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Ärzteschaft

Vertragsärzte sprechen sich für Revitalisierung des Belegarztwesens in der Onkologie aus

Mittwoch, 17. Januar 2018

/Rido, stock.adobe.com

Berlin – Für eine sektorenübergreifende Versorgung von Krebspatienten aus einer Hand haben sich heute in Berlin die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) sowie der Bundesverband der Belegärzte (BdB) ausgesprochen.

Die Organisationen präsentierten vor Journalisten einen entsprechenden Versorgungs­vertrag, in dessen Zentrum der Belegarzt steht. Danach übernimmt ein Netzwerk aus mindestens drei niedergelassenen Onkologen die Betreuung krebskranker Patienten sowohl ambulant als auch bei notwendigen stationären Aufenthalten. Vor allem angesichts der hohen somatischen und emotionalen Belastung betroffener Patienten und naher Angehöriger sei die kontinuierliche Versorgung durch eine Vertrauensperson wichtig, erklärte BNHO-Vorstand Wolfgang Knauf. Belegärzte sicherten hier eine Therapie ohne Versorgungsbrüche.

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Zum Kompetenznetzwerk, wie es die Vereinbarung der Ärzteverbände vorsieht, gehören neben den mindestens drei Onkologen eine onkologisch qualifizierte medizinische Fachangestellte mit Berufserfahrung, ein Case Manager, der die sektorenübergreifende Behandlung koordiniert, sowie die Zusammenarbeit mit weiteren unterstützenden Angeboten wie ambulanten Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen oder Psychoonko­logen. Außerdem legt die Vereinbarung Qualitätsstandards zum kollegialen Austausch und zur Fortbildung sowie zu speziellen Behandlungspfaden und zur elektronischen Dokumentation fest, damit Informationen nicht verloren gehen.

Versorgung aus einer Hand

„Mit diesem Konzept haben wir einen konkreten Vorschlag entwickelt, wie Versorgung aus einer Hand unabhängig von den Sektorengrenzen funktionieren kann“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen. Das Ganze sei zudem keine Einbahnstraße im Sinne einer Öffnung der ambulanten Versorgung für die Krankenhäuser, sondern müsse auch als Öffnung der Kliniken für die Vertragsärzte verstanden werden. Sowohl die Patientenversorgung als auch die fachärztliche Weiterbildung fänden vermehrt in den Praxen niedergelassener Ärzte statt.

„Dem hat sich die Versorgungsstruktur noch nicht angepasst“, kritisierte Gassen. Nach wie vor herrsche in Deutschland eine überbordende Krankenhausdichte. Um die Versorgung aber auch in strukturschwachen Regionen aufrechtzuerhalten, dürfe es nicht nur um bloßen Bettenabbau gehen. Ehemals stationäre Standorte müssten für vertragsärztliche Angebote umgewidmet werden. „Belegärzte sind dafür ideal“, meinte der KBV-Chef. Das Ziel der KBV sei es deshalb, das Belegarztwesen zu revitalisieren. Das habe auch Eingang in das Zukunfts­konzept „KBV 2020“ gefunden.

BdB-Vorstand Andreas Schneider bedauerte es, dass das Belegarztwesen in den vergangenen Jahren durch gesetzliche Maßnahmen zur Überwindung der Sektoren­grenzen wie zum Beispiel der Integrierten Versorgung gelitten habe. Zwar gebe es nach wie vor rund 5.000 Belegärztinnen und -ärzte in Deutschland, vor allem aus den Bereichen Orthopädie, HNO, Gynäkologie und Urologie. Es sei aber an der Zeit, sich bei der sektorenübergreifenden Versorgung auf vorhandene Strukturen zu besinnen, statt beispielsweise im Rahmen des Innovationsfonds Millionenbeträge in neue Versor­gungs­­formen zu stecken.

„Unser Vertrag ist wirklich intersektoral“, betonte Schneider. Er räumte jedoch auch ein, dass der Belegarzt alter Prägung keine Zukunft habe. „Der einzelne Belegarzt hat keine Überlebenschance“, sagte er. „Es muss ein Team geben, das seine Dienste aufteilt und miteinander kooperiert.“ Dieser Arbeitsansatz komme auch den Forderungen der nachrückenden Ärztegeneration nach mehr Teamarbeit entgegen.

Jetzt muss man mit den Krankenkassen verhandeln

Nach Ansicht von KBV-Vorstand Stephan Hofmeister kann das onkologische Vertrags­konzept als Blaupause für andere Versorgungsbereiche dienen. Auch Hausärzte würden in Zukunft eine immer stärkere Rolle in der belegärztlichen Versorgung spielen. Über die Umsetzung des Papiers müsse man jetzt mit den Krankenkassen verhandeln. Denn die belegärztlichen Leistungen der Vertragsärzte müssten zusätzlich finanziert werden. „Das Geld ist da“, sagte Hofmeister mit Blick auf die Überkapazitäten im Krankenhaus­bereich. „Wir könnten in diesem Jahr noch loslegen.“ © HK/aerzteblatt.de

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