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Gemeinsamer Bundes­aus­schuss beauftragt Studie für Liposuktion bei Lipödem

Donnerstag, 18. Januar 2018

/dpa

Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat heute die Eckpunkte für eine Studie zur Erprobung der Fettabsaugung bei Lipödem beschlossen. Mit den Ergeb­nissen der Studie sollen die Erkenntnisse über die Vor- und Nachteile der Liposuktion gegenüber konservativen Behandlungsmethoden gewonnen werden, heißt es vom G-BA.

Das Gremium hatte im Juli 2017 bereits über die Behandlungsmethode diskutiert und festgestellt, dass mit der Methode keine ausreichende Evidenz für einen Nutzenbeleg vorliegt. Dieser Beschluss war gegen die Meinung der Patientenvertreter gefasst worden, die das Thema bereits 2014 auf die Agenda der Selbstverwaltung gesetzt hat.

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Da aber beim damaligen Beschluss ein „Potenzial einer erforderlichen Behandlungs­alternative“ festgestellt wurde, konnte nun eine Erprobungsstudie in Auftrag gegeben werden. Ist das Ergebnis positiv, könnte es doch eine Entscheidung geben, ob die Operation künftig von den Krankenkassen bezahlt werden muss.

Die Studie wird der G-BA nun „bei einer unabhängigen wissenschaftlichen Institution“ in Auftrag geben, hieß es. „Der G BA ist international die erste Einrichtung, die eine multizentrische, randomisierte und kontrollierte Studie zur Liposuktion bei Lipödem auf den Weg bringt“, erklärte Harald Deisler, unparteiisches G-BA-Mitglied und Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses Methodenbewertung, in einer Mitteilung im Anschluss an die Plenumssitzung.

Dort diskutierten Vertreter der Patienten sowie der Krankenkassen neben grundsätz­lichen Fragen zur Liposuktion kontrovers auch die Entwicklung der Situation bei betroffenen Patientinnen seit dem Beschluss des G-BA vom Juli 2017. Vor allem das Studiendesign stand in der Kritik der Patientenvertreter.

Laut dem Beschluss soll die Studie als randomisierte, kontrollierte Studie konzipiert und durchgeführt werden. Studienteilnehmerinnen werden nach Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt und entweder mit der Liposuktion oder mit der konservativen Methode behandelt werden. Nach zwölf Monaten sollen Ergebnisse erhoben werden, die Teilnehmerinnen werden zusätzlich 24 Monate nachbeobachtet.

Diese Zeit hält die Patientenvertretung als zu lang an und verlangten, dass vor allem die Ergebnisse aus der Nachbeobachtung deutlich früher geliefert werden müssten, sagte Patientensprecher Martin Danner. Ebenso berichteten die Pateintenvertreter über „eine drastische Verschlechterung der Situation der Patientinnen“ seit der Beschluss­fassung von 2017, da Krankenkassen inzwischen den Antrag auf Fettabsaugung ohne Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ablehnten.

Aus medizinischer Sicht benötige man allerdings die Zeit der Beobachtung, verteidigten sich Vertreter des GKV-Spitzenverbandes. „Wir brauchen die Daten, aber wir können ja keine Zwischenergebnisse veröffentlichen“, sagte Bernhard Egerer, Leiter der Abteilung Medizin beim GKV-Spitzenverband.

Nach längerer Diskussion und auch Intervention der Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung einigte sich das Gremium darauf, in einer Protokollnotiz festzuhalten, dass die noch zu beauftragende wissenschaftliche Institution gebeten wird, bei belastbaren Daten eine frühere Zwischenveröffentlichung vorzunehmen. Dies solle in die Verträge mit dem Institut aufgenommen werden. Laut G-BA-Beschluss soll es mehrere Studienzentren geben.

Bis zum Beginn der Studie wird aber weitere Zeit ins Land gehen. Der G-BA weist in seiner Pressemitteilung darauf hin, dass nach Inkrafttreten der Richtlinie „noch zahlreiche Vorarbeiten erforderlich“ seien. Dazu gehörten verschiedene Genehmi­gungen sowie die Erarbeitung eines Studienprotokolls. Auch werde das Auswahl­verfahren der wissenschaftlichen Institution etwa zehn Monate dauern, so der G-BA.

Daher sei davon auszugehen, dass frühestens ab Mitte des Jahres 2020 Patientinnen zur Studienteilnahme gesucht werden. Setzt man eine Studiendauer von etwa 36 Monaten voraus, könnte der G-BA frühestens 2024 über eine GKV-Kostenerstattung der Fettabsaugung bei Lipödem entscheiden. © bee/aerzteblatt.de

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