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Politik

Recherche zeigt Verzerrungen beim Arztbewertungsportal Jameda

Donnerstag, 18. Januar 2018

Hamburg – Beim Arztbewertungsportal Jameda schneiden Mediziner, die für ihr Profil bezahlen, besser ab. Das berichten Journalisten der Wochenzeitung Die Zeit nach einer eigenen Recherche. Sie haben die Profile von rund 6.500 Ärzten zusammengetragen. 3.770 von ihnen waren von Patienten benotet worden.

Die Durchschnitts-Bewertungsnote der Ärzte, die Jameda Geld bezahlen, lautet in die Stichprobe „1,2“, jene der Nichtzahler lediglich 1,7. „Das klingt nicht dramatisch. Aber weil Patienten überwiegend Einser-Noten verteilen, sind Einser-Schnitte auf Jameda üblich“, schreiben die Autoren. Mit einer 1,7 lande ein Arzt im hinteren Mittelfeld. „Und jeder vierte nicht zahlende Arzt hat sogar eine Durch­schnittsnote zwischen Zwei und Vier, während kaum ein zahlender Arzt unter Zwei landet“, so die Autoren. Für das Premium-Paket bezahlen Ärzte monatlich zwischen 59 und 139 Euro Euro. Dazu gehört auch ein Profilbild.

Die Journalisten werfen dem Portal nicht vor, die Bewertungen bewusst zu verändern, sie vermuten vielmehr, dass für die Verzerrung Zusatzfunktionen verantwortlich sind, die im Paket für die zahlenden Ärzte enthalten sind, zum Beispiel das Profilfoto und andere Angebote. Diese führten dazu, dass die zahlenden Ärzte im Portal häufiger aufgerufen und besser bewertet würden, so die These der Journalisten.

Außerdem sei der Sinn einer Gesamtnote zweifelhaft, „die sich so berechnet, dass ein Arzt, der sich Zeit nimmt und freundlich ist, aber eine falsche Diagnose ausstellt, eine bessere Note erhält als einer, der einen medizinisch perfekt, aber kurz angebunden und mürrisch behandelt. Doch genau dieser Maßstab steht hinter den Noten“, schreiben die Zeit-Autoren.

Jameda betont dagegen, Arztbewertungen würden „einen ganz entschei­denden Beitrag zu mehr Transparenz leisten, da die Qualität von Medizinern ansonsten eine Art Black Box für Patienten wäre“.

Jameda ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Arztempfehlungsportal. Sechs Milli­onen Patienten suchen jeden Monat auf dem Portal nach Ärzten. Zudem können Pa­tien­ten ihre Arzttermine über die Online-Terminbuchungsfunktion direkt auf Jameda buchen. Ärzte haben außerdem die Möglichkeit, ihre Praxis auf dem Portal vorzustellen und über ihr Leistungsspektrum zu informieren. Jameda ist eine 100-prozentige Tochter von Burda Digital. © hil/aerzteblatt.de

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Practicus
am Samstag, 20. Januar 2018, 23:36

Ich bezahle NICHT für Jameda

habe aber trotzdem nur Spitzenbewertungen. Man muss schon sehr ungeschickt mit Patienten umgehen, um eine schlechte Bewertung zu erhalten. Es ist ohnehin sehr selten, dass überhaupt eine Bewertung abgegeben wird - ein Dutzend in 5 Jahren ist nicht eben viel, und bei den meisten Ärzten finden sich gar keine Bewertungen!
Dr. Peter Gorenflos
am Samstag, 20. Januar 2018, 18:05

zum Kommentar von "Narkoleptiker": Aus der Sicht das Patienten. Warum ist jameda "suboptimal"

