen die stationären Aufnahmen aufgrund von Neuerkrankungen. Dennoch: Im europäischen Vergleich steht die Bundesrepublik trotz bester Therapiemöglichkeiten bei der Mortalität nur im (...)

Unverändert blieb 2015 die Morbidität des akuten Herzinfarkts und der ischämischen Herzkrankheit gegenüber den Vorjahren. Hingegen nahmen die Häufigkeit der Herz­klappenerkrankungen (4,2 Prozent), angeborener Herzfehler (3 Prozent), von Herzrhyth­mus­störungen (2,6 Prozent) und Herzinsuffizienz (2,5 Prozent) leicht zu. Insbesondere die Herzinsuffizienz erfordere Aufmerksamkeit, sagte Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Sie zählt zu den häufigsten Anlässen für einen Kranken­haus­aufenthalt in Deutschland mit mehr als 455.000 vollstationären Fällen pro Jahr.

Sterblichkeit beim Herzinfarkt rückläufig

Bei der Sterblichkeit gab es gute Nachrichten für den akuten Herzinfarkt, der wie erwartet zurückgegangen sei, berichtete Meinertz. „Dieser beeindruckende Rückgang um gute sieben Prozent hat sicherlich mit der besseren Rettungskette und besseren Abläufen in der Klinik zu tun, aber auch mit der immer häufigeren Koronarintervention, die für eine Menge Diskussion sorgt“, erklärte Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, den Rückgang und verwies auf die ORBITA- und COURAGE-Studie, die Vor-und Nachteile von Stents erörtern.

In der Diagnostik und Therapie sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir eine dramatische Senkung der Mortalität nicht mehr erwarten können. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung

Bei den anderen Krankheiten gab es allerdings im gleichen Zeitraum eine Zunahme. Mit mehr als 5 Prozent haben vor allem Herzklappenerkrankungen und Herz­rhythmusstörungen (6,6 Prozent) mehr Todesfälle verursacht als noch im Vorjahr. „In der Diagnostik und Therapie sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir eine dramatische Senkung der Mortalität nicht mehr erwarten können“, sagte Meinertz und definierte das eigentliche Defizit: Was fehlt, sei die Prävention im Kindes- und Jugend­alter, wofür die Politik zuständig sei.

Auch Sven Dittrich von der Kinder- und Jugendklinik in Erlangen erklärte, dass ein Therapieoptimum bei angeborenen Herzfehlern erreicht ist: „Seit ungefähr zehn Jahren haben wir eine extrem niedrige Sterbeziffer. Weitere Fortschritte sind kaum noch zu erreichen.“

Altersstandardisierte Daten als methodische Neuerung

Erstmals haben die Statistiker eine ausführliche Altersstandardisierung vorgenommen, die sich unter anderem auf den Vergleich der Bundesländer ausgewirkt hat. Unabhän­gig von der Alterszusammensetzung der Bevölkerung führt Sachsen-Anhalt die Sterbeziffer aufgrund von Herzerkrankungen weiterhin an. Mit Abstand die größte Lücke klafft, wie auch schon im Vorjahr, zwischen den Ländern Berlin, dessen Sterbe­ziffer 24,2 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liegt, und Sachsen-Anhalt, das 28,5 Prozent darüber liegt. © gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

9. Juli 2019
Kopenhagen – Ein Entwurf der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) mit Er­näh­rungs­emp­feh­lung­en rät, wenige gesättigte Fettsäuren zu essen und sie durch ungesättigte Fettsäuren zu ersetzen. Laut
Zweifel an Empfehlungen zur Reduktion gesättigter Fettsäuren
28. Juni 2019
Düsseldorf – Bei der Versorgung von Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkope sieht die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK) eine dramatische
Patienten mit Herzrhythmusstörungen und Synkope unzureichend versorgt
24. Juni 2019
London – Bei Patienten mit stabiler Angina aber einem erhöhten Herzinfarktrisiko kann eine Perfusionsanalyse mit der Magnetresonanztomografie (MRT) eine behandlungsbedürftige Koronarstenose genauso
Stabile Angina: MRT kann Herzkatheter in der Diagnose ersetzen
21. Juni 2019
New York – Die Koronare Herzkrankheit, die lange allein auf einen ungesunden Lebensstil mit kardiometabolischen Risikofaktoren zurückgeführt wurde, hat auch eine genetische Komponente. Darauf sind
Koronare Herzkrankheit hat häufig genetische Ursachen
20. Juni 2019
Berlin – Kinder mit angeborenem Herzfehler bewältigen ihre Schullaufbahn meist gut. Knapp mehr als 83 Prozent von ihnen besuchen eine normale Grundschule. Dabei starten mehr als 73 Prozent mit sechs
Kinder mit angeborenen Herzfehlern kommen in der Schule meist gut zurecht
12. Juni 2019
Hamilton/Ontario – Wöchentliche Injektionen des GLP-1-Rezeptor-Agonisten Dulaglutid haben in einer randomisierten Studie die Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Patienten mit Typ-2-Diabetes gesenkt
Typ-2-Diabetes: Dulaglutid senkt Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhält Nierenfunktion
7. Juni 2019
Phoenix/Arizona – Eine strenge Blutzuckereinstellung allein kann Patienten mit Typ-2-Diabetes über das Ende der Behandlung hinaus nicht vor künftigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Dies kam in
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER