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Medizin

Labordiagnose MGUS: Blutkrebs kündigt sich bereits Jahrzehnte früher an

Donnerstag, 18. Januar 2018

/cassis, stockadobecom

Rochester/Minnesota – Eine Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz (MGUS), eine gesicherte Präkanzerose für lymphoproliferative Erkrankungen wie Multiples Myelom oder Morbus Waldenström, kann über 30 Jahre bestehen, bevor es zu einer klinischen Erkrankung kommt. Dies geht aus einer epidemiologischen Studie im New England Journal of Medicine (2018; 378: 241–249) hervor.

Patienten mit Monoklonaler Gammopathie Unklarer Signifikanz (MGUS) haben keinerlei Beschwerden. Die Diagnose wird meist zufällig gestellt, wenn aus anderen Gründen eine Elektrophorese veranlasst wird. Im Bereich der Gammaglobuline ist eine zusätz­liche Zacke zu erkennen, der „M-Gradient“. Er zeigt eine überschießende Bildung bestimmter Antikörper (oder Teilen davon) an, wie dies auch beim Multiplen Myelom oder beim Morbus Waldenström der Fall ist. Der M-Gradient weist auf die Ausbreitung von Zellklonen im Knochenmark hin. Ihr Anteil liegt definitionsgemäß bei unter 10 %, und die Anflutung der Immunglobuline im Blut hat bei MGUS noch nicht zu Symptomen geführt.

Je nach Art der Globuline wird eine (seltenere) IgM-MGUS von der (häufigeren) non-IgM-MGUS unterschieden. Beide sind Risikofaktoren für eine lymphoproliferative Erkrankung, wobei sich aus der IgM-MGUS am häufigsten ein Morbus Waldenström entwickelt, während die non-IgM-MGUS Vorläufer des Multiplen Myeloms ist. Beide Erkrankungen können durch die Ablagerung der Gammaglobuline eine Amyloidose auslösen.

Eine MGUS ist relativ häufig. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass sie bei etwa 3 % der 50-Jährigen und 5 % der 70-Jährigen vorliegt. Ein Team um Vincent Rajkumar von der Mayo Clinic in Rochester hat jetzt untersucht, wie häufig sich daraus ein Multiples Myelom, ein Morbus Waldenström oder andere Erkrankungen entwickeln. Die Forscher konnten dabei auf die Archive der Mayo Clinic zurückgreifen, die bis ins Jahr 1960 zurückreichen. Da die Klinik in der ländlichen Region im südlichen Minne­sota das einzige größere Behandlungszentrum ist, war sichergestellt, dass sie bei einer späteren Erkrankung erneut an der Mayo Clinic behandelt wurden. 

Seit 1960 wurde bei 1.129 Patienten ein non-IgM-MGUS und bei 210 Patienten ein IgM-MGUS diagnostiziert. In den folgenden 14.130 Personenjahren ist es bei 147 Patienten zu einer lymphoproliferativen Erkrankung gekommen. Die Rate war nach den Berechnungen von Rajkumar 6,5-mal (95-%-Konfidenzintervall 5,5 bis 7,7) so hoch wie in der gleichaltrigen Bevölkerung ohne MGUS. 

In den ersten zehn Jahren nach der Diagnose des MGUS kam es bei 10 % zu einer lymphoproliferativen Erkrankung. Nach 20 Jahren war die Rate auf 18 % und nach 30 Jahren auf 28 % gestiegen. Nach 35 und 40 Jahren war es bei 36 % der Patienten zu einer Erkrankung gekommen (Es gab aber nur wenige Patienten, die so lange lebten, da die MGUS im Durchschnitt erst im Alter von 72 Jahren diagnostiziert wurde).

Beim non-IgM-MGUS war vor allem das Risiko auf ein Multiples Myelom (relatives Risiko RR 27,5) und auf andere Plasmozytome (RR 15,0) erhöht. Bei einigen Patienten kann es auch zu einer AL (Leichtketten)-Amyloidose (RR 8,3).

Beim IgM-MGUS war vor allem das Risiko auf einen Morbus Waldenström (RR 287,7) und ein Non-Hodgkin-Lymphom (RR 10,6) erhöht. Eine AL-Amyloidose (RR 13,1) gehört ebenfalls zu den Folgen einer IgM-MGUS.

2 Faktoren beeinflussten das Erkrankungsrisiko: Dies war einmal ein abnormaler Quotient der freien Kappa- zu den Lambda-Leichtketten im Serum. Der zweite Faktor war eine hohe Serumkonzentration des M-Proteins (1,5 g/dl oder mehr): Patienten, die beide Risikofaktoren aufwiesen, waren nach 20 Jahren zu 55 % (IgM-MGUS) beziehungsweise zu 30 % (non-IgM-MGUS) erkrankt. Bei Patienten ohne die beiden Risikofaktoren betrug das Progressionsrisiko nur 19 % beziehungsweise 7 %.

Rajkumar konnte auch einen Einfluss auf die Lebenserwartung nachweisen. Sie war für Patienten mit MGUS auf 8,1 Jahre gegenüber 12,4 Jahre in der gleichaltrigen Normal­bevölkerung verkürzt.

Ob das erhöhte Risiko ein Screening rechtfertigt, wird derzeit in Island in einer Studie untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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Gromer
am Freitag, 19. Januar 2018, 15:34

Auch an M. Gaucher denken

Es ei erwähnt, das Patienten mit der Speicherkrankheit M. Gaucher ein um rund um den Faktor 120 erhöhtes Risiko für ein Plasmozytom haben. Auch bei ihnen finden sich häufig zuvor ein MGUS. Den M. Gaucher kann man sehr gut behandeln. Evtl. kann dadurch ein fortschreiten verhindert werden, zumindest aber evtl. weitere mögliche Betroffene (Erbkrankheit auto. rez.) in der Familie frühzeitig behandelt werden.

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