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Medizin

Test erkennt Barrett-Ösophagus ohne Endoskopie

Freitag, 19. Januar 2018

/psdesign1, stockadobecom

Cleveland/Ohio – Eine Kapsel von der Größe einer Vitaminpille, die nach dem Schlucken Gewebeproben von der Ösophagusschleimhaut einsammelt und dann wieder geborgen wird, könnte eine Früherkennung des Barrett-Ösophagus ermög­lichen. Erste klinische Tests in Science Translational Medicine (2018; 10: eaao5848) erzielten eine hohe diagnostische Genauigkeit. 

Der Barrett-Ösophagus, eine Metaplasie der Schleimhaut im unteren Ösophagus, zu der es nach einem langjährigen gastroösophagealen Reflux kommt, ist eine häufige Vor­läufer­läsion für das Adenokarzinom des Ösophagus, die jedoch selten erkannt wird. Zum einen wird das Symptom Sodbrennen vielfach nicht ernst genommen, zum anderen hat sich ein endoskopisches Screening nicht als kosteneffektiv erwiesen. Bei den meisten Patienten wird deshalb eine Früherkennung der Krebserkrankung, deren Häufigkeit sich in den letzten 3 Jahrzehnten vervierfacht hat, verpasst. 

Ein Screeningtest, der ohne eine Endoskopie auskommt, könnte die Früherkennung verbessern. Es hat nicht an Ideen gefehlt, Abstriche der Ösophagusschleimhaut ohne Endoskop zu gewinnen. Britische Forscher haben dies mit einem Schwamm versucht, der in einer Kapsel verborgen geschluckt wird und nach der Entfaltung an einem Bindfaden wieder aus der Speiseröhre geborgen wird. Der Test hat in einer Studie des Medical Research Council eine hohe diagnostische Genauigkeit erzielt.

Ein Team um Amitabh Chak von der Case Western Reserve University in Cleveland hat jetzt ein anderes Verfahren erprobt. Es besteht aus einer kleinen Kapsel von der Größe einer Vitamintablette (16 mal 9 mm). Sie enthält einen Ballon, der an einem kleinen Silikonkatheter (Durchmesser 2,16 mm) befestigt ist. Wenn die Kapsel den Magen erreicht hat, wird der Ballon mit Luft gefüllt. Seine Oberfläche streift beim Zurück­ziehen über die Schleimhaut des unteren Ösophagus, wo sich die Ösophagus-Läsionen befinden. Nach einer gewissen Strecke, kann der Ballon durch das Absaugen der Luft wieder in die Kapsel gezogen werden, was die Bergung des Katheters für den Patienten erträglicher macht und die diagnostische Ausbeute möglicherweise verbessert.

Das Material wird dann im Labor auf genetische Veränderungen untersucht. Die Forscher hatten herausgefunden, dass es im Barrett-Ösophagus zu einer veränderten Methylierung von zwei Genen, VIM und CCNA1, kommt. Eine erste klinische Studie an 86 Patienten ergab, dass ein Barrett-Ösophagus mit einer Sensitivität von 90,3 % und einer Spezifität von 91,7 % erkannt werden kann. Für einen Screeningtest wäre dies ein ausreichendes Ergebnis (auch wenn die Spezifität höher sein könnte, um allzu viele falschpositive Ergebnisse bei der Endoskopie zu vermeiden, die zur Sicherung der Diagnose erforderlich wäre).

Eine wichtige Voraussetzung für einen Screeningtest, der nach Ansicht von Chak beim Hausarzt durchgeführt werden könnte, wäre die Akzeptanz. Während die meisten Menschen bereit sind, die Kapsel von der Größe einer Vitaminpille zu schlucken, dürfte der daran befestigte Silikonschlauch die Begeisterung hemmen. Bei einem ersten Test an 156 Patienten schafften es 28 Patienten (18 %) nicht, die Ballonkapsel zu schlucken. Bei den anderen war die Untersuchung des öfteren mit Angst, Schmerzen oder einem Würgereiz verbunden, gesteht Chak ein. © rme/aerzteblatt.de

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