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Politik

Influenza: Gemeinsamer Bundes­aus­schuss will „zügig“ über Vierfachimpfstoff beraten

Donnerstag, 18. Januar 2018

/Redpixel, stock.adobe.com

Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) will „zügig“ darüber beraten, ob der Vierfachimpfstoff gegen Influenza in die Schutzimpfungsrichtlinie übernommen wird. Das hat der Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, angekündigt. Einen genauen Termin nannte das Gremium auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes (DÄ) nicht. Es bestehe eine gesetzliche Frist von maximal drei Monaten, hieß es aus dem G-BA. Damit müsste bis etwa Ende April eine Entscheidung getroffen sein.

Hintergrund ist eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut (RKI), den Vierfachimpfstoff künftig für die Versorgung zu präferieren. Die Stiko hatte die bisherige Influenzaimpfempfehlung im epidemiologischen Bulletin vom 11. Januar 2018 ausgesprochen.

Hinweis in Schutzimpfungsrichtlinie

Sollte der G-BA einen speziellen Hinweis für einen Vierfachimpfstoff in die Schutz­impfungsrichtlinie beschließen, würde diese Leistung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufgenommen. Die Richtlinie und auch die Hinweise darin seien für die Krankenkassen verbindlich, erklärte eine G-BA-Sprecherin dem .

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Derzeit haben die Krankenkassen noch Spielraum bei der Art der Grippeimpfung. Denn laut G-BA ist in der Schutzimpfungsrichtlinie zurzeit nicht ausdrücklich verankert, ob die Kassen die auf dem Markt befindlichen Drei- oder Vierfachimpfstoff verwenden müssen. Damit ist es derzeit allein eine Entscheidung der Krankenkassen, welchen Impfstoff sie ihren Versicherten bezahlen.

Spekulationen darüber, der G-BA würde die Stikoempfehlung nicht umsetzen, wies Hecken heute in die Schranken. Der G-BA habe in der Vergangenheit die Empfehlungen der Stiko „in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle eins zu eins in die Schutz­impfungsrichtlinie übernommen“, sagte er. Vorbehaltlich der Ergebnisse der endgültigen Beratung bestehe kein Grund für solche Spekulationen.

Der GKV-Spitzenverband stellte heute klar, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Das Handeln der Krankenkassen entspreche „der bisherigen Empfehlung“ der Stiko. Diese habe Drei- und Vierfachimpfstoffe als gleichwertig angesehen. „Es gab keine Empfehlung hinsichtlich des zu verwendenden Impfstoffes“, erklärte der GKV-Spitzenverband.

Vierfachimpfstoff nicht lange auf dem Markt

Der Kassenverband betonte zudem, bis zur Grippesaison 2012/13 habe es ausschließ­lich Dreifachimpfstoffe gegen die saisonale Grippe gegeben. Erst seit der Saison 2013/14 seien auch Vierfachimpfstoffe in Deutschland verfügbar, die eine zweite B-Virus-Linie enthalten. Diesen habe die Stiko aber bisher nicht explizit empfohlen. Bisher hatte die Stiko die Influenzaimpfung unter anderem als Standardimpfung für Personen angeraten, die 60 Jahre oder älter sind. Vorgegeben wurde ein Impfstoff mit von der WHO empfohlener Antigenkombination.

Seit dem 1. April 2007 sind Schutzimpfungen Pflichtleistungen der GKV. Zuvor waren sie freiwillige Satzungsleistungen der Krankenkassen. Grundsätzliche Voraussetzung
für die Aufnahme einer Schutzimpfung in den Leistungskatalog der GKV ist zunächst eine Empfehlung der Stiko. Auf dieser Basis legt der G-BA die Einzelheiten zur Leistungspflicht der GKV in der Schutzimpfungsrichtlinie fest.

© may/aerzteblatt.de

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simplicissimus500
am Freitag, 19. Januar 2018, 00:38

Grippeimpfung?

Ach nehmen wir doch einfach den Impfstoff, der für die Schweinegrippe gedacht war - die ja dann doch nicht kam. Können wir eigentlich sicher sein, dass unsere Regierung nicht irgendeinem Lobbyisten auf den Leim geht, der gerade die höchste Summe zahlt? Ach nein, so etwas geschieht doch nur in - was sagte der Trump noch? - genau, in "Scheißlochstaaten", also doch nicht bei uns. Oder?
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 18. Januar 2018, 19:49

"Geiz ist geil"?

