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Wenig Studien zum Nutzen neuer Hepatitis-C-Therapie bei Jugendlichen

Mittwoch, 17. Januar 2018

/adiruch na chiangmai, stock.adobe.com

Köln/Berlin – Jugendliche mit einer vorbehandelten Hepatitis-C-Infektion des Genotyps 2 oder 3 könnten von einer Kombinationstherapie aus dem NS5B-Inhibitor Sofosbuvir und dem Virostatikum Ribavirin profitieren. Bei einer Nutzenbewertung hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) der Therapie jetzt einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen attestiert. Für therapienaive Jugendliche sieht das Institut einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt an.

Häufigkeit und Kosten der Therapie

Der pharmazeutische Hersteller überschlägt in seinem Dossier die Häufigkeit, mit der die Therapie bei Jugendlichen zum Einsatz kommen könnte. Er kommt dabei auf rund 1.063 Patienten pro Jahr. Die größte Gruppe machen die therapienaiven Patienten mit einer chronischen Hepatitis des Genotyps 2 aus (849 Patienten). Laut IQWiG sind diese Zahlen plausibel.

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Die Kosten belaufen sich pro Patient und Jahr für Sofosbuvir plus Ribavirin auf rund 49.000 bis rund 99.000 Euro. Die hohe Differenz ergibt sich aus der unterschiedlichen Therapiedauer bei Genotyp 2 und Genotyp 3. Auf der anderen Seite stehen die Kosten für die zweckmäßige Vergleichstherapie. Deren Kosten sind laut Dossier bei vorbehan­delten Patienten mit einer „best supportive care“ patientenindividuell sehr verschieden und daher nicht abzuschätzen. Für therapienaive Patienten liegen sie zwischen 6.339 und 10.679 Euro pro Patient und Jahr.  

Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) muss nun über den Zusatznutzen der neuen Kombinationsbehandlung Sofosbuvir plus Ribavirin für Jugendliche entscheiden – und damit auch über die Kostenübernahme durch die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung.

Nutzenbewertung

Das IQWiG hatte im Auftrag des G-BA im Rahmen einer frühen Nutzenbewertung geprüft, ob Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren mit einer Hepatitis C von der Therapie mit Sofosbuvir plus Ribavirin profitieren. Sofosbuvir ist für Jugendliche nur in Kombination mit anderen Arzneimitteln zugelassen. Der pharmazeutische Hersteller empfiehlt in der Fachinformation von Sofosbuvir Behandlungsregime und -dauer ausschließlich für die Kombination mit Ribavirin.

Sämtliche Aussagen zur Bewertung des Zusatznutzens beziehen sich daher auf diese Kombination. Das IQWiG konnte aus dem Herstellerdossier Daten aus einer laufenden Studie namens „1112“ einbeziehen. Abhängig vom Genotyp waren unterschiedliche Therapiedauern vorgesehen: Jugendliche mit Genotyp 2 erhielten die Medikamenten­kombination über zwölf Wochen und Jugendliche mit dem Genotyp 3 über 24 Wochen.

Die zweckmäßige Vergleichstherapie

Die vom G-BA festgelegte zweckmäßige Vergleichstherapie unterscheidet sich je nachdem, ob die Patienten therapienaiv oder bereits vorbehandelt waren. Für die vorbehandelten Patienten legte der G-BA in Übereinstimmung mit dem pharma­zeutischen Unternehmer „best supportive care“ als zweckmäßige Vergleichstherapie vor. Für therapienaive Jugendlich ist die Vergleichstherapie eine Kombination aus Ribavirin und Peginterferon alfa.

Vorbehandelte Jugendliche

Vorbehandelte Patienten mit einer Hepatits des Genotyps 2 wurden in die Studie nicht eingeschlossen. Neun vorbehandelte Patienten mit einer Hepatits des Genotyps 3 sind im Augenblick in der Studie. Die IQWiG-Autoren attestieren hier einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen von Sofosbuvir plus Ribavirin gegenüber  einer „best supportive care“. Dieser Zusatznutzen bezieht sich ausschließlich auf Jugendliche ohne Zirrhose. Patienten mit einer bestätigten Diagnose der Zirrhose wurden in der eingeschlossenen Studie 1112 nicht untersucht.

Therapienaive Jugendliche

Die pharmazeutischen Unternehmen legte für den Vergleich von Sofosbuvir plus Ribavirin gegenüber Ribavirin plus Peginterferon alfa laut IQWiG keine systematisch recherchierten Daten vor. Allerdings erreichen mehr als  90 Prozent der Jugendlichen laut S3-Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesell­schaften mit einer chronischen Hepatitis des Genotyps 2 oder 3 ein „anhaltendes viro­logisches Ansprechen“ (SVR). Dies ist ein Marker für die Ausheilung einer Hepatitis C.

Es sei somit nicht unplausibel, dass unter Ribavirin plus Peginterferon alfa vergleichbar hohe SVR erreicht werden könnten wie unter Sofosbuvir plus Ribavirin in der Studie 1112 beobachtet, schreibt das IQWiG. Daher sei nicht per se von einem relevanten Vorteil der neuen Therapie auszugehen. Auch für die Bewertung des Schadens­poten­zials lege der Hersteller keine geeigneten Daten für einen Vergleich vor. „Zusatznutzen nicht belegt“, lautet daher das Fazit der IQWiG-Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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