Der Kommentar von "Narkoleptiker" ist gut gemeint, aber er trifft den Punkt nicht. jameda ist aus zwei Gründen "suboptimal". 1) wird hier ein Werbeportal mit einem Bewertungsportal verknüpft. Es wäre viel besser von einem "Kombi-Portal" als von einem Bewertungsportal zu sprechen. 2) gibt es bei jameda zahlende Kundschaft und nicht zahlende Zwangsteilnehmer. Diese Mischung ist extrem giftig und gefährlich, denn was jeder, der rechnen kann, erwartet, das geschieht hier auch und wurde im ZEIT-Artikel von Tin Fischer bestätigt, läßt sich auch durch beliebige Stichproben bestätigen. Ärzte, die sich bei jameda einkaufen, haben die bessern Bewertungsdurchschnitte, entgehen durch eine Art von "Schutzgeld" in aller Regel schlechten Bewertungen und übervorteilen damit nicht zahlende Zwangsteilnehmer. Für dieses Problem gibt es nur zwei Lösungen. 1) Bewertungsportale sollten per Gesetz von Werbeportalen getrennt werden. 2) Eine Zwangsteilnahme an einem Portal bei dem es zahlende Teilnehmer gibt muss verboten werden.
Das BGH-Urteil von 2014 hat - ungewollt, denn ich möchte keine Beihilfe unterstellen - jameda eine Art Lizenz zum unlauterem Wettbewerb erteilt und hat jetzt in dem neu anstehenden Verfahren die Möglichkeit, diesen Fehler zu korrigieren, kann der Dermatologin aus Köln und allen Ärzten/Zahnärzten die Möglichkeit geben, aus einem Kombi-Portal wie jameda auszusteigen und damit unlauterem Wettbewerb zu entgehen. Erst wenn in echten Bewertungsportalen gleiche Spielregeln für alle herrschen und Kombi-Portale verboten sind, welche zur Korrumpierung und Täuschung führen, erst dann kann Objektivität, Fairness und Wettbewerb einkehren, und dann kann man sich auch über die Berechtigung von Anonymität unterhalten, die Feigheit und Intrige Vorschub leistet. Beides, die Beseitigung von Kombi-Portalen wie jameda und die Beseitigung der Anonymität bei echten Bewertungsportalen sind Voraussetzung dafür, dass alle - Ärzte und Patienten - davon profitieren können. Bisher wurde immer nur um den heißen Brei herumgeredet.
Ich möchte darauf hinweisen, dass durch unlauteren Wettbewerb, wie er zwangsläufig und nachweisbar durch Kombi-Portale wie jameda entstehen muss, erheblicher Schaden bei den Zwangsteilnehmern entsteht, die auf Kosten zahlender Kunden übervorteilt werden. In 10 Jahren jameda könnte das gut und gerne ein Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe sein. Die betroffenen Ärzte sollten zusammen mit den Kammern über eine Sammelklage in den USA (denn jameda gehört zur Burda-Gruppe, die auch in den USA aktiv ist, mit der Huffington Post kooperiert) diesen Verlust einklagen.
Und der BGH sollte 2018 endlich rechtmäßige Verhältnisse wiederherstellen, denn das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein, in dem unter dem lächerlichen Vorwand fortschrittlicher Digitalisierung, unlauterer Wettbewerb zum Geschäftsmodell werden darf. In einer WDR-Sendung von November 2017 konnten beliebige Bürger in der Kölner Einkaufspassage einem bayerischen Augenarzt, den sie nie gesehen hatten, beliebig gute oder schlechte Bewertungen erteilen, die glatt in dessen Profil auftauchten, soviel zur verlogenen Echtheit der jameda-Bewertungen.
Das Antikorruptionsgesetz, das seit letztem Jahr in Kraft ist, sollte entsprechend ergänzt werden
Narkoleptiker
am Freitag, 19. Januar 2018, 23:00

Aus der Sicht eines Patienten

Guten Tag,

ja, die Arztbewertungen... Häufig auch schon gemacht. Nur selten mit Note 1, was 2 Kollegen von Ihnen gar nicht gefallen hat. Und was geschah, die Bewertungen waren wenige Stunden nach Veröffentlichungen wieder raus und Jameda wollte Nachweise. Was völlig richtig ist. Aber: Da man bei den Ärzten allein im Zimmer sitzt und keine Lust auf ein Klageverfahren hat, wird so manches schwierig nachzuweisen. Also was bleibt: modifizieren oder resignieren.

Ziel bei einer Bewertung soll doch sein, ein Feedback zu geben, dabei fair und gerecht zu sein, subjektiv ist alles sowieso, sich an Fakten zu orientieren und vor allem nicht euphorisch nach dem Erstbesuch bei einem Mediziner diesen in den Himmel zu loben.

Das Jameda-Bewertungssystem hat Lücken. Es gibt dabei Themen, die nur sehr schlecht bewertbar sind, z.B. die Praxisorganisation, die Helfer/innen usw.

Ein Arzt, bei dem ich mal war, beschäftigte angestellte Ärzte. Mittlerweile gibt es das häufiger. Diese Ärzte sind natürlich nicht in Jameda hinterlegt, da ist nur der oder die Praxisinhaber. Nach dem ich mehrfach von einem angestellten Arzt dort behandelt wurde, wollte ich diesen auch gern ein Feedback geben. Ging nicht. Später kam ich zum Praxisinhaber, es war ein Desaster. Meine Befürchtung: Viele Patienten bewerten die Praxis und berücksichtigen dabei nicht, dass sie vielleicht "nur" bei einem angestellten Arzt waren. Umgekehrt geht das natürlich genauso. Wieder eine Verzerrung der Bewertungen.

Nur 1er Noten und nur 6er Noten können nie der Realität entsprechen. Es fehlt die Bandbreite, die Differenzierung. Ich kenne Praxen, deren Bewertungen müßten längst zur Schließung der Praxen geführt haben, den Ärzten ist es egal, sie ignorieren scheinbar diese Bewertungen und existieren weiter. Gelassenheit ist auch manchmal ganz hilfreich. Andere werden so positiv bewertet, dass die Bewerteten längst Gottstatus haben müßten.

Ganz großartig finde ich Ärzte, die auf Bewertungen reagieren, nachfragen oder sich entschuldigen. Gibt es nur leider fast nie.

Fazit: Ärztebewertungen sind nur so gut wie die Menschen die sie schreiben und die Vorgaben des Bewertungsportals, die zur Benotung führen. Kriterien für die Einstufung in bestimmte Noten fehlen häufig. Ärzte wie deren Mitarbeiter sollten in den Bewertungen eine Chance sehen, ihre eigene Arbeit bzw. Verhaltensweisen zu überdenken, Anregungen aufzugreifen und ggf. umzusetzen. Leider ist die Möglichkeit, mit Ärzten direkt über Eindrücke zu sprechen, sehr schwierig. Entweder besteht keine Möglichkeit, Zeit oder aber der Patient traut sich nicht und stimmt nur mit den Füßen ab.

Das ganze System ist suboptimal. Als Suchsystem für Ärzte naja, Profile ohne Daten wie zur Webseite des Arztes nützen auch nichts.

Alles in allem, nicht sonderlich optimale Situation mit wenig Aussicht auf Verbesserung.

Übrigens, wenn mehr Ärzte ordentliche Webseiten hätten, bei den Arztsuchen der KBV und KVs mehr Informationen enthielten, würden solche Portale weniger Leute erreichen.
Dr. Peter Gorenflos
am Freitag, 19. Januar 2018, 09:52

schlechte Bewertungen bei gleichen Spielregeln für alle sind kein Problem

..........wenn die schlechte Bewertung verschwinden soll, dann muss man sich nur bei Jameda einkaufen, das zeigt die Statistik von Tin Fischer im aktuellen Artikel in DIE ZEIT. Das ist auf alle Fälle ein Art von Schutzgelderpressung. Bewertungsportale müssen neutral sein, es müssen für alle die gleichen Spielregeln gelten. Dann sind auch schlechte Bewertungen akzeptabel, denn aus Fehlern kann man lernen. Aber bei Jameda werden Nicht-Kunden von Kunden übervorteilt, das ist das eigentliche Problem und dagegen muss man etwas unternehmen. Patienten von Nicht-Kunden dürfen nicht an zahlende Jameda-Kundschaft abgeworben werden!
Staphylococcus rex
am Freitag, 19. Januar 2018, 08:33

Die Kombination

aus Werbe- und Bewertungsportal ist kein Zufall. Diese Kombination führt zu einem altbekannten Geschäftsmodell, genannt SCHUTZGELDERPRESSUNG, frei nach dem Motto, "Wenn Sie bezahlen, dann schützen wir Ihren guten Ruf". Die Rolle von BÄK und KBV müßte man dann allerdings als Beihilfe bezeichnen (siehe Kommentar Peter Gorenflos).
Tom Hofmann
am Freitag, 19. Januar 2018, 02:52

@ Dr. Peter Gorenflos

Egal wie man es dreht und wendet, Jameda spricht eine klare Sprache . Sicher wollen alle Kollegen mit bewertungen von weniger als 3 dass Jameda verschwindet.
Ein Arzt sollte Jameda nutzen um sich ins rechte Licht zu stellen
Dr. Peter Gorenflos
am Donnerstag, 18. Januar 2018, 19:07

jameda, unlauterer Wettbewerb, Interessens-Konflikte bei Ärztefunktionären

Dass ein kombiniertes Werbe- und Bewertungsportal zu unlauterem Wettbewerb führen muss, ergibt sich logisch und bedarf keiner Erläuterung durch Spezialisten.
Es stellt sich also sehr die Frage, weshalb die Spitzenfunktionäre der Ärzte- und Zahnärzteschaft nicht sofort Alarm geschlagen haben, als ein solches Kombinations-Portal auf den Markt kam, denn gegen ein einfaches Bewertungs-Portal mit gleichen Spielregeln für alle spricht ja überhaupt nichts. Die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat 2010 sogar Werbung für jameda gemacht und dem Portal in einem Clearingverfahren gute Noten erteilt, statt auf die gravierenden Folgen eines Kombinations-Portals aufmerksam zu machen und hat damit das Ablenkungs-Manöver von jameda unterstützt.
Hängt das eventuell damit zusammen, dass zahlreiche Spitzenfunktionäre der Ärzteschaft im Aufsichtsrat der Ärzte- und Apothekerbank sitzen, die seit vielen Jahren über Focus Money mit Top-Rankings versorgt wird? Diese auflagenstarke und einflussreiche Zeitschrift gehört genauso zur Burda-Gruppe wie jameda! Gibt es einen Deal?
Der BGH sollte das Problem des unlauteren Wettbewerbs in der anstehenden juristischen Auseinandersetzung gegen jameda sehr ernst nehmen und die Zwangsteilnahme am Portal kippen. Grundsätzlich sollten Kombinations-Portale Werbung/Bewertung verboten werden und speziell im Gesundheitswesen sollte ein solches Verbot im neuen Antikorruptions-Gesetz dauerhaft verankert werden.

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