Oder "Sparen, bis der Arzt kommt"?

Schon eigenartig, dass Kassenfunktionäre und "Gesundheits-"Bürokraten, die in ihrem Leben noch nie einen einzigen Patienten geimpft haben, in grandioser Selbstüberschätzung und infektionsepidemiologischer Einfalt eine Influenza-Impfstoffversorgung ausgeschrieben haben, die sich jetzt bitter rächt.

Unter den Angeboten der Impfstoffhersteller gewann das quantitativ billigste und qualitativ schlechteste Produkt die Ausschreibung, insbesondere weil den Aufsichtsbehörden Fach- und Sachkenntnisse fehlten.

Und zu allem Überfluss sollen wir Hausärztinnen und Hausärzte bzw. infektions-epidemiologisch versierte Fachärzte und die wenigen, qualifizierten Infektiologen das auch noch ausbaden. Denn unsere Patientinnen und Patienten sind durch die Medien alarmiert worden, ein juristisch versierter, kommissarischer Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter hält sich dagegen vornehm zurück.

Die Hotline-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter der GKV-Krankenkassen müssen Süßholz raspeln: "Alles, aber auch alles, kann Ihr Arzt verordnen, wenn er es für notwendig hält - unsere Kasse übernimmt das selbstverständlich!", damit die Kassenprüfer im gemeinsamen Prüfungsausschuss der Ärzte und Krankenkassen umso heftiger ihre Regress-Keule gegen Vertragsärzte schwingen können, wenn irgendeine klitzekleine Vorschrift nicht peinlichst genau befolgt wurde.

Zum Hintergrund: Die Schutzwirkung der Grippe-Impfung betrug nur 17 Prozent bei den in Australien zirkulierenden Influenza A(H3N2)-Stämmen. Das wurde dann auch noch als "relativ niedrige Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe" schön geredet!

Unter http://flunewseurope.org/ steht:
"Due to the diversity of A(H3N2) influenza viruses that circulated during the 2017 Southern Hemisphere season and reports of low vaccine effectiveness (17% against A(H3N2) overall), WHO recently recommended a change of the A(H3N2) component for inclusion in seasonal influenza vaccines for use in the 2018 Southern Hemisphere influenza season. In addition, the influenza B lineage in trivalent vaccines was changed to a B/Yamagata-lineage virus, compared to the vaccine component (a B/Victoria-lineage virus) recommended for 2017–2018 Northern Hemisphere influenza season."

Das bedeutet m.a.W.: Wenn das Europäische Centre for Disease Prevention and Control schon gemeinsam mit der WHO für die nächste Saison bei der A(H3N2)-Komponente den Wechsel von A/Hong Kong/4801/2014 auf A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und beim Influenza-B-Subtyp den Wechsel von B/Victoria auf B/Yamagata empfiehlt, war die gemeinsame Entscheidung von G-BA, Robert-Koch-Institut (RKI) und STIKO, auf den billigst-möglichen trivalenten Influenza-Impfstoff zurück zu greifen, ein Schuss in den Ofen!

Denn der zugegeben teurere, tetravalente Influenza-Impfstoff hätte die jetzt offenkundigen Lücken bei der Influenza-Epidemiebekämpfung bereits im Vorfeld locker geschlossen: Tetravalent bedeutet, A(H3N2)-Komponente A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und B/Yamagata sind im tetravalenten Grippe-Impfstoff bereits mit eingebaut und hätten unter geringer Kostensteigerung einen wirklich relevanten Grippeschutz ermöglicht.

Eine Schutzrate von nur 17 Prozent bei einer Influenza-Impfung ist ebenso armselig, wie die Bemühungen selbsternannter Medizin-bildungsferner Impf- und Infektionsepidemiologie-Strategen, genau am falschen Ende sparen zu wollen: Auf Kosten der Patientinnen und Patienten, der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und der Kliniker, die jetzt einer völlig unnötigen Grippewelle auf Grund mangelhafter Impfstoffe entgegensehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S.: Nur zur Erinnerung: Bereits seit 2013 steht mit Influsplit™ Tetra eine tetravalente Grippe-Vakzine zur Verfügung, die einen zusätzlichen B-Virusstamm enthält. Tetravalenter Grippe-Impfstoffe bietet breiteren Schutz.

Bereits für die Saison 2012/2013 empfahl die WHO deshalb erstmals vier Vakzine-Stämme, nämlich zwei A- und zwei B-Virusstämme.

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