NewsAuslandSonderauschuss im EU-Parlament untersucht Hintergründe der Glyphosatzulassung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Sonderauschuss im EU-Parlament untersucht Hintergründe der Glyphosatzulassung

Donnerstag, 18. Januar 2018

/farbkombinat, stock.adobe.com

Straßburg – Im EU-Parlament soll sich ein Sonderausschuss mit der Zulassung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat beschäftigen. Der Ausschuss soll daneben generell prüfen, wie Pestizide in der EU zugelassen werden und wo möglicherweise Fehler bei der wissenschaftlichen Bewertung der Stoffe drohen, wie das Parlament heute mitteilte.

Der Ausschuss mit 30 Abgeordneten soll demnach neun Monate lang arbeiten, mit Option auf Verlängerung. Zuvor müssen die Abgeordneten dem Vorhaben im Februar zustimmen. Der Sonderausschuss aus 30 Abgeordneten wird nach Angaben eines Sprechers voraussichtlich im März die Arbeit aufnehmen.

Anzeige

Einflussnahme der Industrie prüfen

„Der Sonderausschuss muss die europäischen Agenturen für Lebensmittelsicherheit und Chemikalien genau unter die Lupe nehmen“, sagte Ska Keller, Fraktionsvorsitzende der europäischen Grünen. Geprüft werden soll unter anderem die „Qualität von Studien“, auf die sich die Experten aus den Mitgliedsstaaten sowie die EU-Agenturen für Lebensmittel und Chemikalien stützen.

Ferner soll der Ausschuss etwaige Einflussnahme der Industrie auf das Zulassungs­verfahren prüfen. Auch mögliche Interessenkonflikte sollen unter die Lupe genommen werden. Dabei geht es nicht zuletzt um Berichte, nach denen der Glyphosat-Hersteller Monsanto massiven Einfluss auf Studien über die Auswirkungen des Herbizids auf die menschliche Gesundheit genommen haben soll.

Der Ausschuss werde dem „Monsanto-Skandal auf den Grund gehen“, kündigte die belgische Sozialdemokratin Kathleen Van Brempt an. Es müsse genau untersucht werden, inwieweit „wissenschaftliche Standards oder Interessen der Agrarkonzerne die Entscheidung der Verantwortlichen lenken“, sagte Keller.

Das in den 1970er-Jahren vom US-Konzern Monsanto entwickelte Glyphosat ist eines der weltweit meistverkauften Herbizide. Kritiker warnen vor einem möglichen Krebs­risiko. Sie verweisen auf einen Bericht der zur Welt­gesund­heits­organi­sation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), nach dem Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ ist.

Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU kamen hingegen zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen ausgeht. Ende November hatten die EU-Staaten nach langem Streit beschlossen, die Zulassung für Glyphosat um fünf Jahre zu verlängern. Über das Ja des deutschen Agrarministers Christian Schmidt (CSU) hatte es in der Bundesregierung heftigen Streit gegeben. © afp/dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. August 2020
Leverkusen – Die Coronapandemie hinterlässt bei Bayer Spuren: Auch wegen der Belastungen in der Pharmasparte durch verschobene Behandlungen blickt der Agrarchemie- und Pharmakonzern vorsichtiger auf
Bayer senkt Ausblick: Milliardenverlust wegen Glyphosat
21. Juli 2020
San Francisco – Ein Berufungsgericht in den USA hat die Strafe für den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer in einem Verfahren um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat deutlich
US-Berufungsgericht senkt Strafe für Bayer in Glyphosat-Urteil
8. Juli 2020
Leverkusen/San Francisco – Bayers milliardenschwerer Vergleich zur Beilegung von US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat steht wieder auf der Kippe.
US-Glyphosat-Vergleich: Bayer zieht Antrag auf Zustimmung zurück
7. Juli 2020
San Francisco – Bayer steht beim milliardenschweren Vergleich zur Beilegung von US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat vor einer neuen Hürde. Ein
Bayers Glyphosatvergleich in den USA wackelt
25. Juni 2020
Leverkusen – Mit einem milliardenschweren Vergleich will Bayer einen Großteil seiner juristischen Probleme in den USA hinter sich lassen. Insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro werde man sich die
Milliardenvergleich: Bayer kündigt Einigung bei Glyphosatklagen an
2. Juni 2020
San Francisco – Zahlreiche US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat haben Bayer in eine schwere Krise gebracht. Der Leverkusener Agrarchemie- und
Erstes US-Glyphosat-Urteil gegen Bayer wird in Berufung verhandelt
31. März 2020
Kansas City – Bayer hat sich mit US-Sammelklägern auf einen Vergleich im Rechtsstreit um angeblich irreführende Vermarktung von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat geeinigt.
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER